Politik

Es könnte so einfach sein: Jeder Haushalt hat eine Gelbe Tonne. Warum bekommt man das eigentlich nicht hin? (Foto: dpa/Caroline Seidel)

17.01.2025

Chaos bei der Gelben Tonne

Fürs Sammeln von Verpackungsmüll gibt es keine einheitlichen Regeln: Warum?

Beim Einsammeln von wiederverwertbarem Verpackungsmüll aus Privathaushalten ist Bayern ein ziemlicher Flickenteppich. Von den 96 entsorgungspflichtigen Landkreisen und kreisfreien Städten setzen 24 überwiegend auf Bring- und 72 auf Holsysteme. Was auf den ersten Blick überschaubar aussieht, fächert sich auf den zweiten wie ein bunter Strauß auf. Denn in den Bringregionen müssen die Bürgerinnen und Bürger ihren Verpackungsmüll entweder in öffentlich aufgestellte Container einwerfen oder zu Wertstoffhöfen fahren. In den Holregionen wird in Gelben Säcken oder Tonnen oder in mehr als nur Verpackungsmüll aufnehmenden Wertstofftonnen gesammelt. Und weil das noch nicht komplex genug ist, bieten manche Landkreise Bring- und Holsysteme parallel an.

Warum so chaotisch? Grundlage für alles ist das Verpackungsgesetz des Bundes. Es regelt, dass Wertstoffe gesammelt werden müssen, aber nicht konkret wie. Die Sammlung wird von den „dualen Systemen“ durchgeführt. Das sind von Lebensmittel- und Verpackungsherstellern gegründete Entsorgungsunternehmen. Bundesweit sind aktuell zehn lizensiert. Bekanntestes ist das Duale System Deutschland, Marktführer ist derzeit die BellandVision GmbH. Mit der Sammlung werden in Absprache mit den zuständigen Landkreisen und Städten kommunale oder private Entsorger beauftragt. Aufgrund der Bundeskompetenz beim Verpackungsgesetz können die Länder für das genaue Wie keine landesweit einheitlichen Regeln vorschreiben.

Verpackungsgesetz komplett überarbeiten

Ginge es nach dem Bayerischen Landkreistag, müsste das Verpackungsgesetz komplett überarbeitet werden. Aber nicht, weil die Sammlung regional unterschiedlich organisiert wird. Wegen der Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen können individuelle Lösungen durchaus sinnvoll sein. Dem Verband geht es um das Ganze. „Wir fordern eine grundlegende Reform des dualen Systems und die Übertragung der Zuständigkeit für sämtliche wertstoffhaltigen Abfälle einschließlich aller Verpackungen auf die Landkreise“, heißt es in einer Stellungnahme. Das jetzige System sei teuer und ineffizient, die Recyclingziele würden nicht erreicht.

Kritisiert wird auch, dass jeder Landkreis die Entsorgungsregeln mit den Unternehmen des dualen Systems aushandeln müsse und da oft am kürzeren Hebel sitze. Am Ende stehe immenser Verwaltungsaufwand, die wirtschaftlichen Ausfallrisiken lägen bei den Kommunen – und das „ohne Mehrwert für Umwelt und Bürgerschaft“.

Nach Auskunft des Landesamts für Umwelt sind Holsysteme bezüglich der Abfallerfassung meist deutlich effektiver. Ein Beispiel: Die Stadt München, die Verpackungen bislang in Depotcontainern in den Stadtvierteln sammelt, erfasst nur 5,7 Kilogramm Leichtverpackungen pro Kopf und Jahr. Im Bundesdurchschnitt sind es 32 Kilogramm. Hauptgrund ist wohl die Bequemlichkeit. Schließlich müssen die Menschen ihren Verpackungsmüll selbst zu den Containern bringen. Bei Holsystemen steht die Tonne oder der Sack dagegen vor der Haustür oder im Keller, der Müll wird vom Entsorger abgeholt.

Wunsiedel schafft’s: Vor jeder Tür steht eine Gelbe Tonne

Für Bringsysteme wiederum spricht die Sortenreinheit der gesammelten Abfälle. In die Gelben Tonnen oder Säcke, die abgeholt werden, wandern nämlich bis zu 30 Prozent Stoffe, die dort nicht hineingehören. Befürworter von Bringsystemen vermuten zudem eine ökologische Lenkungswirkung. Wer Müll zum Wertstoffhof bringen muss, achtet schon beim Einkauf auf weniger Verpackung, glauben sie. Das könnte aber auch eher Wunsch als Wahrheit sein. Denn in Regionen mit Bringsystemen fällt vergleichsweise mehr Restmüll an. Die Menschen kaufen also offenbar nicht weniger Verpackungen, sie entsorgen sie nur anders – und zwar auf die ökologisch schlechteste Art im Restmüll.

Auf kommunaler Ebene ist viel im Fluss. Landkreise wie Regensburg oder Straubing-Bogen planen oder erwägen eine Umstellung von Bring- auf Holsysteme. Der Landkreis Fürstenfeldbruck schwört auf die gebührenfreie Wertstofftonne, weil man den Menschen die Entsorgung so unkompliziert wie möglich machen möchte. Mit den gleichen Argumenten wirbt der Landkreis Main-Spessart für seine Kombination aus Bring- und Holsystem. Der Abfallzweckverband Donau-Wald hat nach eigenen Angaben ein bestens angenommenes Bringsystem mit Wertstoffhöfen etabliert, das hohe Sortenreinheit der Wertstoffe garantiere.

In der Stadt Bamberg sammelt man Verpackungsmüll in Gelben Säcken, weil in der engen historischen Altstadt zusätzliche Tonnen keinen Platz hätten. Im ländlichen Landkreis Wunsiedel stehen dagegen insgesamt vier Tonnen – inklusive Gelber Tonne – vor den Haustüren. Und in Weiden sind Stadt und Bevölkerung mit den über das Stadtgebiet verteilten Wertstoffcontainern hochzufrieden, die eine zeitlich flexible Entsorgung ermöglichen.

Am bayerischen Flickenteppich wird sich wohl so bald nichts ändern.
(Jürgen Umlauft)

 

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