Leben in Bayern

Geschmückte Bäume statt Osterbrunnen. (Foto: dpa/Hildenbrand)

01.04.2021

Von Störchen und Oarscheim

Ostern in Zeiten von Corona: Nicht alle Bräuche können in diesem Jahr wie gewohnt stattfinden – aber viele

Der Glaube an den Osterhasen ist in Deutschland bereits seit 1682 belegt. Auch beim Bundespatentamt in München ist der eierlegende Hase kein Unbekannter. 1894 wurde ein Spielzeug zum Patent angemeldet – „in der Form eines eierlegenden Hahnes oder eines sonstigen Thieres, welches, wie zum Beispiel der Osterhase, im Volksmunde durch geheimnisvolles Eierlegen bekannt geworden ist“.
Das Osterfest in Bayern ist also mehr als nur die Geschichte rund um die Auferstehung Jesu. Über die Jahrhunderte haben sich viele Bräuche und Rituale erhalten. Allerdings setzt die Krise so manchem in diesem Jahr auch Grenzen.

Storch statt Hase
Auch wenn Kinder wissen, dass Hasen keine Eier legen, sind es dennoch vielerorts die wuscheligen Tiere, die an Ostern die Nester mit bunten Eiern und allerlei Gebäck füllen. Nicht so in einigen Dörfern am Fuße der Rhön in Bayern und Thüringen: Dort bringt seit Jahrhunderten der Storch die Eier – natürlich nicht seine eigenen, sondern die der Hühner. Etwa in Ostheim im Landkreis Rhön-Grabfeld suchen Kinder das vom Storch gefüllte Osternest in Gärten und Scheunen. Und das nicht erst am Ostersonntag, sondern bereits am Gründonnerstag. „In der Regel um Ostern sind die Störche früher aus Afrika zurückgekommen“, begründet der Heimatpfleger des Landeskreises Rhön-Grabfeld, Reinhold Albert, die vor allem in evangelischen Ortschaften verbreitete Tradition.

Ostergelächter
Fasten ist vorbei – es darf gelacht werden. Vor allem im Spätmittelalter versuchte der Pfarrer in seiner Predigt, die Gemeinde mit einer Geschichte zum Lachen zu bringen. Das Osterlachen (lateinisch risus paschalis) ist kein offizielles Element des katholischen Gottesdiensts. Auch heute gibt es aber einige Gemeinden in Bayern, in denen die Geistlichen dieses Brauchtum pflegen.

Oarscheim
Beim Oarscheim, auf hochdeutsch: Eierschieben, geht es für die Ostereier auf die schiefe Bahn. Sie kullern über eine Schräge – die Stiele von zwei parallel verlaufenden Rechen oder eine abschüssige Wiese – und werden dabei als eine Art Boccia-Kugeln eingesetzt. Auf jedes Ei, das in der Wiese liegt, wird ein Geldstück gelegt. Wessen Ei die Münze von einem anderen Ei schubst, der darf das Geld behalten. Gewonnen hat, wer die meisten Münzen hat.

Kräutelsuppe
In traditionsbewussten katholischen Familien wird am Gründonnerstag die grüne Kräutelsuppe – oder Kräutlsuppe – gegessen. Nach altem Rezept kommen neben Kartoffeln oder anderem Gemüse etwa Kerbel, Bärlauch, Brunnenkresse und Schnittlauch, aber auch Sauerampfer, Schafgarbe und sogar Gänseblümchen in den Kochtopf.

Karfreitagsprozessionen
Jährlich strömen am Karfreitag etwa 10 000 Menschen ins unterfränkische Lohr am Main, um die beeindruckende Karfreitagsprozession zu sehen. Die Darstellung geht vom letzten Abendmahl bis zum toten Christus im Grab. Dazu werden 13 lebensgroße Holzfiguren schweigend durch die Gassen der historischen Innenstadt getragen. Etwa 600 Menschen wirken jährlich bei dem Umzug mit, vor allem Handwerker, Vertreter des Stadtrats sowie Kleriker und Ministranten. Am Ende der Prozession wird traditionell auf dem Kirchplatz gebetet. In diesem Jahr soll es dort eine Andacht geben – die Prozession fällt coronabedingt aus. Der 1658 erstmals urkundlich erwähnte Umzug gilt als der älteste im deutschsprachigen Raum. Auch anderswo gibt es normalerweise Karfreitagsprozessionen, etwa im oberfränkischen Neunkirchen am Brand oder in Bamberg.

Osterbrunnen
Der Brauch in der Fränkischen Schweiz ist mehr als 100 Jahre alt. Mit dem Schmücken von Brunnen und Quellen unterstrichen die Menschen die Bedeutung des Wassers, das früher in der Region oft knapp war. Mittlerweile gibt es in ganz Bayern und auch in anderen Bundesländern Osterbrunnen. Doch wegen der Corona-Krise muss der Brauch vielerorts wieder ausfallen. Einige Kommunen wollen in diesem Jahr zumindest Bäume schmücken. Rund um den Marktplatzbrunnen in Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt baumeln beispielsweise mehr als tausend Eier.
(dpa)

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