Kultur

2018 gaben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das Gemälde "Bauernstube" von Ernst Immanuel Müller an Miriam Friedmann stellvertretend für die Erbengemeinschaft von Ludwig Friedmann (1880 bis 1943) zurück. Das Gemälde hatte der Augsburger Wäschegroßhändler 1919 in einer Münchner Kunsthandlung gekauft. Nach dem Freitod des Ehepaars Friedmann am Tag vor iher geplanten Deportation wurde sein gesamtes Eigentum eingezogen. (Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen/Franziska Pietsch)

14.05.2019

Historische Verantwortung

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende arbeiten Museen immer noch daran, von den Nazis geraubte Kunstschätze zurückzugeben. In Bayern gibt es einige Erfolge

Museen und Bibliotheken in Bayern haben im vergangenen Jahr zwölf von den Nationalsozialisten geraubte Kunstschätze an die Familien der früheren Eigentümer zurückgegeben. Dabei handele es sich um Gemälde, Zeichnungen, Bücher und eine Plastik, teilte der Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern am gestribenMontag in München bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts für das Jahr 2018 mit.

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) sprach von einer historischen Verantwortung, sich mit der Rückgabe von NS-Raubgut an die Erben der meist jüdischen Opfer auseinanderzusetzen. "Es geht natürlich auch um sehr emotionale Familiengeschichten, um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit", sagte Sibler. Weitere Rückgaben stünden zeitnah an.

Einige der Objekte gehörten ursprünglich dem jüdischen Münchner Kunsthändler Siegfried Lämmle, der von den Nazis immer mehr unter Druck gesetzt wurde und schließlich 1938 mit seiner Ehefrau in die USA emigrierte - ohne seine Kunstschätze. Im Bayerischen Nationalmuseum fand sich eine Tonstatuette aus dem 18. Jahrhundert, die ihm gehört hatte. Das Deutsche Theatermuseum entdeckte sieben Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit Szenen des Nürnberger Schembartlaufs.

Doch nicht nur Juden verloren unter den Nazis ihre Besitztümer. Die Bayerische Staatsbibliothek restituierte 61 Bücher, die damals einem Verband katholischer Religionslehrer gehört hatten.

Mit der Aufarbeitung von Kunstraub während der NS-Zeit sind die Forscher vollauf beschäftigt. Doch in vielen Museen lagern auch Objekte, die westliche Forscher in anderen Ländern entwendet hatten, etwa in Australien oder Afrika. Seit einiger Zeit wird dem Thema Kolonialismus immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. "Das ist noch ein großes Dunkelfeld", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Forschungsverbundes, Stephan Kellner.

Das Museum Fünf Kontinente in München hatte erst kürzlich die sterblichen Überreste eines australischen Ureinwohners, die Entdecker Ende des 19. Jahrhunderts geraubt und nach Europa verschifft hatten, an seine Nachfahren zurückgegeben. "Dieser Bereich wird an Bedeutung gewinnen, ohne dass die Forschung zu nationalsozialistischer Raubkunst darunter leiden wird", erklärte der Verbundsvorsitzende Johannes Gramlich.

Im 2015 gegründeten Forschungsverbund sind 19 Institutionen vertreten, darunter das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die Staatsbibliothek sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen. Aktuell arbeitet der Verbund laut Bericht an 33 Projekten, bei denen es um Raubkunst geht. (Cordula Dieckmann/dpa)

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