Kultur

Opfer des Sturms: „Schiffbruch“ (1828) von Jean Antoine Théodore Gudin. (Foto: Kunsthandel Michael Vogt, Fürstenfeldbruck)

05.07.2019

Strafe Gottes oder Teufelswerk

„Wetter und Mensch“ im Museum Fürstenfeldbruck: Naturphänomene auf die Leinwand gebannt

Alle reden vom Wetter – auch die Besucher des Museums Fürstenfeldbruck. Sonne und Regen, Hitze und Kälte beeinflussten seit jeher das Leben und die Gemüter. Wetterextreme wie Dürren und Hochwasser, Sturmfluten, Hagel, Stürme und Gewitter waren zu allen Zeiten existenzielle Gefahren, die nicht selten Auswirkungen auf historische Entwicklungen hatten.

Man denke an den Russlandfeldzug, bei dem anno 1812 die Napoleonische Armee, und mit ihr ungezählte bayerische Soldaten, in Schnee und Kälte elend zugrunde ging. Oder an das „Jahr ohne Sommer“, das extreme Hungerjahr 1816: Eine Aschewolke des im April 1815 ausgebrochenen indonesischen Vulkans Tambora, des wohl schlimmsten Vulkanausbruchs in der Menschheitsgeschichte (von dem man damals hierzulande aber nichts wusste oder zumindest keinen Zusammenhang herstellte), verdunkelte ein Jahr lang den Himmel. Starkregen und Kälte brachten die Bauern um die Ernte. Die Folgen waren eine ungeahnte Teuerung, Hungersnot, Krankheit und tausendfacher Tod. Im Sommer 1817 war der Spuk zu Ende. Viele Erinnerungsstücke an die Schreckenszeit haben sich bis heute erhalten, von denen einige in der Ausstellung in Fürstenfeldbruck zu sehen sind.

Festhalten am Wetterläuten

Damals nahm man das Wetter als gottgegeben oder interpretierte es als Teufelswerk. Die Hungerkatastrophe wurde in weiten Kreisen als Strafe Gottes verstanden: für die Aufklärung, die Säkularisation, die Aufhebung der Klöster gut ein Jahrzehnt zuvor.

Gerade die Aufklärer aber hatten versucht, dem Wetter auf die Spur zu kommen. Bereits im 16. Jahrhundert waren im Kloster Fürstenfeld täglich Wetterbeobachtungen aufgezeichnet worden. Doch erst im 18. Jahrhundert begannen die Aufklärer, methodisch Gesetzmäßigkeiten zu ergründen. Neue wissenschaftliche Messinstrumente zeugen davon. Der bayerische Kurfürst Karl Theodor gründete 1780 mit der meteorologischen Gesellschaft eine internationale Forschungseinrichtung in 39 Territorien, die alle mit gleichen Messinstrumenten und Programmen ausgestattet wurden. Viele bayerische Klöster beteiligten sich an den wissenschaftlichen Erhebungen, auch Kloster Fürstenfeld. Ihre Arbeiten wirken bis in die moderne Forschung nach.

Die Forschung war das eine, die Umsetzung von Erkenntnissen das andere. Bei aufziehendem Gewitter setzte man landläufig auf Rosenkranzbeten und Wetterläuten. Sogar noch als 1784 das Wetterläuten verboten wurde, sträubte sich die ländliche Bevölkerung, einen Blitzableiter zu errichten. Man wollte dem Herrgott nicht ins Handwerk pfuschen.

All die natürlichen, historischen und ohne menschliches Zutun entstandenen Wetterunbilden werden in dieser Ausstellung dokumentiert und laden zum Nachdenken in der heutigen aufgeheizten Klimadiskussion ein.

Im Zentrum der Ausstellung aber stehen die Gemälde, vor allem des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die die unterschiedlichen Wetterphänomene deutlich vor Augen führen: lichte Landschaften mit Bauern und Spaziergängern bei Sonnenschein, flirrende Hitze über italienischen Städten und griechischer Landschaft, aber auch Bilder mit drohend-schwarzen Wolken, aufziehendem Gewitter, Blitzen und einem von diesen erschlagenen Schäfer, mit Regen, Eis und Schnee, mit vom Sturm gepeitschten Bäumen und Gischt spritzenden See- und Meereswogen oder einem trostlosen Waldstück nach einem Wirbelsturm.

Gezeigt werden neben Carl Spitzweg, Eduard Schleich d. Ä. oder Carl Rottmann sowie einigen lokalen Malern auch Werke französischer und skandinavischer Künstler. Besonderes Augenmerk wurde auf die beiden Romantiker Heinrich Carl Reinhold und Johann Christoph Erhard gelegt, die stimmungsvolle Landschaften aus Italien mitbrachten, die im Kontrast zu den dramatischen Seestücken von Nord- und Ostsee stehen. (Cornelia Oelwein)

Information: Bis 24. November. Museum Fürstenfeldbruck, Fürstenfeld 6, 82256 Fürstenfeldbruck. Di. bis Sa. 13-17 Uhr, So./Fei. 11-17 Uhr.

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