Landtag

Vor dem Porträtbild der verstorbenen Ex-Landtagspräsidentin Barbara Stamm posiert der CSU-Abgeordnete Björn Jungbauer. (Foto: Stark)

05.07.2024

Der aktive Feuerwehrmann

Im Porträt: Der CSU-Abgeordnete Björn Jungbauer

An diesem Mittwoch hielt Björn Jungbauer seine erste Rede im Landtagsplenum. Thema: Ganztagsschule. Aufgeregt war er nicht. Vor Publikum zu reden, fällt ihm nicht schwer, schließlich war der CSU-Politiker zehn Jahre lang Bürgermeister im unterfränkischen Kirchheim im Landkreis Würzburg. Viele Einweihungen, viele Bürgerversammlungen, viele Reden in unzähligen Gremien. Auch das Thema kennt er natürlich aus dieser Zeit in- und auswendig. Auf dem Land ist der Bürgermeister direkt zuständig für Schule, Kindergarten, eigentlich alles.

„Der Freistaat ist gut aufgestellt“, sagt der 42-Jährige. „Aber wir müssen noch zusätzliche Kapazitäten schaffen.“ Klar, ab 2026 besteht in Bayern flächendeckend der Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Nicht alle sind zuversichtlich, dass das der Freistaat auch hinbekommt. Jungbauer, der im Petitionsausschuss sowie im Ausschuss für Bildung und Kultus sitzt, glaubt das schon.

Für ihn ist in dem Zusammenhang aber wichtig, dass man das Thema nicht nur aus der städtischen Brille betrachtet. Dort sei das Problem weitaus größer als auf dem Land. „Bei uns findet man gute Lösungen.“ Da stecken dann eben der Bürgermeister und der Pfarrer die Köpfe zusammen und regeln das quasi auf dem kleinen Dienstweg. Den ländlichen Raum nicht aus dem Blick zu verlieren, das sieht er auch als seine Aufgabe im Landtag. Und zu vermitteln, dass gute Bildungspolitik der Schlüssel zu fast allem ist.
Auch beim Thema Gewalt. Jungbauer war selbst zehn Jahre lang Polizist, bevor er sich für das Bürgermeisteramt freistellen ließ. In seiner Inspektion auf dem Land gab es keine Probleme, sehr wohl hört er aber von ehemaligen Kollegen, wie groß die Belastung geworden ist. Der Respekt vor der Polizei fehlt immer häufiger, sagt Jungbauer. Das fange an mit Beleidigungen und münde immer häufiger in Gewalttaten. Und da gebe es zunehmend einen Phänotypus. Er meint junge Männer mit Migrationshintergrund oder aus dem Ausland.

Erst vor wenigen Tagen war ein Mann aus dem Iran im mittelfränkischen Lauf von einer Bundespolizistin erschossen worden. Nach derzeitigem Stand war der Asylbewerber offenbar zuvor mit einem Messer auf die Frau und zwei Kollegen losgegangen. Jungbauer schätzt es, dass sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sofort hinter die Polizeikräfte stellte.

Der Staat müsse auf diese Zunahme der Gewalt reagieren, findet Jungbauer. Aber eben nicht nur durch Härte, sondern auch über die Bildungspolitik. Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen und wie vermittelt man diese? Das Elternhaus nimmt er aber genauso in die Pflicht. „Es ist meine Aufgabe, meinen Kindern das Schwimmen beizubringen. Der Staat muss genügend Schwimmbäder zur Verfügung stellen.“ Auch die Verkehrserziehung dürften die Eltern nicht einfach auf die Schule abwälzen. Jungbauer will seinen Kindern – er hat zwei Söhne (vier und 14) und eine einjährige Tochter – Alltagskompetenzen vermitteln. Dazu gehört für ihn unter anderem das Kochen, zum Beispiel, wie man Spätzle selbst herstellt. „Ich bin ein leidenschaftlicher Koch“, sagt Jungbauer. Gelernt hat er das Handwerk von seiner Mutter, die Hauswirtschaftslehrerin war.

Der Staat muss auf die Gewalt reagieren

Aus seinem Elternhaus bringt er auch seine konservative politische Prägung mit. Mit 16 Jahren trat Jungbauer in die Junge Union ein. Seine Mutter saß viele Jahre für die CSU im Gemeinderat. Die Mutter seines besten Freundes war damals auch im Gemeinderat, für die SPD. Die beiden Jungs engagierten sich im Jugendzentrum, und wenn sie etwas für ihre Einrichtung erreichen wollten, dann mussten sie gemeinsam ihre Mütter überzeugen. „Da habe ich schon früh gelernt, dass es in der Politik wichtig ist, über Parteigrenzen hinweg zu kommunizieren.“ So habe er es dann auch später als Bürgermeister gehalten. „Je breiter das Fundament, desto eher wird eine Entscheidung akzeptiert.“

Jungbauer räumt ein, noch lernen zu müssen, dass es im Landtag oft anders zugeht. Umso mehr freut er sich, wenn er dieses Prinzip auch hier anwenden kann: Für die Rettung der Würzburger Kaufhof-Filiale hatten sich in diesem Jahr alle Abgeordneten aus Stadt und Landkreis Würzburg ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit zusammen eingesetzt. Als dann die Nachricht kam, dass die Filiale geöffnet bleibt, war klar, dass es ein gemeinsames Posting geben wird, das dann alle auf den eigenen Social-Media-Kanälen veröffentlichen können.

„Meine Herzkammer ist die CSU-Fraktion, ich brauche aber auch den Austausch“, sagt Jungbauer. Nur eine Ausnahme macht er: Bei den AfD-Abgeordneten sieht er keine Schnittstellen. Die Wortwahl, in der sich deren Vertreter*innen zu den Themen Asyl, Messerangriffe oder auch Gedenkstätten geäußert hätten, „entzieht einer Zusammenarbeit jeden Nährboden“.

Mit seinem Polizeihintergrund wäre Jungbauer für den Innenausschuss prädestiniert gewesen. Für Jungbauer hätte das aber im Jahr 20 Präsenztermine mehr bedeutet – was für ihn als Familienmensch schon eine Rolle gespielt hat. Der Montagnachmittag ist bei ihm grundsätzlich für seine Frau, eine Juristin, und die Kinder reserviert, da nimmt der Politiker keine Termine wahr. „Dafür herrscht auch Verständnis“, sagt er.

Viel Zeit für anderes bleibt ihm nicht. Seine einzigen Hobbys: Jungbauer ist nach wie vor aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Margetshöchheim und First Responder, hilft also vor Ort, bevor der Notarzt eintrifft. Rund 100 Mal im Jahr rückt er so mit aus. „Drei Stunden laufen, um den Kopf freizukriegen, das habe ich nie gebraucht.“ Ihm reiche die Dankbarkeit der Menschen, denen man geholfen hat. „Als Abgeordneter kriegt man so ein Feedback eher selten.“ (Thorsten Stark)
 

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