Kultur

Entspannt und frei von Zwängen: "Fränzi liegend" ist eine der bekanntesten Druckgrafiken Erich Heckels und in jenen Jahren entstanden, als der Brücke-Künstler viel Zeit an den Moritzburger Teichen verbrachte. (Foto: Buchheim Museum/Nachlass Heckel)

26.08.2011

Raus aus den Klamotten

Das Buchheim Museum zeigt "Sommerfreuden – Badefreuden" der Brücke-Maler

Der Holzschnitt Fränzi liegend von 1910, ein Paradestück expressionistischer Kunst, ist nicht nur eine der berühmtesten Druckgrafiken des Brücke-Künstlers Erich Heckel. Er ist auch eine Art Mitbringsel von den entspannten und doch hochproduktiven Arbeitsausflügen der 1905 gegründeten Künstlergemeinschaft zu den Moritzburger Teichen nahe Dresden. Dort, fernab vom städtischen Trubel versuchte man, die verlorengegangen geglaubte Einheit von Mensch und Natur wiederzuentdecken und zum Thema zu erheben: Nacktheit als Ausdruck der Befreiung von inneren Zwängen.
Was auch im künstlerischen Sinne zu verstehen war, denn das spontan Skizzierte wurde auch danach reduziert-expressiv umgesetzt. Die unverstellte Kreatürlichkeit, die man auf den Südsee-Gemälden Paul Gauguins bewunderte und hier auf andere Weise erlebte, findet sich wieder in zahlreichen Aquarellen und Drucken wie in Kirchners Radierung Drei Badende am Moritzburger See und auch in den großen Gemälden, wie etwa in dem mit seiner üppigen Vegetation und seinen unbekümmerten, nackten Figuren nahezu paradiesisch anmutenden Heckel-Gemälde Am Waldteich, dem der Maler jedoch mit bizarren, schroffen Umrissen und mit intensiven Farben jeden Anflug einer falschen Idylle genommen hat.
Wie die sommerlichen Ausflüge das Schaffen der Brücke-Maler beeinflussten, reflektiert das Buchheim Museum der Phantasie in Bernried derzeit anhand zahlreicher grafischer Arbeiten und Gemälde.
Die Moritzburger Teiche waren dabei nur einer dieser besonderen Orte, die Kunstgeschichte geschrieben haben. Ernst-Ludwig Kirchner etwa äußerte, dass er erst auf Fehmarn vollendet hätte, was er in Moritzburg begann. Die Ostseeinsel wurde sein Südseeparadies, wie man an dem, fast subtropisches Flair suggerierenden, heiteren Gemälde Waldspaziergang erkennen kann. Man spürt die innere Befreiung, die Kirchner erlebte, in seinem wie in Eile realisierten Gemälde Dünenlandschaft mit Mädchen ebenso wie in seiner Grafik Drei Badende am Strand von 1913, in der das Glück der Ursprünglichkeit in den Figuren mit nur wenigen Strichen vor einer fast abstrakten Landschaft erfasst ist. Kirchner geriet hier am Meer in einen Schaffensrausch.

Nachmittägliche Lethargie

Für Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff wurde das Nordseebad Dangast von 1907 bis 1910 zum Ort innerer Erweckung. Das ungebrochene Licht, die scharfen Linien von Küste und Horizont, die Weite des Meeres: All das inspirierte die Künstler zu großflächigen Kompositionen und zu einer Kühnheit der Farbkomposition, die – wie man an Schmidt-Rottluffs Gemälde Dorfweg von 1910 nachvollziehen kann – den Einfluss moderner Vorbilder wie Van Gogh mit aller Vehemenz überwand.
Der Lethargie sommerlicher Nachmittage ist auch eines der intensivsten Gemälde Heckels geschuldet: Der schlafende Pechstein, der hier zweifach von Sommer- und Badefreuden, aber auch von der Entwicklung eines Künstlers erzählt. Die sonst nie zu sehende Rückseite enthält das Gemälde Frau und Kind von 1920/21, als Heckel sich von der harten, kantigen Linie bereits verabschiedet hatte und zu einem emotional verinnerlichten Stil tendierte.
Nach dieser Ausstellung, deren sämtliche Exponate aus dem Bestand des Buchheim Museums stammen, wird kaum jemand bezweifeln, dass Badefreuden und Kunstgeschichte in enger Beziehung stehen. (Sabine Spindler)

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