Leben in Bayern

Hohenburg: Hufeisennasen-Fledermäuse hängen an der Decke in einem Stadel am Fledermaushaus. (Foto: Armin Weigel, dpa)

14.08.2019

Wo die "Hufis" abhängen

Sie sind keine blutrünstigen Monster - im Gegenteil: Die kleinen Bewohner des Fledermaushauses im oberpfälzischen Hohenburg sind scheu und verspielt. Nur im Schutz der Dunkelheit schwärmen sie aus und suchen nach Nahrung

Wer in Hohenburg in einer lauen Sommernacht auf der Terrasse sitzt, kann sie fliegen sehen: die "Hufis", die vom Aussterben bedrohten Großen Hufeisennasen. Die Fledermaus-Art siedelt in einer denkmalgeschützten Scheune in der oberpfälzischen Gemeinde. Es ist ihre letzte Kolonie in Deutschland.

Und die wird gehegt und gepflegt. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreibt das Fledermaushaus und sorgt dafür, dass es den Bewohnern an nichts fehlt. Etwa 200 "Hufis" leben hier. Tagsüber hängen sie kopfüber unterm Dachgebälk, mit der Dämmerung flattern sie durch eine Luke in der Wand hinaus ins Freie.

Etwa 20 Fledermaus-Arten gibt es in Bayern, und alle kämpfen ums Überleben. Um die Menschen für Große Hufeisennase & Co. zu sensibilisieren, gibt es im Fledermaushaus in Hohenburg (Kreis Amberg-Sulzbach) den Sommer über jeden Freitagabend öffentliche Führungen. Mit Anbruch der Dunkelheit können die Besucher die Fledermäuse bei ihrem Ausflug beobachten. Sogenannte Bat-Detektoren machen die ultrahochfrequenten Rufe der Tiere hörbar - benannt sind die Geräte nach dem englischen Wort für Fledermaus.

Einst dachte man, die Großen Hufeisennasen wären ausgestorben

Dass sich die "Hufis" ausgerechnet in Hohenburg wohlfühlen, hat einen triftigen Grund: das angrenzende Gelände der US-Armee. Der Truppenübungsplatz Hohenfels in Schmidmühlen ist quasi die Futterstelle der Fledermäuse, wie Projektleiter Johannes Pirner berichtet. Hier finden die Tiere genau die Insekten, die auf ihrem Speiseplan stehen: Käfer, Spinnen, Schnaken und Schmetterlinge. Der Truppenübungsplatz sei pestizidfrei, hier werde kein Gift gespritzt. Zudem grasten auf den Wiesen Schafe, die Dung hinterließen und somit Nahrung für Dungkäfer, die den "Hufis" wiederum auch gut schmecken.

In einer alten Scheune nahe diesem Fledermaus-Schlaraffenland haben einige Exemplare der Großen Hufeisennasen überlebt. Vor gut 25 Jahren wurden die hierzulande ausgestorben geglaubten Tiere entdeckt. Die Regierung der Oberpfalz pachtete damals das einsturzgefährdete und leerstehende Gebäude. 2008 konnte der Markt Hohenburg den gesamten Gebäudekomplex kaufen.

Im Jahr darauf entstand das Fledermaushaus. Die Scheune wurde saniert und dient den "Hufis" weiterhin als Heimat. Auf dem Truppenübungsplatz ließen zudem 2012 die US-Streitkräfte und der Bundesforstbetrieb Hohenfels mit weiteren Unterstützern eine denkmalgeschützte Kirchenruine für die Fledermäuse wiederaufbauen. Diese und die alte Scheune finden laut Pirner nicht nur die Großen Hufeisennasen wohnlich, bisweilen mischten sich auch einige andere Fledermäuse darunter. Streit zwischen den Arten gebe es aber nicht, sagt der Forstingenieur. Generell seien Fledermäuse eher sozial eingestellt.

Verspielt: Mancher Hufi schaukelt an einem Kabel

Die Mütter kümmerten sich liebevoll und geduldig um ihre Jungen, die sich an ihren Bauch klammern. Wenn die Mutter auf Nahrungssuche geht, setzt sie das Junge ab, das währenddessen in der Scheune zurückbleibt. Wenn es kühl wird, kuscheln sich die Fledermäuse unter dem Dach hängend zusammen. Manchmal könne man eine "Hufi" beobachten, wie sie sich an ein Kabel hängt und schaukelt. Denn verspielt sind die Tierchen auch.

Böse und blutrünstig seien sie jedenfalls nicht, sagt Pirner - auch wenn das die häufigste Frage sei, die Besucher ihm stellten. Oder die Leute hätten Angst, eine Fledermaus könnte sich in ihrem Haar festkrallen. Aber auch das machten die "Hufis" nicht, beruhigt er. Sie seien zwar neugierig, aber doch viel zu scheu.

Die größte Gefahr für Fledermäuse ist laut LBV der Verlust von Lebensraum, etwa durch den Rückgang von Insekten oder durch das Abholzen alter Bäume, die als Unterschlupf dienen können. In Hohenburg haben die Großen Hufeisennasen jedenfalls einen sicheren Rückzugsort.
(Ute Wessels, dpa)

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