Egal ob KI-Modelle trainiert, Cloud-Dienste betrieben oder Unternehmensdaten verarbeitet werden: Dahinter stehen Rechenzentren, die viel Strom und leistungsfähige Netzanbindungen brauchen. Mit der Digitalisierung wächst deshalb auch der Bedarf an Rechenleistung – und geeigneten Standorten.
Wie der bayerische Aktionsplan für Rechenzentren vorankommt, wollten die AfD-Landtagsabgeordneten Florian Köhler, Oskar Lipp und Johannes Meier von der Staatsregierung wissen. Sie fragten nach Zielen, Ansiedlungsprojekten, Genehmigungen, Netzanschlüssen und den Ausgaben des Freistaats für externe Cloud- und Rechenzentrumsleistungen.
„Verbindliche quantitative Ausbauvorgaben wurden nicht festgelegt“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Das Haus von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) begründet dies damit, dass Unternehmen ihre Standort-, Investitions- und Ausbauentscheidungen nach Markt- und Standortbedingungen träfen. Der Aktionsplan solle vor allem Investitionen erleichtern.
Rund 15 konkrete Projekte
Zum Zeitpunkt der Regierungsantwort waren bei der im Oktober 2025 eingerichteten Kontaktstelle Datacenter Bayern rund 115 Anfragen und Projektvorhaben registriert. Darunter seien rund 15 Fälle gewesen, die bereits als konkrete Projekte gelten könnten. Ob sie tatsächlich umgesetzt werden, sei aber noch offen.
In einer aktuellen Mitteilung nennt die Staatskanzlei inzwischen rund 125 Anfragen seit Einrichtung der Kontaktstelle. Zugleich hebt sie die Position Bayerns als Rechenzentrumsstandort hervor: Rund 500 Rechenzentren mit einer IT-Anschlussleistung von etwa 420 Megawatt gebe es im Freistaat. Mehr als 20 Prozent der Kapazitäten entfielen auf Künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen, bis 2030 könne dieser Anteil auf rund 45 Prozent steigen.
Das Wirtschaftsministerium selbst führt allerdings kein eigenes Bestandsmonitoring. Die Angaben zu Zahl und Anschlussleistung der Rechenzentren beruhen nach seiner Auskunft auf Studien.
Oskar Lipp, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kritisiert die fehlenden Zielwerte. „Aiwanger liefert große Ankündigungen statt überprüfbarer Ergebnisse.“ Ohne Zielvorgaben und Controlling bleibe der Aktionsplan aus seiner Sicht „politische Schaufensterdekoration“. Lipp fordert „vollständige Kostentransparenz, messbare Erfolgsziele und konkrete Vereinfachungen im Baurecht“.
Netzanschluss kann Jahre dauern
Wie schnell ein Rechenzentrum entstehen kann, hänge nach Angaben des Hauses von Aiwanger stark vom Standort ab. Unter günstigen Bedingungen könne ein Vorhaben innerhalb von etwa sechs Monaten umgesetzt werden. Muss dagegen erst die Energieinfrastruktur ausgebaut werden, könne es mehrere Jahre dauern. Als wesentlichen zeitlichen Engpass sieht das Wirtschaftsministerium regelmäßig den Stromnetzanschluss.
Hier setzt die Staatskanzlei in ihrer aktuellen Mitteilung einen Schwerpunkt. Mit dem Sofortprogramm „Bayern schneller ans Netz“ sollen Umspannwerke, Verteilnetze und Netzanschlüsse schneller entstehen. Zudem setzt sich Bayern für mehr Transparenz bei freien Netzkapazitäten und digitale Anschlussverfahren ein.
Spezielle Änderungen der Bayerischen Bauordnung zur Beschleunigung standardisierter oder modularer Rechenzentren sind dagegen derzeit nicht vorgesehen. Auf die entsprechende Frage der Abgeordneten fällt die Antwort des Wirtschaftsministeriums denkbar knapp aus: „Keine.“
Florian Köhler, digitalpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kritisiert vor allem Strompreise, Bürokratie und Vorgaben zur Abwärmenutzung. „Investoren brauchen wirtschaftliche Perspektiven statt weiterer Aktionspläne“, sagt er. Seine Fraktion fordert „wettbewerbsfähige Energiepreise, den Abbau nationaler Sondervorschriften und deutlich schnellere Genehmigungen“. Auch Bayern setzt sich auf Bundes- und EU-Ebene für Änderungen bei Vorgaben zu Energieeffizienz und Abwärmenutzung ein.
Keine zentrale Übersicht über Cloud-Ausgaben
Nicht zentral erfasst werden die Ausgaben des Freistaats für externe Cloud-, Hosting- und Rechenzentrumsleistungen. Auch im IT-Controlling gebe es keine vollständige Übersicht nach Ressort, Leistung und Auftragnehmer. Eine gesonderte Erhebung wäre nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mit erheblichem Aufwand verbunden.
Bei künftigen Beschaffungen setzt die Staatsregierung auf einen hybriden Multi-Cloud-Ansatz. Die Private Cloud des staatlichen IT-Dienstleistungszentrums soll dabei mit europäischen Angeboten und bei Bedarf mit Diensten großer Cloud-Anbieter verbunden werden. Offene Standards und mehrere Cloud-Optionen sollen Abhängigkeiten reduzieren.
Für den weiteren Ausbau hebt die Staatskanzlei vor allem schnellere Verfahren und leistungsfähige Netzanschlüsse hervor. Das FW-Wirtschaftsministerium hält dagegen an einem marktwirtschaftlichen Ansatz ohne feste Ausbauzahlen fest: Der Aktionsplan solle Investitionen erleichtern, nicht deren Umfang vorgeben. (loh)
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