Politik

08.07.2022

Corona-Evaluierung: Bauchgefühl reicht nicht

Ein Kommentar von David Lohmann

Manchmal muss man sich schon sehr wundern. Ein von der Bundesregierung eingesetzter Ausschuss mit Fachleuten verschiedener Disziplinen hat die Corona-Politik der letzten zwei Jahre über Monate evaluiert. Das Zeugnis fällt verheerend aus: Es sei unklar, ob die Maßnahmen, basierend auf Grundrechtseinschränkungen, die Inzidenz überhaupt senken konnten. Dennoch nahmen Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und andere den Bericht zum Anlass, vom Bund wieder den altbekannten Instrumentenkasten für Corona-Maßnahmen zu fordern.

Dabei kamen die Ratsmitglieder in ihrem Gutachten unter anderem zu dem Schluss, dass 2G- und 3G-Zugangsbeschränkungen wegen nachlassender Wirkung der Impfung keinen messbaren Nutzen zeigen. Ob die monatelangen Schulschließungen nutzten, sei unklar. Selbst eine Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken will die Untersuchungskommission nicht abgeben.

Sollten Restriktionen gerechtfertigt sein, hätte das Robert Koch-Institut genug Zeit gehabt, dies mit Studien zu belegen

Natürlich hagelte es sofort Kritik. Der 18-köpfige Untersuchungsausschuss habe zu wenig Zeit gehabt, sei politisch motiviert oder gar tendenziös, hieß es. Dabei wurde mit Christian Drosten in Deutschland lange nur auf einen einzigen Virologen vertraut. Damit setzt sich fort, was der Evaluierungsbericht ebenfalls kritisiert: „Wer alternative Lösungsvorschläge und Denkansätze vorschlug, wurde nicht selten ohne ausreichenden Diskurs ins Abseits gestellt.“

Ein Blick ins Ausland zeigt: Auch die Sommerwelle in Portugal ist inzwischen unter das deutsche Niveau abgeflaut, ohne dass man zusätzliche Maßnahmen ergriffen hat. Sollten Restriktionen doch gerechtfertigt sein, hätte das Robert Koch-Institut genug Zeit gehabt, dies mit Studien zu belegen. Grundrechtseinschränkungen nach Bauchgefühl darf es nach zwei Jahren Corona nicht mehr geben, Eigenverantwortung ist gefragt. Heißt: Wer will, soll sich impfen lassen und Maske tragen.

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