Politik

11.08.2022

Braucht Deutschland ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde?

Die Energiekrise spitzt sich zu. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), fordert auch deshalb ein Tempolimit von 120 km/h. Noch besser wären aus seiner Sicht sogar 100 Stundenkilometer. Sebastian Körber, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, hält dies für nicht zielführend.

JA

Jürgen Resch, Bundesgeschäfts-führer der Deutschen Umwelthilfe (DUH)

Deutschland braucht ein generelles Tempolimit. Mit dieser kostenfreien und sofort umsetzbaren Maßnahme werden nicht nur Leben gerettet, sondern auch das Klima geschützt. 120 km/h wären ein Schritt in die richtige Richtung. Wir halten es aber für notwendig, die Geschwindigkeit auf 100 km/h auf Autobahnen und außerorts auf 80 km/h zu begrenzen. Damit lassen sich sofort jährlich bis zu 3,7 Milliarden Liter Benzin und Diesel und 9,2 Millionen Tonnen CO² einsparen. Als einziger Staat in Europa kann in Deutschland auf 70 Prozent der Autobahnen ohne jede Tempobeschränkung gerast werden.

Dieser deutsche Sonderweg ist mit Blick auf die Klimabilanz des Verkehrssektors nicht nachvollziehbar. Der Verkehr ist für knapp ein Fünftel der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich und der einzige Sektor, in dem der Ausstoß von Klimagasen im Vergleich zu 1990 nicht gesunken ist. Ohne eine drastische Absenkung der CO²-Emissionen im Verkehrssektor wird die Einhaltung der Klimaschutzziele nicht gelingen. Ein Tempolimit erhöht die Sicherheit auf unseren Straßen und rettet Leben: Mehr als 400 Menschen sterben jedes Jahr auf deutschen Autobahnen, viele davon durch ein zu hohes Tempo.

Ein Tempolimit reduziert die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Autos und verbessert damit den Verkehrsfluss. Dadurch entstehen weniger Unfälle und weniger Staus und die Autobahnen können mehr Verkehr bewältigen. Davon profitieren auch Autofahrer. Zudem führt ein Tempolimit langfristig zu einer Veränderung der Bauart neuer Fahrzeugmodelle: Weg von großen, stark motorisierten PS-Boliden hin zu effizienteren Autos. Das Klima-Sofortprogramm der Bundesregierung enthält keinerlei wirksame Sofortmaßnahmen. Der Verbrauch an Öl wurde bisher nicht reduziert und unsere Ölimporte bleiben hoch – ob aus Russland oder anderen autoritären Staaten. Die zuletzt heißen Temperaturen zeigen, dass die Klimakrise keine Pause macht. Wann, wenn nicht jetzt, sollte die Bundesregierung ein Tempolimit beschließen? 

 

NEIN

Sebastian Körber, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag

Der reflexartige Ruf nach einem Tempolimit ist aktuell nachvollziehbar. Schließlich gilt es, fossile Energien nachhaltig zu reduzieren. Allerdings ist die Diskussion eine reine Scheindebatte. Wer auf sein Auto angewiesen ist, versucht aufgrund der aktuellen Preise an den Tankstellen bereits von selbst, seinen Spritverbrauch zu reduzieren. Hier braucht es keinen staatlichen Eingriff. Die Debatte über ein pauschales Tempolimit auf deutschen Autobahnen wird seit vielen Jahren emotional geführt. Dabei sinkt die Zahl der Verkehrstoten seit Beginn der Erfassung. Vom klassischen Gurt bis hin zu modernen Fahrassistenzsystemen: Innovative Lösungen sind einfallslosen Verboten doch eindeutig vorzuziehen.

Laut einer Studie des IW Köln fahren rund 89 Prozent der Autofahrer auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung bereits langsamer als 140 km/h. Zusätzlich sind mittlerweile 42,8 Prozent aller Autobahnstrecken in Deutschland geschwindigkeitsbeschränkt. Unstrittig ist ebenfalls, dass Autobahnen die sichersten Straßen in Deutschland sind. Nur 12 Prozent aller Verkehrstoten sind dort zu beklagen, während auf Landstraßen rund 60 Prozent entfallen. Auch im internationalen Vergleich besteht laut ADAC kein Zusammenhang zwischen einem generellen Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen.

Das Argument der CO2-Reduktion überzeugt ebenfalls nicht. Nach Berechnungen des Umweltbundesamts lassen sich damit 1,9 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Der Verkehrssektor ist jedoch für 148 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Ein weitaus wirksamerer Hebel wäre, einen technologieoffenen Antriebswechsel zu forcieren. Dieser würde die Potenziale alternativer Kraftstoffe und Wasserstoff berücksichtigen. Es gilt: Innovationen statt Verbote. Die Fakten sprechen gegen ein starres Tempolimit. Ich plädiere für eine dynamische Verkehrslenkung, die sich nach Gefahren oder Verkehrsaufkommen richtet. So lassen sich Limits flexibel, digital steuern und sorgen so für einen besseren Verkehrsfluss.“ 

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