Kultur

Als Artist-in-Residence stand German Stegmaier eine Wohnung und ein Atelier zur Verfügung. (Foto: Galerie Zink)

28.05.2021

Inspirierende oberpfälzer Exotik

Die Galerie Zink in Waldkirchen zeigt Arbeiten von German Stegmaier, der als Artist-in-Residence zu Gast war

Im November 2020 war German Stegmaier einen Monat lang zu Gast oben auf dem Jurahügel von Waldkirchen – es war nicht gerade der Monat, in dem man dort gerne Urlaub macht. Aber in seinem Fall war es ja ein Artist-in-Recidence-Aufenthalt, den der Münchner Künstler in der Galeriewohnung von Galerist Michael Zink verbracht hat. Und das Nebelgrau dort oben, die heranrollenden Wolken und ersten Schneefälle, diese „Unfarben“ sind genau das, was Stegmaier liebt, was er auf seinen Leinwänden zumeist in Öl und ohne Titel übereinanderschichtet. Das tut er auch mal über einem farbigen Untergrund, der dann nur noch an den Rändern hervorspitzt.

Stegmaier schichtet Formen und Farben – beim Betrachten ist man in der Rolle der Entdeckerin und des Entdeckers, der Archäologin und des Archäologen. Das gilt vor allem auch bei Stegmaiers Zeichnungen: Von dem, was er mit Bleistift konstruiert hat, sieht man nur noch wenig – alles andere ist wegradiert, bevor sich der Künstler zum „fertig“ entschließt, was manchmal erst nach zehn Jahren erfolgen kann.

Solche Einladungen an Residenzangebote waren von Anfang an ein Teil des Galeriekonzepts von Michael Zink in dieser einsamen Gegend der Oberpfalz. Eine Wohnung, ein Atelier stehen den Gästen zur Verfügung: Zum Beispiel Stegmaier oder zu Beginn 2021 der Kunstprofessorin Jana Gunstheimer aus Jena, deren Werke Zink schon in seiner früher in Berlin betriebenen Galerie ausgestellt hatte.

Wie in Klausur

Auch Jana Gunstheimer war fasziniert von dieser „Es ist alles anders“-Erfahrung: entfernt von der Familie, ohne Fernseher und Rundumversorgung und einbezogen in die Gleichgestimmtheit zwischen dem Spätwinter draußen und den bei ihr dominierenden Farben Schwarz und Weiß. Da sei vieles, was sie sich zu Hause überlegt hatte, nicht mehr kalkulierbar gewesen, erzählt sie. Als studierter Ethnologin gefällt ihr dieser Blick aus einer ungewohnten Perspektive: kein Großstadt-Jetset, stattdessen die Exotik der Oberpfalz. Die sollen auch ausländische Gäste kennenlernen: Matias Sanchez aus Sevilla zum Beispiel, der bei ausbrechender Pandemie gerade noch mit dem letzten Flieger aus der Waldkirchner Klausur nach Andalusien zurückkehrte.

German Stegmaier ist nach Studienzeiten und mehreren Jahren besonders in Amsterdam und New York in München ansässig geworden: mit einem Atelier im Glockenbachviertel und der Wohnung gleich über der Isar in Haidhausen. Trotzdem ist er in die Münchner Galerieszene weniger involviert. So eine „residency“, wie sie manche Galeristen anbieten, kommt ihm da wie eine „echte Klausur“ vor: mit Waldspaziergängen und Pilzsuche, mit Fokussierung auf den Ort, mit Arbeitszeiten tags und nachts. Als eine „Neujustierung“ hat er die Zeit neben der alten Wallfahrtskirche empfunden. Auch weil Zink ihm Galerieräume anbietet, die Stegmaiers Arbeiten in der aktuellen Ausstellung (bruchteile) optimal entgegenkommen.

Wie immer sind alle Wände neu gestrichen, diesmal in Weiß. Auf denen konnte Stegmaier komponieren, was ihm besonders zum Thema Grau eingefallen ist und was er durch Querverbindungen in Bezug setzen will. Das sind – wie die angestrichenen Bilderrahmen – immer wieder „Objets d’art“, die heftige Reaktionen des Publikums provozieren, wenn nur ein Stück weiße Wand eingerahmt oder das Grau von Pflasterverbundsteinen mit dem von Ölgemälden kontrastiert wird. Dazu kommt die besondere Fenster- und Lichtsituation, die Stegmaier in seinen Gouachen wiedergibt als Kombination von neuem Licht, veränderten Farben und von Einsamkeit.

Das mit der „residency“ gefällt ihm: „Weil es einen aus der Routine herausreißt, als wenn man neben sich tritt und Selbstverständlichkeiten neu sieht.“ (Uwe Mitsching)

Information: Bis 4. Juli. Galerie Zink, Waldkirchen 2, 92358 Seubersdorf i. d. OPf. Aktuelle Öffnungszeiten unter www.zink-waldkirchen.de

 

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