Kultur

Das denkmalgeschützte Nürnberger Opernhaus ist mit seiner weithin sichtbaren Kuppel ein Wahrzeichen der Stadt. Die Sanierung wird Schätzungen zufolge mindestens eine halbe Milliarde Euro kosten. (Foto: dpa/Daniel Karmann)

31.12.2021

Verzögerungen, Debatten und viel Geld

Bayern hat viele Sehenswürdigkeiten. Schlösser, Museen, Kirchen und Theater haben vor Corona Touristen aus aller Welt angelockt. Doch die schönen Bauten kosten Geld, vor allem, wenn sie saniert werden müssen

Öffentliche Bauten - notwendig, aber oft auch schwierig. Manche Vorhaben sind sehr komplex, bei anderen tauchen unvorhergesehene Probleme auf. Das kostet Zeit - und oft viel Geld, wie ein Überblick über ausgewählte Kulturbaustellen in Bayern zeigt:

Über das neue Konzerthaus in München wird seit Jahren diskutiert. Seit 2015 gibt es einen Ort und einen Architektenentwurf für die geplante Spielstätte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Das Bauministerium erwartet den Baubeginn im Werksviertel aber frühestens Anfang 2025. Die geschätzten Kosten: Anfangs rund 400 Millionen Euro. Inzwischen stand sogar eine Zahl von bis zu einer Milliarde Euro im Raum. Bei der Planung achte man darauf, Qualität und Kosten in eine Balance zu bringen, teilte das Kunstministerium mit. Der verantwortliche Umgang mit Steuergeldern bleibe wesentliche Leitlinie. Nach Ansicht von Kunstminister Bernd Sibler (CSU) hat das Prestigeprojekt das Potenzial, ein Wahrzeichen für München und Bayern zu werden. Kritische Stimmen kommen etwa von der Landtags-SPD. Sie würde den Bau nicht zuletzt wegen der coronagebeutelten öffentlichen Kassen gerne auf den Prüfstand stellen und Alternativen andenken.

Berühmte Werke von Künstlern wie Caspar David Friedrich, Lovis Corinth oder Claude Monet konnte man früher in der Neuen Pinakothek in München sehen. Doch seit drei Jahren ist das Haus wegen einer Generalsanierung geschlossen, viele Kunstwerke wurden andernorts ausgestellt oder wanderten ins Depot. Im Juli haben nach Auskunft des Kunstministeriums die Tiefbauarbeiten und erste Arbeiten am Gebäude begonnen. Damit liege man im Terminrahmen, so das Ministerium. Stark gestiegen sind aber die Kosten. Aus 80 Millionen wurden 231 Millionen Euro. Und weitere 32 Millionen Euro seien bereits veranschlagt, hatte der Bund der Steuerzahler im Herbst 2020 kritisiert.

Das Staatstheater Augsburg hat mittlerweile zum zweiten Mal ein Bürgerbegehren gegen die teure Sanierung überstanden, ohne dass es zur Abstimmung der Bürger an der Urne kam. Im Sommer 2021 hatten die Kritiker die jüngste Initiative eingestellt, weil in der Corona-Pandemie nicht ausreichend Unterschriften gesammelt werden konnten. Auch der Steuerzahlerbund hat die Kostenexplosion kritisiert. Die Stadt hatte mehrfach Kostenschätzungen drastisch nach oben korrigieren müssen. Aktuell werden Ausgaben von bis zu etwa 320 Millionen Euro erwartet. Die bereits vor Jahren begonnenen Bauarbeiten an dem historischen Theater sowie die Errichtung von neuen Gebäuden gehen unterdessen weiter. Sie sollen voraussichtlich bis 2026 abgeschlossen werden.

