Kultur

Frisch und frech geht es zu mit Hans Gröning als Oberst Ollendorf, Elvira Hasanagi(´c) (Laura) und Daniel Prohaska (Symon Symonowicz). (Foto: Thomas Dashuber)

19.04.2013

Grüße vom Nockherberg

Das Gärtnerplatztheater beweist mit Millöckers "Bettelstudent", dass die Gattung Operette keineswegs ausgedient hat

Vielleicht hätte Symon Symonowicz tatsächlich nur auf das kommende Wintersemester warten sollen. Dann nämlich werden in Bayern die Studiengebühren abgeschafft – was dem Bettelstudenten sicherlich einiges erleichtern und noch mehr ersparen würde. Nicht zuletzt hätte sich der Krakauer Studiosus nicht auf den Deal des sächsischen Oberst Ollendorf einlassen müssen, der sich an Laura rächen möchte – weil sie seine Avancen nicht erwidert. Allerdings wäre es dann nicht zur schlussendlichen Heirat zwischen ihm und Laura gekommen, die sich durch diesen Handel erst kennengelernt haben.
In ihrer Neuinszenierung von Carl Millöckers Operette Der Bettelstudent, für die das Gärtnerplatz-Theater im Münchner Prinzregententheater gastiert, setzt Emmy Werner auf aktuelle Bezüge – mit viel Witz. Damit folgt die Wienerin der Gattungstradition der Operette, die stets auch ein Spiegel ihrer Zeit war. Dafür hat Werner behutsam und liebevoll in den Text eingegriffen, um den Stoff näher an das Hier und Jetzt zu rücken – deswegen der Wink mit den bayerischen Studiengebühren.
Es ist eine Produktion herausgekommen, die viel Charme und Humor, Verve und Esprit hat. Das alles ist kurzweilig, geistreich unterhaltend, überaus vergnüglich – zumal die Solisten rundum glänzen. Sie profitieren auch von der umsichtigen Leitung von Michael Brandstätter, der das Orchester nicht dick auftragen lässt: Der junge Österreicher kultiviert eine wohltuende Transparenz, ohne das Beschwingte zu vernachlässigen. Damit schenkt er den Solisten viel Spielraum, den diese gesanglich und darstellerisch wunderbar nutzen.

Minister und Manager kriegen ihr Fett weg

Das gilt allen voran für die zwei Traumpaare Laura (Elvira Hasanagi(´c)) und Symon (Daniel Prohaska) sowie Bronislawa (Simona Eisinger) und Jan (Mathias Hausmann). Und wie Hans Gröning das berühmte Couplet „Schwamm drüber“ des Oberst Ollendorf im Zweiten Akt dank der witzigen Aktualisierungen im Text ins Heute trägt, ist beste Nockherberg-Tradition. Vom Münchner Mietenwahnsinn singt er und von Fleisch, in dem nicht das drin ist, was drauf steht. Natürlich bekommen auch Plagiatoren-Minister, Manager und Finanzjongleure ihr Fett weg.
Und so ist dieser Theaterabend ein mustergültiger Befreiungsschlag – gerade wegen der originellen und klugen Eingriffe in den Text, die dieses Werk näher ans heute rücken. Denn nicht zuletzt wird damit auch unter Beweis gestellt, dass die Operette als Gattung keineswegs ausgedient haben muss, wenn sie nur zeitgemäß, frisch und frech befragt wird. So kann und muss leichtes Musiktheater sein: großartig, fulminant – hingehen! (Marco Frei)

Die Frage der Woche

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