Landtag

Diese Woche protestierten verschiedene Umweltverbände gegen Glyphosat vor der CSU-Parteizentrale in München. (Foto: dpa)

30.11.2017

"Mal locker die weitere Vergiftung erlaubt"

Glyphosat-Entscheidung von Bundesminister Schmidt: Opposition ist fassungslos

Mit harscher Kritik hat die Opposition im Landtag auf die in der Bundesregierung unabgesprochene Entscheidung von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) reagiert, bei der EU für eine Verlängerung der Zulassungsgenehmigung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat zu stimmen. Der Unkrautvernichter steht im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein, außerdem wird er für das sich beschleunigende Artensterben verantwortlich gemacht. Der SPD-Agrarpolitiker Horst Arnold erklärte in einer Landtagsdebatte, der Alleingang Schmidts habe dazu beigetragen, dass Glyphosat „weiterhin ungehemmt und flächendeckend“ ausgebracht werden könne. Damit werde der Verbraucherschutz „mit Füßen getreten“. Wegen seiner Nebenwirkungen sei Glyphosat „nicht zukunftsfähig“ und müsse – ähnlich wie in Frankreich – auch hierzulande „effektiv verboten“ werden, sagte Arnold.

Brunner: Ohne wirksame Alternativen könne Glyphosat nicht verboten werden

Die Grüne Gisela Sengl schilderte, sie sei „immer noch fassungslos“ darüber, wie Schmidt „ganz locker für weitere fünf Jahre die Vergiftung unserer Felder erlaubt“. Er habe seine Zustimmung zur Verlängerung der Genehmigung nicht einmal mit einem Ausstiegsplan verbunden. Auch Sengl trat für ein nationales Verbot des Pflanzenschutzmittels ein. Der Einsatz von Glyphosat sei unnötig, auch für die konventionelle Landwirtschaft gebe es Einsatzalternativen. Dem schloss sich Nikolaus Kraus (Freie Wähler) an. Er verwies auf die Erfahrung mit dem seit vielen Jahren verbotenen Atrazin, das noch heute in Boden und Grundwasser nachweisbar sei. „Solche Fehler dürfen wir nicht wiederholen“, betonte Kraus.

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner bezeichnete die Forderungen der Opposition als zu weit- gehend, räumte aber ein, dass der Einsatz von Glyphosat künftig auf das „absolut notwendige Maß beschränkt“ werden müsse. „Wir brauchen mehr Forschung und ein transparenteres Zulassungsverfahren“, sagte Brunner. Ohne wirksame Alternativen könne das Mittel nicht von heute auf morgen verboten werden. Die CSU-Agrarsprecherin Angelika Schorer erinnerte daran, dass eine Vielzahl von Studien zu dem Ergebnis gekommen sei, dass bei „bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung“ von Glyphosat keine Gefahr bestehe. Auch sie trat aber für weitere Verbesserungen und Optimierungen bei der Glyphosat-Ausbringung ein. Dazu verabschiedete der Landtag einen Dringlichkeitsantrag der CSU mit deren Stimmen und einigen Befürwortern aus den Reihen der Freien Wähler. Die weitergehenden Oppositionsanträge wurden von der CSU abgelehnt.
(Jürgen Umlauft)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.