Kultur

Warum fehlt dem Lotto-Otto (Johannes Berzl, Mitte) ein halber Finger? Und wer ist überhaupt sein Vater? Der Eberhofer Franz (Sebastian Bezzel, links) und sein Spezl, der Birkenberger Rudi (Simon Schwarz), nehmen den jungen Niederkaltenkirchener vergeblich in die Zange. (Foto: Constantin Film)

15.07.2022

Grassierende Geldgier

Neuer Eberhofer-Krimi „Guglhupfgeschwader“ kommt ins Kino: Vor allem Nachwuchsschauspieler Johannes Berzl begeistert als Lotto-Otto

Jetzt sitzt der Franz mit der Susi in einer Paartherapie – wie nicht anders zu erwarten ein großer Flop. Eigentlich hätte der Franz so eine Behandlung sowieso nötiger mit dem Birkenberger Rudi: Der nämlich ist – anders als die Susi, die sich schon recht gschnappig wehrt – immer zutiefst verletzt von den rüden Zurückweisungen seines Freundes. Und wie herzerweichend-traurig, um Fassung ringend schaut der Rudi diesmal – grad um die Wette mit der Hinkelotta: Auch dieses Geschenk, einen dreibeinigen Hund, weist der Eberhofer schroff ab.

Spirituelle Masche

Ist es vielleicht nur sein kultiviertes niederbayerisches Phlegma nach der Devise „Lasst’s mir mei Ruah“/„Leckt’s mi am Oarsch“ – oder steckt doch mehr dahinter, ist Franz Eberhofer in seinem Innersten selbst verletzt und damit ein Fall für den Psychoanalytiker? Aber dieser würde sich vermutlich an dem Niederkaltenkirchener Polizisten die Zähne ausbeißen – genauso wie die Theres mit ihrer spirituellen Masche. Mit der landet sie hingegen direkt im Herz und sogar in der Wohnung vom Rudi. Na ja – aber die Beherrschung seines Karmas, an das sie ihn beharrlich erinnert, findet auch beim Birkenberger letztlich ein rapides Ende, als nämlich sein Auto geklaut wird.

Ja, die Beziehungskisten werden im neuen Kino-Eberhofer-Krimi Guglhupfgschwader (der achten Verfilmung von Rita Falks Erfolgsserie) emsig weiter vollgestopft. Ein paar mehr oder weniger Vertraute haben die recht überschaubare Welt Niederkaltenkirchens verlassen: Die Ehefrauen von Leonhard Eberhofer und vom Flötzinger samt ihren Kindern waren sowieso nicht mehr als Statisten. Ohne Eisi Gulp, Enzi Fuchs und Gerhard Wittmann als Vater, Oma und Bruder Leonhard Eberhofer geht natürlich gar nichts – und Lisa Maria Potthoff nimmt als Susi auf dem Eberhofer-Anwesen immer mehr die Zügel (und das Gewehr) in die Hand.

Die Stammbesetzung ersetzen Gäste: wie Michael A. Grimm, der als Mike Kuglmayer sich voll dem Showdown auf dem Eberhofer-Hof hingibt. Allen voran sorgen aber zwei Neue für manchen Gag und einige Überraschungen: Neben der vom Fernsehen (unter anderem Tatort/Dortmund) bekannten Stefanie Reinsperger, die als Theres das Dreamteam Eberhofer/Birkenberger (Sebastian Bezzel/ Simon Schwarz) mit emotionaler Beharrlichkeit aufmischen möchte, ist das vor allem der noch relativ unbekannte Johannes Berzl, der voll in der Rolle des Lotto-Otto aufgeht: Wie der 22-jährige Nachwuchsschauspieler aus Cham diesen Otto, der zwar nie einen Hauptschulabschluss, es aber bereits in kriminelle Kreise geschafft hat, wie Berzl also diesen Kerl spielt, kommt wie die wunderbare Typenfigur einer bayerischen Commedia dell’Arte herüber. Mit keinem sichtbaren Aufwand an Gekünsteltheit lässt er den Lotto-Otto changieren zwischen dumpfbackigem Nullchecker, bauernschlau-durchtriebenem Erpresser und grienendem Weichei. Kein Wunder, dass er auch dem Eberhofer Rätsel aufgibt.

Flötzinger auf Hochtour

Vor allem steht der Lotto-Otto im Zentrum eines länderübergreifenden Verbrechens, das diesmal die niederbayerische Provinz heimsucht, in der gerade das Fieber nach einem großen Lottogewinn grassiert, was beinahe in einen Familienkrieg bei den Eberhofers ausartet. Auf jeden Fall aber beschert die Geldgier Daniel Christensen als Installateur Flötzinger einige abgefahrene Szenen.

Freilich löst der Eberhofer auch diesen wenig komplizierten Fall – er hat ja ohnehin eine solch fulminante Aufklärungsquote, dass zu seinem zehnjährigen Dienstjubiläum gar ein Staatssekretär anreist. Und natürlich sind der Eberhofer und der Birkenberger am Ende wieder ein Herz und eine Seele – auch ohne Paartherapie, aber mit einer Halben mitten auf dem „Eberhofer-Kreisel“. (Karin Dütsch)

Information: Ab 4. August im Kino. Guglhupfgeschwader. Regie: Ed Herzog. Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog. Produzentin: Kerstin Schmidbauer. Co-Produzent*innen: Stephanie Heckner (BR), Katja Kirchen (ARD Degeto), Christoph Pellander (ARD Degeto). Verleih: Constantin Film.

 

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