Landtag

Kinder helfen Vereinen und Firmen, ihre Internetauftritte zu erstellen und zu verbessern. (Foto: Bürgerstiftung Ostallgäu)

22.10.2021

Graswurzelarbeit für die Region

Der Bürgerpreis des Landtags belohnt seit 21 Jahren soziales Engagement in Bayern. Jährlich werden Menschen für ihre außergewöhnlichen Ideen prämiert, diesmal unter dem Motto „Gemeinsam stiften, Gemeinschaft stiften, Sinn stiften“. Gewonnen haben fünf herausragende Projekte, die ein Preisgeld von insgesamt 50 000 Euro erhalten. Zusätzlich wurde eine besondere Würdigung ausgesprochen.

Dieses Jahr stehen beim Bürgerpreis die Stiftungen im Fokus. Neben einer besonderen Würdigung wurden fünf herausragende Stiftungen ausgewählt, unter denen das Preisgeld von 50 000 Euro aufgeteilt wurde. „Alle Geehrten setzen sich in besonderer Weise dafür ein, dass Menschen im Freistaat durch das Engagement von Ehrenamtlichen Gemeinschaft und Sinn erfahren“, erklärt Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). „Wir haben eine schwere Auswahl treffen müssen“, ergänzt Winfried Bausback (CSU). Jetzt seien aber beispielgebende Projekte aus verschiedenen Bereichen ausgewählt worden.

Die Jury – bestehend aus je einem Vertreter beziehungsweise einer Vertreterin der Fraktionen im Landtag, des Bayerischen Gemeindetags, des Bayerischen Städtetags und des Vereins Bayerische Landtagspresse sowie zwei externen Experten und geleitet von Landtagspräsidentin Aigner – bewertete insgesamt 54 Bewerbungen. „Uns ging es besonders darum, Engagement sichtbar zu machen“, erklärt Ruth Waldmann (SPD). Julika Sandt (FDP) betonte, dass alle ausgezeichneten Stiftungen Modellcharakter hätten. Susann Enders (Freie Wähler) freute sich, dass neben den Stiftungen auch ein Sonderpreis verliehen wurde. Andreas Winhart (AfD) war es ein besonderes Anliegen, dass sich die Preisträger über ganz Bayern verteilen und in den verschiedensten Bereichen aktiv sind. „Es strengen sich so viele an“, resümierte Paul Knobloch (Grüne). „Das nimmt mich ein für unser Land.“

Bürgerstiftung Ostallgäu (Schwaben)

Alphabetisch der erste Preisträger ist die Bürgerstiftung Ostallgäu. Sie ist breit aufgestellt: Gehirnjogging für Senior*innen, Oper für die Kids, Naturbegegnung in Schulen und Kindergärten. Was aber besonders ins Auge sticht, ist ihr Langzeitprojekt: Seit 2007 werden Jugendliche der Grund- und Mittelschulen in Germaringen, Obergünzburg und Marktoberdorf an Internet-Technologie herangeführt. Die Schülerfirma OALnet, geleitet von Karin Weikmann, erstellt, gestaltet und pflegt Internetauftritte von Schulen und Kindergärten, aber auch von Vereinen, Gemeinden oder Unternehmen, was die Schülerinnen und Schüler an das Unternehmertum herangeführt. Vor Ort ist ein Netz geknüpft mit vielen Knotenpunkten. Denn mit der Gründung von Zweigniederlassungen der Schülerfirma an verschiedenen Schulen im Ostallgäu wird eine Breitenwirkung erzielt. Die Stiftung betreibe Graswurzelarbeit, damit die Region auch künftig wirtschaftlich erfolgreich ist, lobt Landtagspräsidentin Aigner. „Der Vorstand Gerhard Schempp und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter machen sich damit nachhaltig um das Gemeinwohl in ihrer Heimat verdient.“

Bürgerstiftung Region Neumarkt (Oberpfalz)

