Landtag

Roland Weigert. (Foto: dpa/Hase)

16.12.2022

Der Chefunterhändler

Im Porträt: Der FW-Abgeordnete und Staatssekretär Roland Weigert

Dass er einmal auf der Terrasse einer Luxusresidenz die freie Aussicht auf den Golf von Oman genießen würde, hätte der aus einem kleinen Ort im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen stammende, heimatverbundene Roland Weigert vermutlich bis vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten. Als Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium kommt man herum.

Gänzlich unbeleckt hat der heute 54-jährige FW-Politiker sein Amt Ende 2018 aber auch nicht angetreten. Nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und einem nachgeholten Abitur studierte er Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. Später war er Wirtschaftsreferent des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen und wurde 2008 dort auch zum Landrat gewählt, wobei er ständig mit Entscheidungen wirtschaftlicher und politischer Natur zu tun hatte. Sein Fachwissen und seine Erfahrung überzeugten die Landtagsfraktion der Freien Wähler dann auch davon, dass Weigert einen guten Staatssekretär abgeben würde.

Im Schnitt alle drei bis vier Wochen – die Pandemie-Hochphase und die Sommerpausen einmal ausgeblendet – unternimmt der FW-Politiker eine Reise. Immer im Dienste der heimischen Politik und Wirtschaft. Weigert bezeichnet sich selbst als „Technologie-Scout“, als „ersten Chefunterhändler, bis der Chef kommt“. Sein Chef, Minister und Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger (FW), und er haben es sich aufgeteilt. Aiwanger übernimmt die Reisen in den Norden, etwa nach Schottland oder Norwegen. Weigert kümmert sich vor allem um den Süden. Dabei kann er seine Stärken als Macher ausspielen.

So war Weigert unter anderem in Mexiko, um dort die bayerischen Lösungen für die Wasserver- und -entsorgung anzupreisen. Er reiste nach Barcelona, um den Freistaat beim Smart City Expo World Congress zu vertreten. Er war in Frankreich, Südamerika, der Elfenbeinküste, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und eben im Oman. In dem Sultanat, das weniger Einwohner*innen hat als Bayern, ging es vor allem um mögliche Wasserstoffexporte. „Wir wurden sehr herzlich und aufrichtig empfangen“, sagt Weigert. „Es gab echtes Interesse an einer Zusammenarbeit.“

Im Oman stehen die Menschenrechte unter dem Vorbehalt der Scharia. Homosexualität kann beispielsweise mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Weigert hat zum Umgang mit anderen Staaten eine klare Meinung: Er glaube an das Selbstbestimmungsrecht der Völker. „Wie sich die Länder selbst organisieren, ist im Kern deren Sache“, sagt er. „Man sollte nicht die ganze Welt moralisieren und unseren Maßstab als allgemeingültigen Standard ansehen.“ Das Geschäftsmodell des Westens sei nun mal der freie Handel – und da könne man sich nicht so einfach von allen unliebsamen Partnern verabschieden, sonst stehe man am Ende allein da. „Aber natürlich gibt es moralische Verpflichtungen“, fügt Weigert hinzu. „Wir wollen beispielsweise keine Kinderarbeit. Und es geht nicht, das Existenzrecht anderer Staaten infrage zu stellen.“ Auch beim Thema Klimawandel hat er eine klare Meinung: „Technologie ist ein wichtiger Faktor, nicht Degrowth. Es gibt weltweit einen großen Energiehunger.“ Man könne als gesättigter Westen Ländern, die wachsen wollen, kaum erklären, dass sie das nicht dürfen. Der Staatssekretär setzt auf Wasserstoff und auf Innovationen wie die Kernfusion durch Laser. Da muss Bayern aus seiner Sicht vorne mit dabei sein – ebenso wie bei Supraleitern, Quantencomputing oder 5G beziehungsweise 6G.

Klares Bekenntnis zur Landespolitik

„Mir taugt das echt“, sagt Weigert. „Es ist ein ungeheuerliches Privileg, dass mich die Leute nach München haben gehen lassen.“ In seiner Heimat ist er schon als Direktkandidat für die Landtagswahl 2023 nominiert worden. Gerüchte, er könne sich bei der nächsten Landratswahl 2026 wieder um sein früheres Amt bewerben, weist Weigert zurück. „Ein volles Bekenntnis zur Landespolitik“, sagt er.

2018 hatte der damalige Landrat durchaus überraschend seine Kandidatur für den Landtag verkündet und konnte schließlich über die Liste einziehen. „Ich habe eine gute Bilanz übergeben“, erklärt Weigert. Aber er räumt ein, dass er seinen Posten wohl auf dem Schaffenshöhepunkt verlassen hat. Körperlich schlaucht ihn die Arbeit als Staatssekretär durch die vielen Reisen mehr als die Zeit als Landrat, sagt Weigert. „Aber mental ist beides extrem.“

Trotzdem hat Weigert auch in seiner Freizeit noch Lust auf Politik. Er ist Vorsitzender der Freien Wähler in Neuburg-Schrobenhausen, sitzt im Kreistag und im Gemeinderat von Karlshuld, wo er inzwischen lebt. 

Als Ausgleich dient ihm die Jagd, mal alleine, mal mit seiner Frau, die auch Jägerin ist. „Die wilden Jahre als Jäger habe ich hinter mir“, sagt Weigert. Inzwischen erfüllt es ihn mehr mit Freude, die Natur zu beobachten, statt aktiv zu jagen.

Weniger entspannend ist für ihn dagegen die Situation beim Bayerischen Jagdverband (BJV), dessen Vizepräsident er seit 2021 ist. Der Vorsitzende, der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch, sieht sich Rücktrittsforderungen und einer Strafanzeige ausgesetzt. Es geht um den Vorwurf von wüsten Beschimpfungen und Drohungen. „Man muss Weidenbusch nicht lieben, mich auch nicht“, sagt Weigert. „Man muss nur anständig miteinander umgehen.“ Aus Weigerts Sicht passiert gerade das eben nicht. Schon Weidenbuschs Vorgänger sei so aus dem Amt gedrängt worden, sagt Weigert. „Die Jäger fordern immer einen achtsamen Umgang mit dem Tier – aber was ist mit dem Thema Achtsamkeit untereinander?“

Mit seinem politischen Kontrahenten Matthias Enghuber (CSU) aus dem Heimatstimmkreis pflegt Weigert einen solchen achtsamen Umgang. Bei vielen Themen in ihrem Landkreis arbeiten die beiden Abgeordneten eng zusammen, zuvorderst bei der Entwicklung des Donaumooses, dem größten Niedermoor Süddeutschlands, für dessen Schutz der Freistaat 200 Millionen Euro bewilligt hatte.

Diesen parteiübergreifenden Willen der Zusammenarbeit erkennt Weigert auch auf höchster Ebene im Freistaat, zwischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dessen Stellvertreter Hubert Aiwanger. „Die ergänzen sich bei aller Unterschiedlichkeit perfekt“, sagt Weigert. „Der Erfolgsfaktor dieser Koalition ist oft ein hartes Ringen der Häuptlinge miteinander. Am Ende finden sie sich dann doch und setzen tolle Sachen um.“ Roland Weigert hätte nichts dagegen, wenn sich diese Koalition fortführen ließe. Gerne auch mit ihm in weiter verantwortlicher Position. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass es so kommt. (Thorsten Stark) 

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