Landtag

Tobias Gotthardt (FW) sieht im JRC „quasi den Wissenschaftlichen Dienst der EU“. (Foto: dpa/Schuldt)

18.06.2021

"Für eine nachhaltige Lebensweise"

Europaausschuss: Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC)

Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission wirbt für ein Projekt namens „Neues Europäisches Bauhaus”. Es gehe darum, eine Brücke zwischen der Welt der Wissenschaft und Technik sowie der Kultur zu bauen.

Ein Engländer aus Brüssel, der vor dem Bayerischen Landtag einen alten oberpfälzer Industriebau als leuchtendes Vorbild preist, und zwar für den Geist, dem die EU nacheifern sollte? Das ist nach dem Brexit durchaus etwas Außergewöhnliches. Der Engländer heißt Stephen Quest, er stellte auf Einladung des Europaausschusses die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission vor, deren Generaldirektor er ist, und er warb insbesondere für deren neuestes Projekt, das „Neue Europäische Bauhaus“, das sich explizit auf das vor gut 100 Jahren gegründete Bauhaus bezieht. Und als eindrückliches Beispiel für das historische Bauhaus verwies Quest auf die Ende der 1960er-Jahre von Bauhaus-Gründer Walter Gropius gebaute „Glaskathedrale“ in Amberg.

EU-weit ist Quests Behörde unter dem Kürzel JRC bekannt: Joint Research Center, doch sie hat auch einen deutschen Namen: die Gemeinsame Forschungsstelle der EU mit etwa 4000 Mitarbeiter*innen und einem Budget von über 350 Millionen Euro pro Jahr. Ausschussvorsitzender Tobias Gotthardt (FW) nannte das JRC in seiner Begrüßung „quasi den Wissenschaftlichen Dienst der EU“. Es hat seinen Sitz in Brüssel und diverse Standorte, etwa in Karlsruhe oder Sevilla in Spanien.

Ursprünglich auf  Nuklearforschung fokussiert

Quest definierte den Zweck des JRC folgendermaßen: Es gehe darum, „unabhängiges, evidenzbasiertes Wissen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln, mit dem Ziel, auf diese Weise die Politik und die Gesellschaft positiv beeinflussen zu können“. Ursprünglich sei das 1958 gegründete JRC auf Nuklearforschung fokussiert gewesen, heute mache der von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgerufene „Green Deal“ fast die Hälfte der Arbeit des JRC aus. Maxime des JRC sei es, dafür zu sorgen, „dass die Politik die Wissenschaft besser versteht“.

Das derzeit in der Anlaufphase befindliche Großprojekt des JRC ist das Neue Europäische Bauhaus, das sich als Weiterentwicklung des 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Bauhauses versteht. In dem Zusammenhang verwies Quest auf „einige herausragende Spätwerke“ von Walter Gropius in Bayern, etwa die 1967 eröffnete Porzellanfabrik von Rosenthal in Selb oder das letzte Werk des Bauhausgründers, die 1970 eröffnete heutige Kristallglasfabrik in Amberg. Diese Industriedenkmäler, so Quest, fügten sich nicht nur „sehr gut in die Landschaft ein“, sie seien auch ein „sehr schönes praktisches Zeugnis der Idee von einer ganzheitlichen, human gestalteten Umwelt”.

Zwei Partner aus Bayern

Ganz nach dem historischen Vorbild wolle das EU-Projekt Neues Europäisches Bauhaus die soziale Funktion von Architektur und Design betonen und den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit setzen. Die Bauhaus-Grundsätze Inklusion, Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit seien heute aktueller denn je, auch die Qualität des ästhetischen Erlebens sei zu berücksichtigen. Es gehe darum, „neuen Schwung für eine nachhaltige Lebensweise“ zu bringen.


Die Gestaltungsphase laufe seit Januar und gehe noch bis Ende Juni. Man habe für das Neue Europäische Bauhaus, das „kein typisches Projekt der Brüsseler Politik“ sei, sondern „gemeinsam mit den Regionen und den Bürgern“ geplant sei, bereits 1400 Beiträge, Vorschläge und Ideen eingesammelt. Nach den Worten der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll das Neue Europäische Bauhaus nicht zuletzt „eine Brücke sein zwischen der Welt der Wissenschaft und Technologie und der Welt der Kunst und Kultur”.

Unter den bislang gut 150 Organisationen und Einrichtungen, die Partner des Neuen Europäischen Bauhauses sind, befinden sich auch 20 aus Deutschland, zwei davon aus Bayern: die Fakultät für Architektur der Technischen Universität München und Silicon Vilstal, eine nach eigenen Angaben gemeinnützige Innovationsplattform aus Niederbayern, die „digitale Chancen ländlicher Regionen greifbar machen“ will.
(Florian Sendtner)

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