Kultur

Nolstalgiker kommen in der Regensburger Ausstellung – hier ein Lebensmittelladen mit Produkten der 1920er Jahre, voll auf ihre Kosten. (Foto: Kohl)

09.04.2010

Zurück in die Goldenen Zwanziger

Regensburg zwischen den Weltkriegen: Die Ausstellung „Es ist eine Lust, zu leben“ im Kunst- und Gewerbeverein

Nicht immer wird es in der Zeit zwischen den Weltkriegen eine Lust, zu leben gewesen sein, wie es der Ausstellungstitel mit einem Zitat des Publizisten Alfred Kerr verheißt. Die Zeiten waren schlecht und die Kassen knapp im Regensburg der 20er Jahre. Dennoch, so schreibt der Alfred Böschl vom Kunst- und Gewerbeverein im Vorwort zu dem hervorragend ausgestatteten Katalog, war „ein ungeheuerer Lebenswille spürbar, der mit einem erwachten Selbstbewusstsein breiter Bevölkerungsschichten einherging“. Die damals eingeleiteten Modernisierungsmaßnahmen am Gewerbehaus und die Fusion des Kunst- mit dem Gewerbeverein 1925 schufen neue Perspektiven, die sich bis heute auf ein selbstverständlicheres Miteinander der beiden Institutionen auswirken, die sich nicht immer ganz grün sind. Dazu passt es, dass der Kunst-und Gewerbeverein mit der Ausstellung "Es ist eine Lust, zu leben – Regensburg in den 20er Jahren" den aufwändigen Versuch unternommen hat, über den Tellerrand hinaus eine Zusammenschau von Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft in den 20er Jahren zu geben. Das ist gelungen. Über die pure Sinnenfreude an Nostalgischem hinaus, bietet der sorgfältig erarbeitete Katalog vielfältige Einblicke und auch Überraschungen. Wem ist etwa geläufig, dass Regensburg in den 20ern und bis in die frühen 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Flughafen hatte, dass Thomas Mann mehrmals zu Besuch da war und der Fall der linken Lehrerin Elly Maldaque Tübinger Studenten noch 1978/79 beschäftigte? Der Einfluss des Regensburger „Kulturbewegers“ Gustav Bosse auf das kulturelle Leben der Stadt wurde erst bei den Vorarbeiten zum Katalog bewusst.

(Ines Kohl)

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