Die Bürgerstiftung Region Neumarkt ist seit mehr als 15 Jahren ein Fixpunkt im gesellschaftlichen Leben vor Ort. „Einfach Gutes tun“ – das ist ihr Motto. Kontinuierlich Gutes tun, könnte es auch heißen. Denn die Bürgerstiftung hat über die Jahre immer Präsenz gezeigt und dabei enorme Schlagkraft bewiesen. Sie bereichert das Zusammenleben in der Region mit vielen vorbildlichen Projekten: Ob sie nun unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Helmut Rauscher in der Not hilft oder den Gemeinsinn über hervorragende Projektideen stärkt: „Man könnte sich die Stiftung gar nicht mehr wegdenken“, sagen viele. Sie hat ein großes Portfolio an Investitionen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgebaut. Immer wieder initiiert sie generationenübergreifende Projekte vor Ort, bei denen Kinder mit Senior*innen in Austausch kommen, und fördert das bürgerschaftliche Ehrenamt in der Region. Beispielsweise hat die Stiftung Seniorenheime mit süßen Überraschungen wie Lebkuchen, mit Blasmusik oder mit hartem Stoff, wie Landtagspräsidentin Aigner sagt, beglückt: mit Nachrichten in Form von Zeitungsabos. Für Schulen und Kindergärten hat die Stiftung in der Pandemie Tausende Masken beschafft, um für die Sicherheit der Kleinsten zu sorgen. Sie bringt Tiere in Seniorenheime und Clowns in Kitas. Außerdem hat die Stiftung bei einem Spendenlauf Geld gesammelt, um Alleinerziehenden und Bedürftigen unter die Arme zu greifen. Auch geplant ist der Aufbau einer Bienen-Lernstation für Grundschüler*innen in Zusammenarbeit mit Imkerinnen und Imkern. „Die Bürgerstiftung Region Neumarkt hat sich selbst verpflichtet – auf Respekt, Toleranz und Lebensfreude“, resümiert Präsidentin Aigner. Die Stiftung erfährt viel Bestätigung in ihrem täglichen Wirken – und jetzt auch durch den Landtag.

Germeringer Sozialstiftung (Oberbayern)

Die Germeringer Sozialstiftung ist der Fürsorge verpflichtet. Sie ist aus der Privatstiftung von Susanne und Herbert Stark hervorgegangen, heute zählen aber zahlreiche Unterstiftungen dazu. Bereits seit zwanzig Jahren lindert das Bündnis unter dem Vorstandsvorsitzenden Christian Ganslmeier Not, indem es Menschen jeden Alters in grundlegenden Fragen und Alltagssituationen hilft. Da, wo Kinder und Jugendliche sind, ist auch die Stiftung unterwegs: Sie gibt Hilfestellung bei gesunder Ernährung, fördert die Esskultur und prägt ein Stück weit das soziale Miteinander. Gemeinsam mit Schüler*innen hilft sie älteren Menschen, deren Bewegungskreis eingeschränkt ist, bei der Entsorgung ihres Mülls. Und den ganz Kleinen bereitet sie mit der Aktion Schultüte eine Freude. Das Schlüsselprojekt aber nimmt zurzeit ganz konkret Formen an: Die Stiftung baut ein Hospizzentrum mit einem Frauenhaus, auch Personalwohnungen gehören dazu – ein Großprojekt sozialpolitischer Verantwortung. Aber natürlich geht es nicht nur um die Bausubstanz, sondern auch um den Aufbau eines tragenden Dreiecks aus dem Hospizverein, der den Betrieb sicherstellt, der Betreibergesellschaft und der Sozialstiftung selbst, die Eigentümerin des Gebäudes bleibt.
Das Frauenhaus wird ein Schutzraum vor Gewalt für Frauen und mitbetroffene Kinder – barrierefrei und mit der Möglichkeit für die Betroffenen, ein soziales Umfeld aufzubauen.

Glattbacher Stiftung (Unterfranken)

