Landtag

„Grob rechtswidrig und rücksichtslos“: Immer wieder werden Fahrer und Unbeteiligte bei illegalen Autorennen verletzt oder sogar getötet. (Foto: dpa/Bockwoldt)

30.04.2020

Trotz Verbot: Tote und Verletzte durch Autorennen

In Bayern kommt es wohl wegen des frühlingshaften Wetters vermehrt zu illegalen Autorennen. Obwohl die PS-Wettstreite in Deutschland seit 2017 verboten sind, starben in Bayern in den letzten zwei Jahren wieder drei Menschen, mehr als 60 wurden verletzt

Selbst das Coronavirus kann illegale Autorennen nicht stoppen. Diese Woche haben sich beispielsweise in der Nähe von Kaufbeuren zwei Fahrer mit ihren 507 und 408 PS starken Wagen einen Wettstreit geliefert. Im ganzen Bundesgebiet kam es wohl wegen des frühlingshaften Wetters zu weiteren Rennen. Immer wieder werden dabei unbeteiligte Personen tödlich verletzt. Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat. Markus Rinderspacher (SPD) wollte in einer Anfrage von der Staatsregierung wissen, wie sich die Zahlen seitdem in Bayern entwickelt haben.

Das Innenministerium antwortet, 2018 und 2019 habe es insgesamt 485 private illegale Autorennen gegeben, bei denen sich Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit „grob rechtswidrig und rücksichtslos“ durch den Verkehr bewegten. Die Treffen würden sich in der Regel spontan ergeben, beispielsweise an einer Ampel oder über Messenger-Dienste. Das erklärt, warum es in den meisten Fällen nicht mehr als zwei Teilnehmer gab. Zusätzlich gebe es organisierte illegale Autorennen, bei denen Bayern als Transitland genutzt werde – allerdings keine in den letzten zwei Jahren. 

Die Teilnehmer privater Autorennen sind laut dem Haus von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fast ausschließlich männlich, in den meisten Fällen unter 30 Jahre alt und Besitzer leistungsstarker Fahrzeuge unterschiedlicher Marken. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Teilnehmern organisierter illegaler Autorennen: Sie sind überwiegend männlich, jüngeren bis mittleren Alters und fahren hochmotorisierte Premiumfahrzeuge – allerdings sind die Teilnehmer in der Regel aus dem europäischen Ausland. Oftmals sind die Rennen mit hohen Start- und Preisgeldern verbunden.

Die Treffen ergeben sich meist spontan

Die Folgen dieser illegalen Rennen sind drastisch: Allein in den letzten zwei Jahren wurden bei den 32 PS-Wettkämpfen in Bayern 63 Personen verletzt und drei Menschen getötet. Laut Innenministerium wurde bei 747 Personen die Identität überprüft, 13 Personen sind vorläufig festgenommen worden. Wie viele Ermittlungsverfahren aufgrund dieser Vorfälle eingeleitet wurden, könne mangels Statistik nicht beantwortet werden. Insgesamt wurden 2018 wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen 40 Personen mit der schwersten Strafe verurteilt, drei freigesprochen und in neun Fällen wurde das Verfahren eingestellt. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. 

Um illegale Autorennen künftig stärker zu unterbinden, setzt die Staatsregierung auf eine zentrale Informationssammelstelle beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord. So soll die präsidialübergreifende Steuerung einsatzbezogener Informationen in Bayern gewährleistet werden. Bundesweit fungiert das Innenministerium Nordrhein-Westfalen als Informationssammelstelle. Zudem betrieben die Polizeipräsidien eine offensive Öffentlichkeitsarbeit, um die strafrechtlichen Konsequenzen illegaler Rennen aufzuzeigen. Eine Gesetzesverschärfung lehnt die Staatsregierung aktuell ab. Die 2017 in das Strafgesetzbuch eingefügte Vorschrift biete „eine effektive Grundlage für die Verfolgung und Ahndung von verbotenen Kraftfahrzeugrennen.“ (David Lohmann)

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