Landtag

Schüler während der Abiturprüfung – über die Matheaufgaben gab es viele Beschwerden. (Foto: DPA/Felix Kästle)

06.06.2019

"Anspruchsvoll, aber machbar"

Bildungsausschuss: Kultusministerium legt seinen Standpunkt zum umstrittenen Mathe-Abitur dar

Der Streit über die Schwierigkeit des diesjährigen Mathe-Abiturs beschäftigte erneut den bayerischen Landtag. Im Bildungsausschuss gab das Kultusministerium einen aktuellen Bericht. Allerdings: Die endgültigen Noten und der landesweite Schnitt sollen erst nach den mündlichen Prüfungen diesen Freitag feststehen.

Das Kultusministerium sieht aktuell keine Anhaltspunkte dafür, nachträglich in die Bewertungskriterien der diesjährigen Abiturprüfung im Fach Mathematik einzugreifen. Das erklärte der Leiter der dortigen Gymnasialabteilung, Ministerialdirigent Adolf Präbst, im Bildungsausschuss. Wegen der vermeintlich zu schweren Prüfung war Anfang Mai eine Massenpetition gestartet worden, die inzwischen von knapp 80 000 Bürgern unterstützt wird. Man sei davon im Ministerium überrascht worden, weil aus den Schulen selbst keine kritischen Rückmeldungen gekommen seien, sagte Präbst. Ungeachtet dessen habe man unverzüglich eine umfassende Prüfung der in der Petition geäußerten Vorwürfe eingeleitet.

Nach Angaben Präbsts hat diese nun ergeben, dass den Schülern das Mathe-Abitur heuer „offenbar etwas schwerer gefallen ist als in den Vorjahren“. Ohne Berücksichtigung der noch laufenden mündlichen Prüfungen sei die landesweite Durchschnittsnote etwas schlechter als zuletzt, liege aber „in der üblichen Schwankungsbreite“. Konkrete Zahlen nannte Präbst wegen der ausstehenden mündlichen Noten nicht. Die sich bislang abzeichnende Abweichung rechtfertige aber keinen Eingriff. Dies werde auch in den meisten anderen Bundesländern so gesehen, in denen als Teil der Prüfung unter den Kultusministerien der Länder abgestimmte „Pool-Aufgaben“ zum Einsatz gekommen seien. Eingriffe hätten nur Hamburg, Bremen und das Saarland angekündigt, wo es dafür allerdings jeweils spezifische Gründe gebe, erklärte Präbst.

Endgültige Entscheidung fällt kommende Woche

In Bayern sei in den Rückmeldungen der Schulleitungen und der Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in den Regierungsbezirken Grundtenor gewesen, dass das Mathe-Abitur „klar und anspruchsvoll, aber machbar“ gewesen sei, berichtete Präbst. Bis auf einen Schulleiter habe niemand nachträgliche Eingriffe in die Bewertung gefordert. Es seien auch keine Hinweise aufgetaucht, dass die Aufgaben falsch gestellt oder nicht lehrplankonform gewesen seien. Zum vielfach geäußerten Vorwurf, die Aufgaben seien „zu textlastig“ gewesen, erklärte Präbst, dass schon seit mehreren Jahren stärker „anwendungsbezogene Aufgaben“ zum Einsatz kämen. Damit soll der Kritik entgegengewirkt werden, Mathematik habe zu wenig Praxisbezug zum realen Leben.

Präbst kündigte eine endgültige Entscheidung nach Bekanntgabe der Noten für die mündlichen Prüfungen an. Diese würden in der kommenden Woche vorliegen. Nach aktueller Einschätzung würden aber auch dann keine nachträglichen Eingriffe in die Bewertung erfolgen. Man müsse dabei auch berücksichtigen, dass solche zu neuen Ungerechtigkeiten führen könnten. Es stelle sich zudem die Frage, ob man auch in Fächern mit einem besseren Notenschnitt als in den Vorjahren korrigierend eingreifen müsse. Erfahrungsgemäß würden sich Abweichungen zu den Vorjahren über alle Prüfungsfächer hinweg ausgleichen. So sei der Gesamt-Abiturschnitt in Bayern seit vielen Jahren nahezu konstant. Dies zeichne sich auch für diesen Jahrgang ab, so Präbst.

Zu bedenken sei zudem, dass die Abiturprüfung in Mathematik nur 6,67 Prozent der Gesamtnote eines Absolventen ausmache. Ein Punkt weniger in einer Abiturprüfung verschlechtere die Gesamtnote um maximal zwei Hundertstel.

Ausführlich ging Präbst auf das Qualitätsmanagement bei der Auswahl von Abitur-Prüfungsaufgaben ein. Das Erstellen beginne im Regelfall eineinhalb Jahre vor der Prüfung mit der Einreichung von Aufgabenvorschlägen, die Lehrer aus der gymnasialen Praxis im Ministerium einreichten. Nach einer Überprüfung und Auswahl durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) und Experten im Ministerium folgten mehrere „Kontrollschleifen“, bis die Aufgaben zur Prüfung zugelassen würden. Noch am Tag vor dem Abitur und am Prüfungstag selbst würden die Aufgaben erneut von den Ministerialbeauftragten und Fachlehrkräften bearbeitet und auf Fehler kontrolliert. „Wir gehen akribisch mit diesen Dingen um, wir prüfen bis zum letzten Tag“, betonte Präbst. Als Folge diese Prozesses mussten in Bayern schon seit Jahren keine Aufgaben zurückgezogen oder nachträgliche Eingriffe vorgenommen werden.

Diverse Kontrollschleifen der Prüfungsaufgaben

Die SPD-Abgeordnete Margit Wild begrüßte die sorgfältige Prüfung des Mathe-Abiturs durch das Ministerium. Auch sie sah mit Blick auf den aktuellen Sachstand keinen Grund für einen nachträglichen Eingriff in die Bewertungskriterien. Es müssten aber die endgültigen Ergebnisse abgewartet werden. Grundsätzlich stelle sich aber die Frage, ob die Schüler im Unterricht nach neuesten pädagogischen Erkenntnissen und auch spezifisch genug auf die im Abitur gestellten Aufgaben vorbereitet würden. Dies gelte es, unabhängig vom Ausgang des diesjährigen Verfahrens zu hinterfragen, mahnte Wild.

Ausschusschef Markus Bayerbach (AfD) erklärte, die umfassende Prüfung des Vorgangs und der öffentliche Bericht Präbsts zeigten, dass Ministerium und Landtag die Belange der Abiturienten ernst genommen hätten.
(Jürgen Umlauft)

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