Die Glattbacher Stiftung widmet sich der Völkerverständigung, der Jugend und der Kultur. Das zeigt sich beispielsweise in dem Jugendaustauschprojekt Glattbach – Bretteville-sur-Odon. Dabei nimmt die Stiftung Jugendliche mit auf eine Rundreise: regional, aber auch geschichtlich. So wird Freundschaft über Grenzen hinweg der Weg bereitet. Verschrieben hat sich die Stiftung auch der Naturpflege. So wurden zum Beispiel Streuobstwiesen neu bepflanzt. Gemeinsam mit vielen Verbündeten konnten so innerhalb kürzester Zeit zahlreiche neue Bäume wachsen.  Den Schwerpunkt der Stiftungsarbeit unter Leitung von Gerhard Zang bildet aber das Vorzeigeprojekt „Sichtweise“. Dabei werden Kinder unterstützt, die von einer plötzlichen Behinderung eines Elternteils betroffen sind. Damit deckt das Projekt eine sich auftuende Lücke ab und bietet dem Nachwuchs Beschäftigungsmöglichkeiten. Das dient dem vertrauensvollen Austausch mit Therapeut*innen und mit Kindern, die ähnlichen Herausforderungen ausgesetzt sind. „Sie leisten damit einen Dienst am Kind, das neue Momente der Unbeschwertheit erleben kann“, lobt Landtagspräsidentin Aigner. Egal ob malen, musizieren oder werken – alles sei eine wohltuende Ablenkung. Das hilft in der Entwicklung der Persönlichkeit und gibt den jungen Menschen Halt und Stabilität. Das Beste: Fachkräfte und Ehrenamtliche arbeiten dabei Hand in Hand und betreten mit „Sichtweise“ in der Region Neuland.

Stiftung Kulturerbe Bayern (Bayernweit)

Auf den ersten Blick fällt die Initiative Kulturerbe Bayern bei den Bürgerpreis-Gewinnern etwas aus dem Rahmen. Bei ihr geht es mehr um historische Gebäude, Gärten und Parks – weniger um die Menschen. Aber die Jury kam zu der Meinung, dass auch historische Orte unsere Identität prägen. In ihnen spiegele sich „der Geist einer Zeit wider“, so die einhellige Meinung. Sie machten klar, wo wir herkommen und was wir wissen müssen, wenn die Richtung für die Zukunft festgelegt wird. „Das kulturelle Erbe Bayerns ist erhaltenswert. Und es ist schützenswert“, betont Landtagspräsidentin Aigner. Kulturlandschaften, Bauwerke und Baukunst seien nicht nur weltbekannt. „Sie sind fest in unseren Herzen verankert.“ Dafür soll durch die Ehrung auch die Öffentlichkeit sensibilisiert werden. Zuerst wurde 2015 der Verein gegründet, drei Jahre später folgte die bürgerliche Stiftung. Sie kauft geschichtsträchtige Gebäude, Gärten und Parks, wenn keine andere Lösung mehr greift. Oft kommen noch Sanierung und anschließende Nutzung hinzu – das erfordert viel konzeptionelle Arbeit. Von den Kosten ganz zu schweigen. Der Stiftung geht es um den dauerhaften Erhalt. So werden zum Beispiel unter der Geschäftsführung von Bernhard Averbeck-Kellner geschichtlich bedeutsame, aber aufgegebene Gasthäuser in Bayern gesucht, um nach der Instandsetzung wiederbelebt zu werden. Der Mehrwert der Stiftung liegt auf der Hand: Bayerisches Kulturerbe stärkt die touristische Attraktivität und ist damit ein wirtschaftlich relevanter Faktor. Hinzu kommt: Mit dem Engagement wächst der Gemeinsinn, also der Zusammenhalt vor Ort. „Die Stiftung poliert damit“, lobt Aigner, „in mehrfacher Hinsicht den Schatz, auf dem wir Bayerinnen und Bayern sitzen, auf Hochglanz.“ (BSZ)

INFO: Bürgerpreis

Die Idee zur Verleihung des Bürgerpreises, der früher noch Bürgerkulturpreis hieß, hatte die CSU. Mehrere Abgeordnete stellten 1999 einen Antrag, vorbildliche Leistungen auf dem Gebiet der Sozial- und Bürgerkultur zu belohnen. Träger des Preises und der zweckgebundenen Preisgelder sollten Kommunen, Organisationen, Initiativen oder Einzelpersonen sein. „Aufgabe des Landtags als gewähltes Organ des gesamten Volkes ist es, für eine neue Sozial- und Bürgerkultur die notwendigen Freiräume zu schaffen“, so die Begründung. Damit solle ein Wettbewerb der Kreativität und Innovation gefördert werden. Als Vorbild diente die Bertelsmann Stiftung mit ihrem Wettbewerb „Bürgerfreundliche Kommune“.

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