Landtag

Wie in Nürnberg installieren immer mehr Städte Trinkwasserbrunnen, um die Menschen vor der zunehmenden Hitze zu schützen. (Foto: dpa/Daniel Karmann)

14.07.2023

"Hitzeschutz muss endlich ernst genommen werden"

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtet im Gesundheitsausschuss über seine Arbeit in den letzten zwei Jahren

Antibiotikaresistenzen, Chemikalien im Essen, steigende Temperaturen und die Frage, wie es mit Corona weitergeht: Das Aufgabenspektrum des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist breit gefächert. Viele Entwicklungen bereiten Präsident Weidner Sorgen. Immerhin kann aber vieles besser kontrolliert werden, weil seit der Pandemie endlich die Digitalisierung der Behörde vorangetrieben wird.

Das LGL ist die zentrale Fachbehörde in Bayern. Es untersteht drei Ministerien und ist zuständig für Lebensmittelsicherheit, Arbeitsschutz beziehungsweise Produktsicherheit sowie Tiergesundheit und Gesundheit. „Letzteres ist unser Leib- und Magenthema“, berichtete Präsident Christian Weidner diese Woche bei seinem Bericht für 2021 und 2022 im Gesundheitsausschuss. Dabei werde der One-Health-Ansatz verfolgt: Menschliche Gesundheit, tierische Gesundheit und die Gesundheit des Ökosystems könnten nur ganzheitlich gesehen werden – beispielsweise wegen Antibiotikaresistenzen oder Zoonosen wie zuletzt Corona.

Inzwischen sind laut Weidner die humanmedizinischen Laboruntersuchungen mit 365 000 fast wieder im langjährigen Mittel. Während Sars-Cov-2 seien es 1 Million gewesen. Auch die Inzidenzwerte lägen wieder unter 1. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation die Pandemie mittlerweile für beendet erklärt hat, sei die Infektionslage aber nicht weltweit so entspannt wie bei uns. „In China gab es im Mai und Juni die größte Ausbruchswelle seit Anbeginn von Corona“, erläuterte Weidner. Dass sie nicht zu uns rübergeschwappt sei, liege seiner Meinung nach nur an den Impfungen. Beobachtet werde die Lage durch eine Surveillance der Atemwegserkrankungen und einem Abwassermonitoring. '

Als Erfolg bezeichnete Weidner auch ein Projekt mit den Bundesbehörden bei der Sequenzierung von Krankheitserregern wie Salmonellen. Dabei habe es in der Vergangenheit immer Datenverarbeitungsprobleme gegeben. „Wenn man diesen Schlüssel ausdrucken würde, wären das 4800 Seiten.“ Dieser sei aber notwendig, um eine Salmonelleninfektion zwischen zwei Personen vernünftig zu vergleichen – unter anderem auch als Beweis vor Gericht. Durch die digitale Aufrüstung in der Pandemie sei ein standardisierter Austausch in allen drei Teilbereichen des LGL jetzt endlich möglich.

Ein weiteres Thema des Berichts im Landtag waren Antibiotikaresistenzen. „Sie nehmen mit steigender Behandlung zu“, meinte Weidner. Details könne er in der Kürze der Zeit nicht nennen, weil jeder Erreger in jeder bayerischen Klinik unterschiedliche Resistenzen habe. Durch das Monitoring gebe es aber 500 000 sogenannte Isolate, die einen repräsentativen Überblick über die Situation im Freistaat gäben. Um das Problem zu lindern, empfahl er jedem ärztlichen Verantwortlichen mit Nachdruck, als praktische Hilfe einen Blick in das entsprechende LGL-Nachschlagewerk zu werfen. 

Wie lange der Corona-Impfschutz hält? Unklar

Als „Thema schlechthin“ bezeichnete der LGL-Präsident Umweltkontaminanten wie die gefährliche Chemikalie Perfluor-octansäure (PFOA) in Lebensmitteln, Trinkwasser oder Futtermitteln. Zwar sei PFOA bereits verboten. Dennoch könne es durch sie zu gesundheitlichen Schäden kommen. So geschehen zum Beispiel im Chemiedreieck Altötting. Daher wurden für eine Studie mittels anonymer Blutproben die Menschen in der Region mit denen der Nachbarregion verglichen. Das Ergebnis: Besonders Wildschweinjagende, Fischfreunde und Eierliebhabende sind betroffen. Für die restliche Bevölkerung sei seit dem Einbau eines Aktivkohlefilters im Trinkwasser die Halbwertszeit von PFOA gesunken.

Zum Schluss des Berichts verwies Weidner auf die vielen neuen Herausforderungen durch die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels. Beispielsweise gebe es mehr Algen in Seen, mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und leider auch mehr Hitzetote. Mittlerweile hätten aber über 25 Prozent der bayerischen Kommunen versichert, den Schutzaktionsplan weiterzuentwickeln. Das LGL versorge sie sowie ärztliches und pflegendes Fachpersonal mit entsprechenden Informationsmaterialien. „Das Thema ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, unterstrich er. Insgesamt gebe es bei dem Thema noch viel Luft nach oben.

In der anschließenden Aussprache dankte Ausschusschef Bernhard Seidenath (CSU) Weidner für den vielen Arbeitsaufwand in der Pandemiezeit. Die Grünen forderten angesichts des Klimawandels, die Hitzeschutzpläne für Kommunen weiter voranzutreiben. Deren Abgeordnete Kerstin Celina forderte außerdem, Nahrungsmittel verstärkt auf bereits seit vielen Jahren verbotene Pflanzenschutzmittel hin zu untersuchen, nachdem 52 Großvögel daran gestorben sind. Ihre Kollegin Christina Haubrich plädierte angesichts der niedrigen Impfungen gegen Humane Papillomviren (HPV) in Bayern, mehr Aufklärungsarbeit zur sexuellen Übertragung an Schulen durchzuführen. 

Peter Bauer (Freie Wähler) wollte wissen, wann über weitere Corona-Nachimpfungen nachgedacht werden muss und wie weit die Kombiimpfung mit Grippe ist. Bei beiden Fragen musste Weidner passen. In der Regel halte der Impfschutz acht bis zehn Jahre. „Es kann aber sein, dass es bei Sars-Cov-2 anders ist.“ Zu Letzterem lägen ihm ebenfalls keine Informationen vor. 

Margit Wild (SPD) lobte die Digitalisierung des LGL im Rahmen eines Modellprojekts vom Bund. „Wurde dabei aber auch an die IT-Sicherheit, Fortbildungen und Vernetzung gedacht?“, fragte die Abgeordnete. „Der Zeitplan ist schon etwas ambitioniert“, entgegnete Weidner. Es sei aber schön, dass Corona endlich den Bedarf und Nachholbedarf bei der Digitalisierung aufgezeigt habe.

Dominik Spitzer (FDP) interessierte sich dafür, was bei erhöhten Werten des Corona-Abwasserscreenings passiert und ob die Untersuchungen in Altötting jetzt abgeschlossen sind. Weidner antwortete, in diesem Fall würde das LGL wieder verstärkt zum Testen und Melden aufrufen. In Altötting sollten künftig nur noch spezifisch Betroffene beraten und getestet werden. (David Lohmann)

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