Auf wenig Gegenliebe beim Bund der Steuerzahler stieß zuletzt die Sanierung der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof. Die Kosten seien zu einem Fass ohne Boden geworden, kritisierte der Bund im November. Aus 24,8 Millionen wurden Gesamtkosten von 58,9 Millionen Euro. Zu allem Überfluss würden die Arbeiten wohl erst 2024 fertiggestellt, zwei Jahre später als geplant, heißt es im Schwarzbuch. Das Finanzministerium verwies unter anderem darauf, dass die Restaurierung der künstlichen Tropfsteinhöhle sehr komplex sei.

Das weltberühmte Bayreuther Festspielhaus wird seit Jahren saniert. Die Fassade ist restauriert, nun geht es vor allem im Inneren des Gebäudes weiter: Der Brandschutz wird verbessert und an der Barrierefreiheit wird gearbeitet. Die Fertigstellung dieser Arbeiten sei für das Frühjahr 2023 geplant, sagte ein Sprecher. Insgesamt ist die Sanierung des Festspielhauses ein Mammut-Projekt, da die Arbeiten immer wieder für den saisonalen Proben- und Aufführungsbetrieb in Frühjahr und Sommer unterbrochen werden müssen oder nur eingeschränkt weitergehen können. Die Sanierungsarbeiten werden sich noch weitere Jahre hinziehen. Das vom Komponisten Richard Wagner (1813-1883) geplante Opernhaus wird nur zur Festspielzeit im Sommer bespielt. Ausnahmen gibt es selten, etwa für Gedenkveranstaltungen.

Das denkmalgeschützte Nürnberger Opernhaus ist mit seiner weithin sichtbaren Kuppel ein Wahrzeichen der Stadt - und die wohl größte Kulturbaustelle in ihrer Geschichte. Die Sanierung des mehr als 100 Jahre Gebäudes wird den Schätzungen zufolge mindestens eine halbe Milliarde Euro kosten. Etwa 100 Millionen Euro davon sollen in das geplante Ausweichquartier in der Kongresshalle auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände fließen. Der Stadtrat hat den umstrittenen Plänen gerade zugestimmt. Nun muss zügig umgesetzt werden: Spätestens in vier Jahren erlischt die Betriebsgenehmigung für das Opernhaus.

Es soll ein Vorzeigemuseum über fränkische Geschichte werden: Das Museum für Franken in der Festung Marienberg ruht zwischen Weinbergen über Würzburg. Für die Generalsanierung von Festung samt Museum waren knapp 100 Millionen Euro vorgesehen. Der erste Bauabschnitt wurde 2020 mit rund 16,55 Millionen Euro Baukosten abgeschlossen. Nun soll 2022 der zweite Abschnitt starten - mit geschätzten Kosten von bis zu 230 Millionen Euro. Die Pforten des Museums werden nicht wie anfangs angedacht im Jahr 2025 öffnen, sondern erst 2032.

Auch das Würzburger Mainfranken Theater ist eine Großbaustelle. Seit Sommer 2020 ist es gesperrt, damit das 1966 gebaute Haus komplett saniert werden kann. Zudem erhält es eine neue kleine Spielstätte. Beide Projekte verzögern sich. Das Kleine Haus sollte schon fertig sein, doch hier wird voraussichtlich noch bis zum nächsten Sommer gewerkelt. Im alten Bestandsgebäude sollten die Theatergäste im kommenden Herbst zurückkehren. Nun wird das wohl erst 2024 möglich sein. Auch die Kosten wurden korrigiert: Von zunächst 71,6 Millionen auf derzeit 103 Millionen Euro. Als Grund nennt die Theaterführung unter anderem Kostensteigerungen im Hochbau.

Neben dem Theater soll in der unterfränkischen Stadt zudem die Multifunktionsarena Würzburg für Sport und Konzerte entstehen. Für die Privatinitiative mit geplanten Kosten von 51 Millionen Euro hat der Stadtrat im Herbst bereits einen Zuschuss von 16 Millionen Euro beschlossen, verteilt über die Jahre 2022 bis 2027. Kurz vor Weihnachten reichte die Bauherrin Arena Würzburg Projektgesellschaft die ersten Unterlagen für den Bauantrag bei der Stadt ein.
(dpa)

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