Politik

In vielen Amtsstuben interessiert man sich nicht für Blockchain – die Staatsregierung hat nun den Grundstein für eine Blockchain-Initiative gelegt. (Getty Images/Matejmo)

08.02.2019

Der Schlüssel zum Datenglück?

Umfrage: Behörden verschlafen Blockchain-Revolution – was Bayern tut

Die vom Bundestag Ende 2018 nach Berlin geladenen Experten waren sich weitgehend einig: Die so genannte Blockchain passe gut zur deutschen Wirtschaft und fördere die Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen, sagte Gilbert Fridgen, Professor am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informatik FIT in Bayreuth, den anwesenden Politikern. Walter Blocher von der Uni Kassel sprach sogar von einer „bahnbrechenden Technologie“.

Blockchain ist eine recht neue Technologie. Der Begriff beschreibt eine verkettete Folge von Datenblöcken, die kontinuierlich fortgeschrieben werden. Die Daten werden nicht nur auf einem, sondern auf vielen Rechnern gespeichert. Das bislang bekannteste Einsatzgebiet der Technologie findet sich im Zahlungsverkehr. So wird bei Kryptowährungen wie Bitcoin digitales Geld in einem dezentralisierten Zahlungssystem wie eine Art Konto aufgebaut. „Doch natürlich sind die Nutzungsmöglichkeiten in der Wirtschaft oder Verwaltung viel weitgehender“, sagte Fridgen der Staatszeitung. Auch die Bundesregierung scheint dies erkannt zu haben und bekennt sich im Koalitionsvertrag zu deren Förderung. Man wolle „innovative Technologien wie Distributed Ledger (Blockchain) erproben, so dass basierend auf diesen Erfahrungen ein Rechtsrahmen geschaffen werden kann“, steht in der Regierungsvereinbarung.

Doch deutsche Behörden scheinen die Blockchain-Revolution zu verschlafen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Bearing Point hervor, die der Staatszeitung vorliegt. In der Umfrage unter 21 Experten aus IT- und Fachbereichen in Bundes- und Landesministerien sowie mehrerer großer Behörden sagten fast zwei Drittel der Teilnehmer, Blockchain sei für sie ein „unbekanntes“ oder „völlig unbekanntes Thema“. Nur fünf Prozent gaben an, sie verfügten über „Expertenwissen“. 43 Prozent sagten, sie beschäftigten sich mit dem Thema „eher passiv“, weitere 29 Prozent „gar nicht“.

Viele wissen gar nicht, was Blockchain ist

Natürlich dürften auch viele Menschen außerhalb der Amtsstuben kaum einen Schimmer von Blockchain haben. „Doch wenn die staatlichen Akteure bei dem Thema Vorreiter wären und die Technologie pu-shen würden, könnte dies Vorbild für die Wirtschaft sein“, sagt Blockchain-Experte Fridgen.

Durch Blockchain könnten, so die Hoffnung der Befürworter, in Zukunft etwa Maschinen weit besser vernetzt sein als bislang. Mögliche Einsatzgebiete könnten neben der Industrie auch der Mobilitätsbereich oder eine sichere Authentifizierung im Netz sein, erklärt Robert Bosch, Blockchain-Experte bei Bearing Point: „Die revolutionäre Technologie könnte beim autonomen Fahren unterstützend wirken.“

Bayern plant eine Blockchain-Initiative

Durch die dezentrale und unzählige Male kopierte Speicherung der Daten gilt Blockchain trotz der Skandale um den Bitcoin als besonders sicher gegen Fälschungen oder Hackerangriffe aller Art. „Die Behörden wären so in der Lage, unverfälschbare Dokumente zu erzeugen – vergleichbar mit einer unveränderbaren und nicht kopierbaren PDF“, so Bosch. Datentransfers würden „sicherer und günstiger“. Fridgen betont die Möglichkeit, dass die Behörden Daten austauschen könnten, ohne diese zentral zu speichern. „Letzteres wäre ja unsicher und verstößt gegen unser Föderalismusprinzip.“

Explizite Zahlen für Bayern hat die Studie nicht erhoben. Auf Bundesebene sei die Situation jedoch besser als auf Länderebene, so das Ergebnis. „In Bayern passiert in diesem Bereich allerdings schon einiges. Aber natürlich ist da noch viel Luft nach oben“, so Fridgen. Benjamin Adjei, Digitalisierungsexperte der Landtagsgrünen, ist überzeugt: „Im gesamten Bereich der Digitalisierung muss Bayern noch kräftig aufholen.“

Bayerns Ministerin für Digitales, Judith Gerlach (CSU), betont: „Die Erwartungen an Blockchain sind sehr hoch.“ Gerlach nimmt für sich in Anspruch, „den Grundstein für eine eigene bayerische Blockchain-Initiative gelegt“ zu haben.

Diese Woche trafen sich Vertreter aller Ministerien, um über die Initiative zu sprechen. „Ein möglicher Anwendungsfall ist der einfache Zugang zu Behördenleistungen“, so Gerlach. Gemeinsam mit anderen Ressorts will sie ausloten, inwieweit Bayern Blockchain in der Verwaltung einsetzen könnte. „Ich könnte mir zum Beispiel die Schaffung von digitalen Bürgerkonten vorstellen, mit denen man die klassischen Behördengänge künftig online erledigt.“ Dies schaffe Transparenz, beschleunige und vereinfache Verwaltungshandlungen und ermögliche einen automatisierten Datenaustausch zwischen verschiedenen Behörden. (Tobias Lill)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Sind Enteignungen geeignet, den Wohnungsmangel zu lindern?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2019

Nächster Erscheinungstermin:
29.November 2019

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 30.11.2018 (PDF, 37 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.