Kultur

Wie beim „Schlafenden Schlachter“ wühlte sich Paul Holz mit dem Zeichenstift regelrecht in die Gesichter. (Foto: Lukas und Zink)

02.11.2018

Sympathie für die Verlierer des Lebens

Ein Einzelgänger in der Kunstgeschichte: Zeichnungen von Paul Holz im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg

Schlachter des guten Gewissens – der Ausstellungstitel liegt mehrfach in der Biografie des Zeichners Paul Holz begründet. Zum einen hat sein Kollege Paul Reissert (1906 bis 1975) Holz’ Erscheinung mit der eines Fleischermeisters verglichen, zum anderen war ein Schwager des Künstlers von Beruf Schlachtermeister und hat ihn zu Szenen aus dem Schlachtbetrieb angeregt.
In einem Brief an den Verleger Piper bezeichnete Holz sich selbst augenzwinkernd als Schlachter. Es ging um den Tausch von Zeichnungen gegen Bücher und um Holz’ vergebliches Bemühen, Illustrationen für Romane schaffen zu dürfen. Zu drastisch, zu wahr erschienen seine Zeichnungen. So blieb der Schlachter an ihm hängen, wiewohl man nach Betrachten seines ungemein fesselnden Werks zu diesem Vergleich nicht greifen möchte.
1984 bereits hatte in der damals noch „Ostdeutschen Galerie“ eine Ausstellung zu Holz’ 100. Geburtstag stattgefunden. 2006 konnte das Museum ein Konvolut von Zeichnungen erwerben. Anlässlich des 80. Todestags widmet es nun dem Zeichner eine umfangreiche Ausstellung, ergänzt durch Leihgaben der Akademie der Künste, Berlin.
Die Ausstellung präsentiert thematisch gegliedert einige der Hauptthemen des Autodidakten Paul Holz, der spät sein Staatsexamen als Zeichenlehrer ablegte, und widmet seiner innovativen pädagogischen Arbeit gesonderten Raum.

Familie im Visier

Früh befasste sich Holz motivisch mit den Familienmitgliedern, zu deren Charakterisierung er eine Art „Familien“-Ikonografie entwickelte. Seine ikonografischen Eigenheiten und der meist auf das Individuum gerichtete Blick machen ihn zu einem Einzelgänger in der Kunstgeschichte. Beeindruckend sind die Bilder des kranken Bruders auf dem Totenbett.
Holz’ Empathie war bei den Verlierern des Lebens, deren Darstellung sich durch sein gesamtes Werk zieht. Auch beim Betrachter baute er auf Anteilnahme am Leid der Menschen. Großformatig, mit druckvollem, fast zerstörerischem Strich, wühlt er sich in die Gesichter hinein und lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche. Die gleiche Zuwendung kommt in den Tierdarstellungen zum Ausdruck. Er sieht Tiere als ausgebeutete Kreaturen und Opfer. Häufig sind Textstellen grafisch integriert.
Die Blätter aus der Welt von Zirkus und Varieté gehören zu den wenigen fast fröhlich wirkenden Darstellungen. Die Zeichnungen sind eindringlich und frappierend lebendig, mit manchmal fast karikierenden Zügen.
Blätter aus dem Umkreis expressionistischer Kollegen geben Einblick in Verwandtschaften und Unterschiede.
Bücher aus der Bibliothek von Paul Holz geben Aufschluss über sein literarisches und künstlerisches Interesse an schwermütigen Themen; vielfach mit Einzeichnungen versehen, zeigen sie seine Auseinandersetzung mit Francisco de Goya und George Grosz, Paul Klee, Alfred Kubin und Rembrandt. Von Knut Hamsun und Nikolai Gogol, vor allem von Dostojewski ließ er sich zu Illustrationen anregen. (Ines Kohl)

Information: Bis 13. Januar. Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Str. 5, 93049 Regensburg. Di. bis So. 10-17 Uhr, Do. 10-20 Uhr.

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