Leben in Bayern

Bayerns Wälder sind in einem kritischen Zustand. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

11.11.2020

Bayerns Wälder sollen klimafest werden

Gut ein Drittel des Freistaats ist von Wald bedeckt. Doch vielerorts macht ihm schon jetzt der Klimawandel zu schaffen. Weil Trockenheit und Stürme wohl zunehmen werden, pflanzen die Förster Millionen Setzlinge pro Jahr. Sie werden den Baumbestand dauerhaft verändern

Es ist ein Mammutprojekt: Damit der Wald in Bayern dem Klimawandel trotzen kann, muss er sich ändern. Andere, vor allem unterschiedliche Arten müssen Wurzeln schlagen. Denn Monokulturen können weder Schädlingen noch Stürmen oder Trockenheit viel entgegensetzen. Doch bis Bäume groß und kräftig sind, dauert es teils Jahrzehnte. Und auch die schiere Größe der bayerischen Wälder - in Summe mehr als ein Drittel des Gebiets des Freistaats - verzögert einen raschen Umbau. Die Bayerischen Staatsforsten als größter Waldbesitzer haben bereits rund die Hälfte der anfälligen Flächen vielfältiger bestückt - im Jahr 2032 wollen sie komplett fertig sein.

Dann sollen "Steggerlaswälder", wie etwa die Mittelfranken liebevoll den kiefern- und fichtendominierten Reichswald vor den Toren Nürnbergs nennen, passé sein. Wo jetzt noch ein Stamm wie ein Stecken neben dem anderen steht, sollen Mischwälder entstehen, in denen mindestens vier, fünf verschiedene Baumarten zu Hause sind.

"In Franken wird der Mischwald eine andere Zusammensetzung haben, sowohl von den Bäumen als auch der Verteilung der Bäume, als in Schwaben oder Oberbayern", berichtet Jan-Paul Schmidt von den Staatsforsten. Denn während es südlich der Donau oft viel Regen gibt und im Bergwald kühlere Temperaturen herrschen, leidet Franken schon jetzt häufig unter Trockenheit und Hitze - und beides wird wohl zunehmen. Auch der Boden ist in den Regionen unterschiedlich zusammengesetzt, so dass am einen Ort besser Flachwurzler, am anderen besser Tiefwurzler gedeihen.

Früher prägte vor allem die Buche ganze Landschaften in Deutschland. Doch durch die Übernutzung in den letzten Jahrhunderten entstanden viele kahle Flächen, die mit den schnell gute Erträge liefernden Fichten und Kiefern wieder aufgeforstet wurden.

Dürre und Borkenkäfer

Derartige Reinkulturen haben jedoch gravierende Nachteile. Flachwurzler wie die Fichten sind auf regelmäßige Niederschläge angewiesen und fallen bei schweren Stürmen leichter um, weil ihre Wurzeln nah an der Oberfläche liegen und weniger Halt finden. Fichten sind zugleich besonders anfällig für den Borkenkäfer, der sich in Jahren mit großer Trockenheit oder viel Schneebruch explosionsartig vermehrt und die Bäume absterben lässt.

"Wir wissen nicht, was der Klimawandel mit uns noch macht. Wir sehen, was im Flachland passiert, durch Dürre, Trockenheit und Borkenkäfer", sagt Bergwald-Spezialist Michael Friedel von der Bayerischen Forstverwaltung. "Wir gehen davon aus, dass sich eine Höhenverschiebung in den Vegetationsverhältnissen ergibt. Das kann günstig sein, weil wir vielleicht längere Vegetationsperioden kriegen und auch mehr Wärme im Boden im Bergwald. Aber es gibt auch ungünstige Faktoren, etwa wenn sich der Borkenkäfer in den Fichten ausbreitet oder wenn Häufigkeit und Heftigkeit der Stürme zunehmen."

Es geht deshalb um Risikostreuung. "Wenn ein Baum auf einem Standort ein Problem bekommt, ist es wichtig, dass es noch andere Bäume gibt, die den Wald erhalten und nicht zusammenbrechen", erläutert Schmidt. Um das zu erreichen, wollen die Förster viel häufiger Eichen, Tannen, Buchen und Douglasien in ihren Wäldern sehen - allein die Staatsforsten pflanzen aktuell rund sechs Millionen Setzlinge pro Jahr. Wobei rund zwei Drittel der Wälder durch natürliche Verjüngung klimafest werden sollen.

Auch seltenere einheimische Bäume wie Elsbeere, Linde, Ahorn, Birne, Kirsche und andere Edellaubhölzer werden gepflanzt. Zudem holt man sich Inspirationen aus Gegenden, die schon jetzt klimatische Bedingungen haben, wie sie bei uns in 50 oder 100 Jahren erwartet werden. Gut möglich also, dass bayerische Schulkinder im Biologieunterricht bald auch Atlas-Zeder, Libanon-Zeder oder Baumhasel zu bestimmen lernen.
(Elke Richter, dpa)

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