Kultur

Mit dieser aufwendig gestalteten Glückwunschadresse gratulierte der Landrat des Kreises Unterfranken und Aschaffenburg dem Prinzregenten zu dessen 70. Geburtstag. (Foto: Bayerisches Nationalmuseum/Bastian Krack)

10.12.2021

Mit Stil gratulieren

Das Bayerische Nationalmuseum zeigt Geburtstagsgaben für Prinzregent Luitpold, die bisher noch kaum bekannt sind

Es funkelt und glitzert in den Vitrinen. Da liegen Prunkkassetten überzogen mit Samt und Leder, sie haben kunstvolle Silberbeschläge und prächtige Emailverzierungen, zeigen farbenfrohe Aquarelle und Stickereien. Alle hatten nur einen Zweck: Sie waren „Verpackungen“ für die Glückwünsche an Prinzregent Luitpold (1821 bis 1912) zu dessen runden Geburtstagen – natürlich wollten sich die Stifter dabei selbst in bleibende Erinnerung bringen. Zu sehen sind all diese Gratulationspreziosen in der Ausstellung Glanzvolle Glückwünsche im Bayerischen Nationalmuseum in München.

Die Geschichte Bayerns um 1900 ist mit der Person Luitpolds verbunden. Man sprach von der Prinzregentenzeit, die im Nachhinein verklärend als „die gute alte Zeit vor anno 14“, dem Beginn des Ersten Weltkriegs, in Erinnerung blieb. Luitpold war als Sohn König Ludwigs I. und seiner Frau Therese am 12. März 1821 in Würzburg geboren. Zunächst schlug er eine Militärlaufbahn ein. Für die Regierung war er als Drittgeborener nicht vorgesehen.

Rüstiger Altersregent

Eine entscheidende Wendung im Leben Luitpolds und der Geschichte Bayerns brachte das Jahr 1886. König Ludwig II. kam am 10. Juni auf noch immer ungeklärte Weise im Starnberger See zu Tode. Sein Bruder Otto wurde neuer König von Bayern. Aus gesundheitlichen Gründen konnte dieser die Regierungsgeschäfte jedoch nicht übernehmen. An seiner Stelle übertrug man die Regierung seinem Onkel Luitpold. Am 28. Juli 1886 leistete dieser den Eid als „des Königreichs Bayern Verweser“. Er war damals 65 Jahre alt – ein Alter, in dem andere in den Ruhestand treten. Nicht so Luitpold. Er sollte noch 26 Jahre die Geschicke des Landes lenken.

Im Laufe seiner Regentschaft gelang es ihm durch seine Bescheidenheit, sein kulturelles Interesse und seine (vermeintliche) Volkstümlichkeit, nach und nach die Liebe seiner Untertanen zu gewinnen, die ihn zunächst als „Königsmörder“ mit Argwohn beäugt hatten.

Ein Ausdruck der allgemeinen Verehrung waren die wertvollen Glückwunschadressen, die ihm anlässlich seiner runden Geburtstage 1891, 1901 und 1911 von Städten, Gemeinden, Institutionen und verschiedenen Personengruppen überreicht wurden. Dabei handelte es sich zum Teil um äußerst kostspielige, künstlerisch hochwertige kunsthandwerkliche Arbeiten, die auf glanzvolle Weise verschiedene Techniken von der Goldschmiedkunst über den Lederschnitt bis zur Stickerei und Aquarellmalerei vereinen. Das stilistische Spektrum reicht vom Historismus bis zum Jugendstil

Im März 2021 jährte sich der Geburtstag des Prinzregenten zum 200. Mal. Grund genug, die verborgenen Schmuckstücke einmal ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Das Bayerische Nationalmuseum, das die Tore seines Neubaus am 29. September 1900 in der nach Prinzregent Luitpold benannten Straße öffnete und vor dessen Eingang dieser noch immer hoch zu Ross grüßt, verwahrt seit 1923 die außergewöhnlichen Glückwunschadressen als Dauerleihgaben des Wittelsbacher Ausgleichsfonds: insgesamt 164 Stück.

In der Ausstellung werden 40 der bisher weitestgehend unbekannten Prachtexemplare nach mehr als 100 Jahren erstmals präsentiert. Seinerzeit waren sie jeweils nach den Geburtstagen für wenige Tage allgemein zugängig ausgestellt gewesen. Danach verschwanden sie in dunklen Schränken, weswegen sie sich noch heute in originaler Farbigkeit und nahezu unversehrt präsentieren.

Jede der Glückwunschadressen, die in beeindruckend aufwendig gestalteten Kassetten überreicht wurden, war ein großartiges Unikat, ein Produkt mehrerer zumeist damals namhafter Künstler und Kunsthandwerker. So stammte etwa die Huldigung der Münchner Künstler 1901 von Franz von Stuck; die Bilder der Adresse des Bayerischen Landesfeuerwehrverbands 1911 schuf der Dachauer Maler Hermann Stockmann

Neben verschiedenen Maltechniken und kunstvoller Kalligrafie kamen Verfahren der Lederbearbeitung, der Metallverzierung sowie textile Techniken und nicht zuletzt die Buchbinderkunst zur Anwendung, von denen einige in der Ausstellung näher vorgestellt werden. Abgerundet wird die Präsentation durch wertvolle Geburtstagsgeschenke wie verschiedene mit Gold und Edelsteinen verzierte Tafelaufsätze, aber auch Porträts sowie originale und originelle Memorabilien, wie Luitpolds goldene Taschenuhr oder die Joppe, die er bei seinem Tod getragen haben soll.(Cornelia Oelwein)

Information: Bis 27. März. Bayerisches Nationalmuseum, Prinzregentenstraße 3, 80538 München. Aktuelle Öffnungszeiten unter www.bayerisches-nationalmuseum.de

 

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