Landtag

Holger Dremel (CSU) vom Landtag. (Foto: privat)

21.02.2020

Der Law-and-Order-Mann

Im Porträt: Holger Dremel (CSU)

Vielleicht ist Holger Dremel der erste Landtagsabgeordnete, der sein Mandat einem Casting nach TV-Vorbild verdankt. „Letztlich haben wir im CSU-Kreisverband Deutschland sucht den Superstar veranstaltet“, berichtet der 48-Jährige aus dem Landkreis Bamberg. Nun, singen und tanzen musste Dremel nicht vor der Jury aus Kreisvorstand sowie örtlichen Bürgermeistern und Mandatsträgern. Aber mit zehn weiteren Bewerbern seine persönlichen Vorzüge und politischen Pläne für die Zukunft präsentieren. Er tat das offenbar so gut, dass er nicht nur in die Endauswahl der besten Vier für die Kreisdelegiertenversammlung kam, sondern dort auch die nötige Mehrheit für die Landtagskandidatur 2018 holte. Stolz sei er, sich in diesem Auswahlverfahren durchgesetzt zu haben, sagt Dremel rückblickend.

Trotz seiner schon im Jugendalter ausgeprägten Affinität zur CSU – sein Vater war stellvertretender Ortsvorsitzender – ist Dremel vergleichsweise spät in die Partei eingetreten. Das langjährige Engagement in der Jungen Union seiner Heimatstadt Scheßlitz führte nicht geradewegs in die Mutterpartei. Er musste dazu „gedrängt“ werden. Zur Kommunalwahl 2008 suchte die CSU noch Listenkandidaten, da wurde Dremel angesprochen. Eigentlich habe er nicht in den Stadtrat gewollt, Beruf, Familie und Ehrenämter hätten ihn schon genug beansprucht. Aber dann habe er sich doch auf die Liste setzen lassen, auf Platz 15. Und so erlebte Dremel hautnah die Richtigkeit der alten Weisheit: Wer kandidiert, kann auch gewählt werden!

Im Stadtrat angekommen, habe er schnell Blut geleckt, erinnert sich Dremel. „Ich habe gemerkt: Politisch etwas bewirken zu können, ist klasse!“ Fast über Nacht sei bei ihm die „Leidenschaft für Politik entfacht“ worden. Schon 2009 habe man ihm den CSU-Ortsverband als Vorsitzender anvertraut, in seiner zehnjährigen Amtszeit habe er allerhand bewirkt. Besonders stolz sei er darauf, den Mitgliederstand im Ortsverband nahezu verdoppelt und vor allem junge Frauen in die Partei geholt zu haben. „Ich habe es geschafft, den Altersdurchschnitt um zehn Jahre zu senken“, hebt Dremel hervor.

Von selbst sei das aber nicht gekommen. Geholfen habe ihm, dass er seinerzeit als Jugendfußballtrainer beim TSV Scheßlitz, Elternbeiratsvorsitzender und Aktiver in mehreren Vereinen viele Leute gekannt habe, „die politisch interessiert sind, aber noch nicht abgeholt waren“. Oft seien das Menschen gewesen, die der CSU schon nahegestanden hätten, aber nie gefragt worden seien, ob sie mitmachen wollten in der Partei. Die persönliche Ansprache sei dann der letzte Schub für den Eintritt in die CSU gewesen, sagt Dremel.

