Kultur

Markus Achatz als Schreiber Wilhelm und Carolin Waltsgott als Försterstochter Käthchen. (Foto: Hoffmann)

12.01.2018

Puddingsüße Liebelei mit teuflischer Hilfe

Das Theater an der Rott in Eggenfelden meistert bravourös das Musical "The Black Rider – The Casting of the Magic Bullets"

Es ist diese Tom Waits’sche Melancholie, die sich Bahn bricht und diesen Theaterabend in Eggenfelden so erbaulich macht. Etwa, wenn Markus Achatz als Schreiber Wilhelm und Carolin Waltsgott als Försterstochter Käthchen im Song The Briar and the Rose ihr ergreifendes musikalisches Tête-à-Tête haben: Um Liebe geht’s doch irgendwie immer, und hier gesanglich besonders schön. Dieses puddingsüße Duett ist eines der Herzstücke des Musicals The Black Rider – The Casting of the Magic Bullets von Tom Waits und William S. Burroughs. Und das beruht auf der alten Geschichte der Carl Maria von Weber-Oper Der Freischütz, wonach der Wilhelm sein Käthchen nur dann gewinnt, wenn er ein treffsicherer Schütze ist.

Weil aber Wilhelm am Schießgewehr eine Flasche ist, muss der Teufel aushelfen; im Musical heißt er Stelzfuß, im Theater an der Rott zu Eggenfelden wird diese Majestät der Unterwelt zu einem reichlich sinnlichen Diabolo, famos dargestellt von Sebastian M. Winkler. Mit dessen magischen Kugeln trifft der Papiertiger Wilhelm plötzlich auch in freier Wildbahn alles, erlegt zuletzt aber, bei der entscheidenden Demonstration seiner Schussfertigkeit, seine Braut.

Waits und Burroughs gestalten aus dieser Geschichte einen Ausflug in die Gefilde des Absurden, errichten eine schiefe Bahn, die stante pede ins Unbewusste rauscht. In Eggenfelden macht Regisseur Bernd Liepold-Mosser eine schillernde Revue aus dem Stoff, mit Silberschnurvorhang (Bühne: Karla Fehlenberg) und Second- Hand-Gewandung (Kostüme: Michaela Haag). In dieser Varieté-Version kommen vor allem schauspielerische Zeichen vergnüglich zum Tragen. Das ist äußerst einfallsreich, etwa wenn Markus Krenek und Marcus Thill einen Zaubervogel mimen, Gernot Piff als Erbförstersfrau von sich selbst sehr entzückt ist oder das ganze Ensemble inklusive Käthchen-Eltern Bertram (Peter-Andreas Landerl) und Anne (Elisabeth Nelhiebel) mit Gurren, Piepen und Tschilpen einen Vogerl-Wald imitiert.

Vor diesem bunten Hintergrund entwickelt sich die Musik so gut, dass man die musikalischen Höhepunkte des Musicals hocherfreut genießen kann. Basis dafür ist die durch den Pianisten Martin Sadounik ergänzte Kärntner Jazz-Band The Talltones, die den Waits-Sound unangestrengt draufhat. (Christian Muggenthaler)

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