Landtag

In ihrer Freizeit entspannt sich Christina Haubrich beim Joggen mit ihrem Hund. (Foto: Ivo Mayr)

08.04.2022

Die Quirlige

Im Porträt: Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag

Dass der Posten der gesundheitspolitischen Sprecherin in dieser Legislaturperiode so wichtig wird, damit hatte Christina Haubrich (Grüne) beim Einzug in den Landtag 2018 nicht gerechnet. Eine ihrer ersten Amtshandlungen als Abgeordnete war es zwar, nach einem Pandemieplan für Bayern zu fragen. „Das hat damals aber noch niemanden interessiert“, sagt die Merchingerin aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. 

Haubrich gehört zum „Team Vorsicht“. Sie hätte sich gewünscht, man hätte ganz Bayern zum Hotspot erklärt, damit Einschränkungen weiterhin erlaubt gewesen wären. Durch den Wegfall der Maskenpflicht befürchtet sie, dass immer mehr Menschen erkranken – und dann im Job fehlen. „Die CSU nimmt eine Gefährdung der Infrastruktur in Kauf, nur weil man im Bund in der Opposition ist“, klagt die 50-Jährige. 

Immerhin, das Aus für die Isolationspflicht Infizierter, so wie es ursprünglich geplant war, ist vom Tisch. Haubrich ist froh, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) „zurückgerudert“ ist. Die Quarantäne mit einem negativen PCR-Test auf fünf Tage zu verkürzen, findet sie okay. 

Haubrichs restriktiver Corona-Kurs kommt nicht überall gut an. Erst neulich wünschte ihr wieder ein User in den sozialen Netzwerken den Tod – sie erstattete Anzeige. Inzwischen lässt die Abgeordnete Kommentare von ihren Angestellten lesen: „Ich habe keine Lust mehr, das zu sehen.“

Geboren wurde Haubrich 1971 in Starnberg. Als sie vier Jahre alt war, zog die Familie aus beruflichen Gründen nach Merching. Dort wuchs sie mit ihren zwei Geschwistern in einer ländlichen Idylle auf, holte Milch beim Bauern und streichelte Kühe. 

Die Eltern waren nicht parteipolitisch engagiert, lebten aber schon in den 70er-Jahren sehr ressourcenschonend. „Mein Vater war ein absoluter Energiesparer“, erinnert sie sich. Auch das Auto blieb wegen des ökologischen Fußabdrucks oft in der Garage, in den Urlaub ging es mit dem Autozug. „Ich konnte gar nichts anderes als Grüne werden“, sagt sie und lacht. 

Ganz im Gegensatz zu jetzt war Haubrich in der Schule eher zurückhaltend und ging bei 41 Kindern in der Klasse der kleinen Dorfschule ein wenig unter, erzählt sie. Heute ist sie immer in Aktion und kaum mehr zu stoppen, wenn sie einmal mit Reden angefangen hat. Nach der Realschule holte Haubrich an der Fachoberschule ihr Abitur nach und studierte in Augsburg Betriebswirtschaftslehre und in München Pflegemanagement. 2008 wurde sie Heilpraktikerin für Psychotherapie und eröffnete ein Jahr später ihre eigene Praxis. Zusätzlich coachte sie für verschiedene soziale Träger unter anderem Alleinerziehende und Geflüchtete. 

Was Haubrich nervt, ist die ewige Diskussion um die Homöopathie. Die Frage sorgt auch bei den Grünen regelmäßig für Streit. „Das Thema holt mich immer wieder ein“, bestätigt sie. Dabei gehe es ihr um ganzheitliche Medizin, die evidenzbasiert ist. „In Berlin gibt es sogar einen Lehrstuhl für Naturheilkunde.“ Nur weil ihr das Thema wichtig sei, lehne sie die Schulmedizin ja nicht ab, betont Haubrich. Seit 2021 ist sie Präsidentin des Kneipp-Bundes. Ihr Vorgänger: Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Auch er übrigens ein Anhänger der Naturheilkunde. 

