Kultur

Noch immer eine sommersprossige und glatte Haut - dank Botox: Gerhard Haderers Karikatur hier im Ausschnitt, eine Gesamtansicht sehen Sie in der Bildergalerie am Ende des Beitrags. (Karikatur: Gerhard Haderer)

08.09.2016

Forever young

Im Sozialministerium gastiert eine Wanderausstellung mit Karikaturen übers Alter

Alle wollen alt werden - aber keiner will es sein: Da ist eine gängige Lesart, die man auch in der Wanderausstellung „Das Alter in der Karikatur“ entdeckt, die derzeit im Foyer des Sozialministeriums gastiert. "Ganz schön alte Schachteln sind wir  schon, nicht?", meint eine Dame am Kaffeetisch - die andere quittiert: "ICH nicht: DU!" (Karikatur von Marie Marcks Erbend). Der Kampf gilt Falten und Krampfadern - zumindest bei Ersteren scheint Botox die neue Wunderwaffe zu sein. Hinreißend gemein Gerhard Haderers Interpretation: Die gealterte Pippi Langstrumpf hat noch immer ihr sommersprossige, glattes Lausmädelgesicht  - aber ab dem Hals abwärts sietzt da ein zunehmend erschlaffender, aus der Form geratener Omakörper. Renommierte zeitgenössischen Karikaturisten wie Gerhard Haderer, Franziska Becker, Gerhard Glück, Greser&Lenz, Marie Marcks, Michael Sowa, Hans Traxler und viele andere beleuchten in dieser Ausstellung das viel diskutierte Thema Alter. In ihren Karikaturen geht es um Golden Ager, Körperoptimierung und Anti-Aging ebenso wie um Demenz, Pflege und Gebrechlichkeit, um Generationenkonflikte und den demografischen Wandel. Das Alter in all seinen neuen und alten Facetten wird in dieser Ausstellung ausgiebig gewürdigt.

Tor zum Unbewussten

Kuratorin Franziska Polanski über Auswahl und Aufbau der Ausstellung: "Sie beruhen unter anderem auf den Erfahrungen aus einem Forschungsprojekt über Altersbilder in Karikaturen am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg. Humor wurde dabei als ein 'Tor zum Unbewussten' begriffen, zu den unbewussten Einstellungen und Gefühlen. Diese sind deshalb so interessant, weil sie das menschliche Handeln maßgeblich bestimmen. Wie also sieht es 'im tiefsten Inneren' mit den Einstellungen und Gefühlen gegenüber dem Altern aus? Zwar hat sich das bewusste Wissen über das Phänomen Alter in den letzten Jahrzehnten dank intensiver Aufklärungsbemühungen vermehrt, Menschen in Deutschland haben einen weitgehend differenzierten Blick auf das Alter. Und dennoch, Altersabwertung und -Diskriminierung spielen weiterhin eine bedeutende Rolle. Nicht nur an Aufstiegschancen, die sich in manch einer Firma schon ab dem 40. Lebensjahr drastisch reduzieren, ist in diesem Zusammenhang zu denken oder an die 'Zwangsberentung', sondern auch an die vielen kleinen verbalen Verletzungen, die schnell einmal so daher gesagt oder geschrieben werden. Warum wird jedermann ab dem 60. Lebensjahr in der Presse als 'Rentner' tituliert? Die Ergebnisse des Forschungsprojekts am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg zeigen, dass sich Altersbilder in Karikaturen in den letzten rund 50 Jahren kaum zum Positiven gewandelt haben. Im Gegenteil, alte Menschen werden in Karikaturen der Gegenwart sogar signifikant häufiger durch körperliche und geistige Defizite sowie mangelnde Attraktivität, ein ungepflegtes, vernachlässigtes Äußeres, charakterisiert als in den 60er Jahren. Diese Ergebnisse überraschen, stehen sie doch in krassem Gegensatz zum realen Wandel der Lebensphase Alter. 60 bis 80jährige sind heute bekanntlich fitter, sozial und ökonomisch besser gestellt sind und stehen, was Bemühungen um Mode und Styling betrifft, der jüngeren Generation häufig keineswegs nach." (Franziska Polanski) Die Wanderausstellung „Das Alter in der Karikatur“ führt vor dem Hintergrund dieser Forschungsergebnisse tief hinein in die Welt der über Generationen im kollektiven Gedächtnis verwurzelten und heute vielfach tabuisierten, aber wirkmächtigen Altersstereotype und lädt auf höchst unterhaltsame Weise zur Auseinandersetzung mit ihnen ein. (BSZ)

Information: Bis 7. Oktober. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Foyer, Winzererstraße 9, 80797 München.
www.das-alter-in-der-karikatur.de

Zur Ausstellung erschien ein Buch:
Franziska Polanski (Hrsg.),  Das Alter in der Karikatur, Implizit Verlag Heidelberg, 17,80 Euro, 3. Aufl., 2016. Das Buch kann bezogen werden unter: implizit-verlag(at)t-online.de 

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