Landtag

Das Alpenpanorama ist trotz Smog über der Münchner Innenstadt zu erkennen. (Foto: dpa/Marc Müller)

22.05.2020

Schlechte Luft als Corona-Beschleuniger?

Die SPD sorgt sich, dass Menschen in bayerischen Großstädten möglicherweise erhöhten Gefahren ausgesetzt sind

Die Luftverschmutzung könnte eine wichtige Rolle sowohl für die Krankheitsanfälligkeit als auch für die Sterblichkeit bei Corona-Patienten spielen. Zu diesem Schluss kommen verschiedene internationale wissenschaftliche Studien. Harvard-Wissenschaftler warnen, dass schon ein Anstieg von einem Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft die Covid-19-Todesrate im Schnitt um 15 Prozent erhöht. 

Die SPD-Landtagsfraktion sorgt sich jetzt um die Situation in bayerischen Ballungsgebieten. Deren Umweltpolitiker Florian von Brunn wollte daher von der Staatsregierung wissen, in welchen Großstädten die Bürger*innen möglicherweise erhöhten Gefahren ausgesetzt sind und mit welchen Maßnahmen die Staatsregierung die Luftverschmutzung bekämpft.

Das Gesundheitsministerium schreibt, es sei zwar bekannt, dass atmosphärische Partikel als Transportvehikel für viele chemische und biologische Kontaminanten wie Viren fungieren. „Derzeit liegen jedoch keine wissenschaftlichen Studien vor, die einen kausalen Zusammenhang zwischen der beschleunigten Ausbreitung von Covid-19 oder verwandten Virenarten wie zum Beispiel der Sars-Erreger von 2003 und der Höhe der Luftverschmutzung zeigen“, heißt es in der Antwort.

Laut dem Haus von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) liefern epidemiologische Studien zwar ebenso Hinweise, dass Luftverschmutzung Auswirkungen auf die infektionsbedingte Gesundheit der Atemwege haben kann. „Untersuchungen zur Ausbreitung des Influenza-Virus H5N1 in Gebieten mit asiatischen Staubstürmen zeigten aber, dass erst bei ungewöhnlich hohen PM10- und PM2,5-Konzentrationen, die weit über den EU-Grenzwerten von 50 beziehungsweise 25 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen, mit einer höheren Verbreitung des Virus und damit mit einem erhöhten relativen Infektionsrisiko zu rechnen ist.“ Das Ministerium kommt daher zu dem Schluss, dass in bayerischen Großstädten nicht von einer erhöhten Gefahr auszugehen ist. Außerdem sei die verkehrsbedingte Luftverschmutzung ja durch die Ausgangsbeschränkung bereits zurückgegangen.

SPD: Umweltschutzmaßnahmen werden wegen Corona vernachlässigt 

Obwohl in Baden-Württemberg während des Lockdowns in den Spitzen nur halb so viele Autos wie sonst unterwegs waren, konnte die dortige Landesanstalt für Umwelt allerdings keine Verbesserungen feststellen – im Gegenteil. Vor dem 16. März 2020 war die Luft in Stuttgart sogar sauberer. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man in Berlin. „Noch ist der Zeitraum zu kurz, um valide Schlüsse zu ziehen“, sagt der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner. 

Dem SPD-Abgeordneten von Brunn bereitet die Antwort Sorgen. „Ich befürchte, dass von der Staatsregierung zur Wiederankurbelung der Wirtschaft die unverzichtbaren Umweltschutzmaßnahmen vernachlässigt werden“, sagt er. Der SPD-Politiker verlangt, dass der Landtag und die Öffentlichkeit künftig mindestens einmal jährlich über neue Forschungsergebnisse informiert werden und „entschlossene umweltpolitische Maßnahmen“ entwickelt werden – wie beispielsweise der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs und eine verbesserte Förderung emissionsfreier Antriebe. (David Lohmann)

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