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Die Bahnhofsmission am Frankfurter Hauptbahnhof ist Anlaufstelle für Reisende und hilfesuchende Personen im Bahnhofsgebiet. (Foto: dpa/ Andreas Arnold)

15.03.2024

Bahnhofsmissionen in Not

"Wir brauchen eine Basisfinanzierung, sonst gibt es in vier Jahren nur noch sechs Bahnhofsmissionen“, mahnt die Leiterin der Bahnhofsmission in Bayern. Die CSU verspricht Hilfe, die Opposition ist skeptisch

Bahnhofmissionen gibt es seit 125 Jahren. Sie entstanden, als Frauen vom Land mit dem Zug zum Arbeiten in die Städte kamen und dort oft ausgebeutet wurden. „Heute kann jeder zu uns kommen, egal mit welchem Problem oder welchem Bedürfnis“, sagte Hedwig Gappa-Langer vom Referat Bahnhofsmission bei IN VIA Bayern. Auch die Konfession spielt keine Rolle, obwohl die Einrichtungen entweder von den Wohlfahrtsverbänden der katholischen oder evangelischen Kirche getragen werden.

Neben Menschen in Not oder bei gesellschaftlichen Krisen wie nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine helfen die Bahnhofsmissionen auch mit Serviceleistungen. Beispielsweise Menschen im Rollstuhl, wenn der Fahrstuhl ausgefallen ist. Eltern und Kinder, die sich verloren haben. Oder Senior*innen, die nicht zurückfinden. „Zusätzlich sind wir auch für den Frieden da“, erklärte Gappa-Langer. Dazu gebe es eine Kooperation mit der DB Sicherheit und der Bundespolizei.

Die Anzahl der Kontakt ist im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten um 35 Prozent gestiegen

Trotz ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion droht den verbliebenen zwölf Bahnhofsmissionen das Geld auszugehen. 2023 musste bereits der Standort in Kempten schließen, in den Jahren zuvor der in Bamberg und Rosenheim. „Wir brauchen eine Basisfinanzierung, sonst gibt es in vier Jahren nur noch sechs Bahnhofsmissionen“, so Gappa-Langer.

Die hauptberuflichen Mitarbeitenden müssten aus Kostengründen immer mehr ehrenamtlich arbeiten. Allein schon, weil die Anzahl der Kontakt im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten um 35 Prozent gestiegen ist. Gründe dafür seien zum einen der Passagieranstieg durch das Deutschlandticket, mehr psychisch auffällige Fahrgäste, die alternde Gesellschaft und mehr Gewalt im Zug – vor allem nach Fußballspielen.

„Wer will, dass mehr Menschen mit der Bahn fahren, muss auch die Infrastruktur ausbauen“, sagte Ausschusschef Jürgen Baumgärtner (CSU). Das sei auch der Grund, warum sich der Verkehrsausschuss mit dem Thema befasse. Wie die Bahnhofsmissionen mehr Geld erhalten, soll auf Antrag von CSU und Freien Wählern an einem Runden Tisch unter Federführung des Verkehrsministeriums mit wichtigen „Playern“ wie Bahn, Kirche und Kommunen diskutiert werden. Die Stadt München unterstützt die Bahnhofsmission zwar finanziell. „Es gibt aber auch Kommunen, die geben nix“, betonte Marcel Huber (CSU). Die Landesfinanzierung wird vom Sozialministerium übernommen. 

Doris Rauscher (SPD) nannte die Initiative „sehr begrüßenswert“. Sie war aber noch skeptisch, ob bei den nächsten Haushaltsverhandlungen tatsächlich mehr Geld rausspringt. „Jede Bahnhofsmission muss mindestens von 1,5 Vollzeitkräften getragen werden“, ergänzte Gappa-Langer. Markus Büchler (Grüne) schlug vor, neben dem Freistaat auch die Wettbewerber der Bahn mit ins Boot zu holen. „Wir haben mit der Bahnhofsmission einen riesengroßen Schatz, den es zu retten gilt“, betonte er. 

Dem Antrag, den Runden Tisch im Herbst einzuführen und dadurch die Finanzsituation der Bahnhofsmissionen bis 2025 signifikant zu verbessern, stimmten alle Fraktionen zu. (David Lohmann)

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