Politik

17.10.2014

Gesucht: eine bayerische Malala

Ein Kommentar von David Lohmann

„Ich möchte, dass jedes Kind in die Schule geht“, erklärte die 17-jährige Kinderrechtlerin Malala Yousafzai bei der Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis. Doch obwohl das Menschenrecht auf Bildung auch den Flüchtlingskindern in Deutschland zusteht, können viele von ihnen im Freistaat von einem Schulbesuch erstmal nur träumen. Durch die chaotischen Zustände in den bayerischen Erstaufnahmeeinrichtungen ist nämlich nicht sicher, ob überhaupt alle Kinder registriert werden. Lediglich ein Drittel der schulpflichtigen Jugendlichen kommt anschließend in so genannte Übergangsklassen. Da diese inzwischen überfüllt sind, muss ein Teil der Jugendlichen auf Regelschulen verteilt werden, wo die Lehrer aufgrund der traumatischen Erfahrungen dieser Schüler an ihre Grenzen stoßen. Dabei bräuchten gerade die Flüchtlingskinder zur Aufarbeitung ihrer Erlebnisse Unterstützung durch qualifiziertes Fachpersonal.

Bildung für junge Flüchtlinge: Die Staatsregierung hat das Thema jahrelang vernachlässigt


Doch obwohl die Anzahl der Asylanträge 1992 im Vergleich zu diesem Jahr schon einmal mehr als doppelt so hoch war und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband bereits seit zwei Jahren eine erhöhte sozialpädagogische Betreuung in den Übergangsklassen anmahnt, hat die Staatsregierung den Komplex „Bildung für junge Flüchtlinge“ sträflich vernachlässigt. Abgefedert wird die Situation lediglich durch Honorarlehrer, die Wohlfahrtspflege oder das ehrenamtliche Engagement der Bürger. Selbst wenn minderjährige Flüchtlinge bereits einen Schulabschluss erworben haben, wird dieser häufig nicht als gleichwertig anerkannt.
Investitionen in Bildung lohnen sich übrigens auch aus wirtschaftlicher Sicht: So könnte einerseits der Fachkräftemangel abgemildert werden und die Flüchtlinge – schließlich haben sie ihre Heimat nicht freiwillig verlassen – könnten bei einer Rückkehr in ihr Herkunftsland durch ihre Ausbildung die Situation vor Ort nachhaltig verbessern. Wenn die Staatskanzlei jetzt Krisengipfel oder Krisenstäbe einrichtet, steht das Bildungsthema zunächst nicht im Vordergrund. Sobald in den Unterkünften wieder menschenwürdige Bedingungen herrschen, muss sich das ändern. Doch den bildungshungrigen Flüchtlingen fehlt derzeit schlicht die Lobby. Es bräuchte dann auch im Freistaat einen Kämpfer für das Recht auf Bildung – eine bayerische Malala.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 25 (2018)

Umfrage Bild
  • Ich habe die Hinweise zum Datenschutz und die AGB's zur Kenntnis genommen.
Abstimmen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
 
Unsere Umfragen sollen Trends aufzeigen und haben keinen repräsentativen Charakter. Eine unsachgemäße Beeinflussung bei Onlineumfragen ist nicht auszuschließen.

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 22. Juni 2018 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Natascha Kohnen,
SPD-Landesvorsitzende

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2017

Ausgabe vom
24. November 2017

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 18 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.