Kultur

Ausstellungsansicht mit Bildern von Robert Weissenbacher und Götz Sambale. Im Hintergrund Gemälde aus der Serie "Schmetterling und Feuer", rechts eine lediglich mit "nach Albrecht Dürer" betitelte Arbeit. Durch den Raum ziehen sich in Reihung Götz Sambales Bildhauerarbeiten. (Foto: Johannes Bräutigam)

08.09.2023

Spannender Schachzug

Unter dem Schlagwort „Rochade“ kombiniert die Kunsthalle Schweinfurt Werke des Holzbildhauers Götz Sambale und des Malers Robert Weissenbacher

Rochade ist ein Begriff aus dem Schachspiel. Er bezeichnet die Taktik, in einem geschickten Zug Turm und König so zu tauschen, dass Letzterer auf einer sicheren Position landet: Gewinnchancen lassen sich damit optimieren – oder Gefahr von der Hauptfigur des Spielbretts abwenden. Mit einem Schachspiel hat die Ausstellung Rochade in der Schweinfurter Kunsthalle wenig zu tun. Sie reiht sich aber ein in die bisherigen Präsentationen dort. Die Kunsthalle hat in den vergangenen Jahren immer wieder zwei Kunstpositionen kombiniert, die im Grunde wenig miteinander zu tun hatten, was Stil und Material betrifft. Letztlich ging es um Kontrastierungen und darum, inwieweit diese voneinander profitieren konnten.

Das Prinzip kommt an, weckt Aufmerksamkeit, Neugier und auch Spannung – diesmal schwankt die Ausstellung zwischen ruhig und dynamisch, meditativ und impulsiv. In Rochade zeigt die Kunsthalle zwei gebürtige Schweinfurter, den Holzbildhauer Götz Sambale und den Maler Robert Weissenbacher.

Sanft sichtbar gemacht

Sambale (geboren 1967), der inzwischen in Köln lebt, kommt vom Schreinerhandwerk und arbeitet mit unterschiedlichen Formen und Querschnitten von Holzstämmen und Holzarten, meist von Pappel oder Ahorn – er gibt seinen Plastiken aber äußerlich durch geseifte Oberflächen eine nahezu einheitlich helle, fast „künstliche“ Ausstrahlung. Die Rundung der Stämme wird unterstrichen durch Aushöhlung und das sanfte Sichtbarwerden der Jahresringe, also der inneren Struktur. Die Scheiben und Röhren, in sich verschlungene Rundungen, liegen auf dem dunklen Boden und können mehrfach hintereinander zu „Metamorphosen“ gereiht werden. Das erzeugt einen in sich ruhenden, harmonischen Eindruck.

Nur einmal ist der Schnitt durch einen Ulmenstamm durch Farbe betont. Eine eigene künstlerische Form wie auch Akzentuierung der Naturform entsteht durch Abdrücke solcher Baumschnitte auf Papier. Hier manifestiert sich das natürliche Wachsen ebenso wie die Nutzung des Werkstoffs Holz durch den Menschen, etwa für den Schiffbau. Und so schuf Sambale zwei schlichte, formschöne Boote in Form von Einbäumen aus Pappelholz.

Der Mensch als „Krone der Schöpfung“ wird von Sambale auch auf einer hölzernen Stele dargestellt als kleine Bronzefigur mit Krone auf dem Kopf: Ist er – ironisch gemeint – ein König, der in eine unbestimmte Ferne blickt?

Robert Weissenbachers (geboren 1983, lebt in München) künstlerisches Metier ist die Malerei. Er verwendet meist Eitempera auf Leinwand. Mit dem Pinsel setzt er auf farbigem Untergrund impulsive Zeichen: Es sind heftige, schnelle, dynamische Eindrücke, teils figurativ Assoziierbares, teils schwer Deutbares, auf jeden Fall emotional Bewegtes.

Flüchtig umrissen

Seine meist großformatigen, farbintensiven Bilder wirken unruhig. Eine Reihe von kleineren Gemälden zeigt Schmetterlinge: Sie sind noch kraftvoll farbig, scheinen aber im Feuer zu verglühen. Andere natürliche Wesen sind auf großen Bildern zu erahnen, etwa ein Fisch oder ein Insekt. Mit flüchtigem Pinselstrich umreißt der Maler Menschen im Kampf, etwa mit dem Schwert, aber auch Pferde in Bewegung, oft verdoppelt; einiges erinnert an eine Zirkusvorstellung. Weissenbacher lässt auch Mensch und Tier verschmelzen zu verwandten Wesen, fast wie in einer Metamorphose. Wie aggressiv getrieben scheinen manche Umrisse einer Figur und gemahnen an die Verletzlichkeit alles Kreatürlichen. Dazu passen auch ein grau-weißer Akt oder Totenköpfe in derselben, gerade noch zu ahnenden Form.

Während solche Formen verwischt erscheinen, brillieren die intensiven, oft wie glühenden Farben. Die Spannung zwischen Ruhe und Energie, zwischen Fläche und unruhigem Strich, zwischen dem Festhalten am schöpferischen Akt mit seiner Prägung durch die Tradition und dem Verfließen des Gegenständlichen bestimmt die Gemälde mit ihren Motiven, die immer wieder auf Leben und zugleich Tod, auf den Menschen im Kontext der Natur als schöpferisches Wesen verweisen. (Renate Freyeisen)

Information: Bis 15. Oktober. Kunsthalle, Rüfferstraße 4, 97421 Schweinfurt. www.kunsthalle-schweinfurt.de

 

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