Über Stoiber hat sich der Polizist früher aufgeregt

Beruflich ist Holger Dremel Polizist mit Leib und Seele. „Schon mit sieben Jahren habe ich gesagt, ich gehe zur Polizei“, schmunzelt er. Mit seinem Vater sei er als Kind immer mit auf den Fußballplatz gegangen, wo er mit großen Augen den tollen Geschichten zugehört habe, die dessen bester Freund immer von seinem Polizeidienst erzählt habe. Folgerichtig sei er nach der Mittleren Reife zur Polizei gegangen. „Ganz unten im Streifenwagen“ habe er angefangen und sich später an der Beamtenfachhochschule für den gehobenen Dienst qualifiziert. Seine Vorgesetzten hätten ihm dann schnell Führungspositionen anvertraut. Bis zum Leiter der Ermittlungsgruppe bei der Polizei in Bamberg hat es Dremel gebracht. Vor allem diese Tätigkeit bei der „kleinen Kripo“ habe ihm Spaß gemacht – auch wenn die wirklich schweren und haarigen Fälle nicht auf seinem Schreibtisch gelandet seien. Auf die Frage, ob er ein Law-and-Order-Mann sei, antwortet Dremel nach kurzem Zögern mit Ja. Er will das allerdings nicht fundamentalistisch verstanden wissen. Recht und Gesetz seien aber die Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Seit seiner Wahl in den Landtag – dorthin habe ihn der Wunsch getrieben, auch die „großen politischen Weichenstellungen“ auf Landesebene mitgestalten und mitbestimmen zu können – bringt Dremel seine kommunalen und beruflichen Erfahrungen im Innenausschuss ein. Er sieht sich dabei durchaus als Ombudsmann für die Interessen der Polizei. Diese hätten in der Landespolitik zum Glück gerade einen hohen Stellenwert, was sich unter anderem in den gestiegenen Finanzzuweisungen für mehr Personal und bessere Sachausstattung zeige. Vor 15 Jahren hätte er nicht so positiv geredet. „Als Polizist im Dienst hat mich die Stoiber'sche Arbeitszeiterhöhung von 40 auf 42 Wochenstunden und die Abschaffung der Polizeidirektionen schon aufgeregt“, gesteht Dremel. „Wenn ich damals schon im Landtag gewesen wäre, hätte ich das nicht mitgetragen.“

Der Sprung in den Landtag war für Dremel auch eine Zäsur. Er hat seitdem einige seiner Ehrenämter aufgegeben, unter anderem den CSU-Ortsvorsitz und sein Amt als Zweiter Bürgermeister. Er wolle nicht an Ämtern kleben, sagt Dremel. Fast philosophisch ergänzt er: „Manchmal findet man keinen Nachfolger, manche wollen aber auch keinen Nachfolger finden.“ Er zum Beispiel hätte gerne mehr Frauen in Führungsämter gebracht, doch hätten da selbst seine Überzeugungskünste kaum gefruchtet. Viele Frauen, so Dremels Erfahrung, engagierten sich im vorpolitischen Raum, aber aus Furcht vor der Doppelbelastung aus Familie und politischem Amt scheuten sie den letzten Schritt. Auch in der eigenen Familie musste Dremel das erleben. Während seine Söhne längst in der Jungen Union aktiv sind, blieb sein Werben bei der Tochter bislang erfolglos.

Aus der ersten Reihe zurückgezogen hat sich Dremel zudem in den Organisationsteams für das Straßenfest „Lange Nacht“ und die Wirtschaftstage in Scheßlitz, die seit 2005 nicht zuletzt dank seines Engagements im jährlichen Wechsel stattfinden. Vor allem die „Lange Nacht“ – ein Musikfest auf vier Bühnen zwischen den ehemaligen Stadttoren im Ortszentrum, das wegen behördlicher Auflagen allerdings schon um ein Uhr enden muss – ist längst über die Grenzen Scheßlitz’ hinaus eine Institution. Sie gilt, wie Dremel mit einem Augenzwinkern verkündet, inzwischen als die „bessere Sandkerwa“ – so heißt das traditionsreiche Altstadtfest in der benachbarten Kreisstadt Bamberg.

Nicht aufgegeben hat Holger Dremel sein ältestes Hobby, das Orgelspiel. Schon mit fünf Jahren habe er, inspiriert von einem Nachbarn, der als Kirchenorganist und Alleinunterhalter unterwegs gewesen sei, auf einer Heimorgel zu spielen begonnen. Auf dem musischen E.T.A. Hoffmann-Gymnasium Bamberg habe er dann Orgelunterricht bekommen, seit mehr als 30 Jahren sei er nun selbst einer der Kirchenorganisten in Scheßlitz. So oft wie früher sitze er nicht mehr an den Tasten und Registern, bedauert Dremel, aber zwei- bis dreimal im Monat könne er es noch einrichten. Ins Casting muss er dafür nicht mehr.
(Jürgen Umlauft)

Kommentare (1)

  1. Gideon am 23.02.2020
    Nach Halle und Hanau sollte man vielleicht mal aufhören, „Law and Order“ immer mit so einem ironischen Unterton zu versehen als sei das was Anrüchiges. Ja, ich möchte Recht und Ordnung in diesem Land -dass mich kein irrer Nazi oder Islamist über den Haufen schießt!
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