Politisch aktiv ist Haubrich seit der Tschernobyl-Katastrophe. Sie hatte just an diesem Tag ihren ersten Tanzkurs und kam in den radioaktiv belasteten Regen. „Das hat mich sehr geprägt“, erinnert sie sich. Los ging es dann bei Greenpeace. Als ihre zwei Mädchen (heute 17 und 23) und ihr Sohn (heute 15) etwas älter waren, gründete sie 2013 den ersten grünen Ortsverband in Merching und wurde ein Jahr später grüne Kreissprecherin im Landkreis Aichach-Friedberg. Bei der Landtagswahl bewarb sie sich für den ersten Listenplatz, um auf sich aufmerksam zu machen, wie sie sagt. Tatsächlich wurde sie dann auf den siebten Platz gewählt. „Niemand hat mit mir gerechnet“, sagt sie und lacht.

2023 tritt sie „natürlich“ wieder an. Wenn nicht gerade Pandemie herrscht, liegt Haubrich im Landtag das Thema Mikroplastik sehr am Herzen, das über die Nahrung aufgenommen wird und kürzlich erstmals im Blut von Menschen nachgewiesen werden konnte. „Wir müssen endlich verstehen, dass alles, was in der Umwelt landet, postwendend wieder zu uns zurückkommt.“ „Planetare Gesundheit“ nennt sie das. Im Juli veranstaltet sie dazu ein Event mit dem Autor Eckart von Hirschhausen.

Vegetarisch lebt sie schon lang, seit Kurzem nun vegan

Als eine der wenigen grünen Landtagsabgeordneten isst Haubrich kein Fleisch. Viele Jahre war sie Vegetarierin, seit einem halben Jahr ernährt sie sich vegan. Ob sie dabei bleibt? „Keine Ahnung“, sagt sie. Einerseits will sie nicht für extrem gehalten werden, andererseits sei die Fleischproduktion ein großer Treiber des Klimawandels. 

Weitere Schwerpunkte in Haubrichs Arbeit sind Depressionen und Burn-out – jedes Jahr wächst in Bayern die Zahl der Betroffenen. Haubrich führt das auf die sogenannte Carearbeit zurück, also die Kinderbetreuung durch die Frauen. Durch Corona, Homeoffice, Quarantäne und die jetzige psychische Belastung durch den Krieg dürfte die Situation nicht besser geworden sein, befürchtet sie. Auch der Pflegenotstand ist ihr ein Anliegen. Dafür ist bei den Grünen aber offiziell ihr Kollege Andreas Krahl zuständig.

Obwohl Haubrich Mitglied beim Katholischen Frauenbund ist und sie früher sogar einmal Pfarrgemeinderätin war, sind ihre christlichen Wurzeln etwas kürzer geworden. Zwar habe sie noch eine christliche Überzeugung und sei auch nicht aus der Kirche ausgetreten. „Aber bei den Dingen, die in letzter Zeit passiert sind, habe ich meine Zweifel“, räumt sie ein. 

In ihrer Freizeit entspannt sich Haubrich mit Yoga, Joggen mit ihrem Hund – und Büchern. „Ich bin eine absolute Leseratte“, betont sie. Am liebsten schmökert sie in Werken der Widerstandskämpferin Gioconda Belli aus Nicaragua. Ihr Mann interessiert sich mehr für Mathematik – er ist Gymnasiallehrer. Außerdem probiert sich Haubrich gerne an der Aufwertung alter Möbel, dem Upcycling. Ach ja, und Campen geht sie auch gern. Wenn es die Zeit irgendwann zulässt, würde sie auch gern mit einer Freundin einen plastikfreien Laden eröffnen. „Ich habe so viele Ideen“, sagt sie. Und ergänzt augenzwinkernd: „Für meinen Mann manchmal ein wenig zu viele.“ (David Lohmann)

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