Politik

Per Mausklick zum Job – für Geflüchtete ist’s leider nicht so einfach. Kreative Lösungen sind gefragt. (Foto: dpa/Photothek)

01.04.2022

Jobbörse für Geflüchtete

Wie Menschen aus der Ukraine bei uns Arbeit finden können

Dass Phuc Huynhs Smartphone in diesen Tagen besonders häufig klingelt, hängt nicht nur mit seinem IT-Unternehmen zusammen. Sondern vor allem mit einer Initiative, die der Regensburger kürzlich gestartet hat: die Online-Jobbörse www.unternehmer-patenschaften.de, die Geflüchtete aus der Ukraine in Lohn und Brot bringen will. Hier können sich Betriebe kostenlos registrieren und Stellen anbieten. „Damit wollen wir den Menschen aus der Ukraine helfen, schnell und unbürokratisch Jobs in Regensburg beziehungsweise Bayern zu finden“, sagt Huynh.

Wie wichtig solche Perspektiven für Geflüchtete sind, weiß er aus eigener Erfahrung. Als er klein war, floh seine Familie 1980 aus Vietnam und landete in Deutschland. „Meinen Eltern war es immer wichtig, der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen“, erinnert er sich. Von Anfang an hätten sie sich deshalb um Arbeit bemüht. Genau dieses Bestreben sieht er auch bei den Geflüchteten, denen er in den vergangenen Wochen begegnete. Darunter eine ausgebildete Kinderpsychologin. Er telefonierte herum, um ihr eine Stelle zu verschaffen, erzählt Huynh: „Da ist mir aufgefallen, dass es keine zentrale Plattform mit Jobangeboten für Geflüchtete gibt.“ So machte er sich an die Arbeit. Mit Erfolg: Rund 50 Unternehmen aus der Region unterstützen seine Initiative inzwischen. Auf Deutsch und Ukrainisch werden dort weit über 100 Stellen für Geflüchtete ausgeschrieben – für Spül- und Putzkräfte ebenso wie für medizinische Fachangestellte, Softwarefachleute, Physiotherapeut*innen, Gastropersonal und andere.

Kein Wunder, schließlich suchen viele Firmen im Freistaat händeringend nach neuen Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund sehe man für die Neuankömmlinge aus der Ukraine große Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sagt Florian Reil, Pressereferent bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. Auch deshalb, weil die berufliche Bildung in der Ukraine einen hohen Standard vorweisen könne. Gerade in Sparten wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – den sogenannten MINT-Fächern – seien viele fit, sagt Reil. Die Sprachbarriere sei kein allzu großes Problem, denn: „Englisch ist in der Ukraine recht gängig.“ Und was ist damit, dass unter den Geflüchteten hauptsächlich Frauen mit Kindern sind, sodass sich die Frage der Kinderbetreuung stellen dürfte? Auch das sei lösbar, meint der IHK-Experte. Schließlich hätten viele Unternehmen inzwischen eigene Kindertagesstätten oder kooperierten mit Einrichtungen.

Bleibt noch das Problem mit der Bürokratie. Zwar verweist das bayerische Innenministerium darauf, dass man durch die Aktivierung der Richtlinie über den vorübergehenden Schutz von Kriegsflüchtlingen „auf juristischer Ebene alle Weichen für eine rasche Arbeitsaufnahme“ gestellt habe. Die mehr als 90.000 Geflüchteten aus der Ukraine, die inzwischen im Freistaat registriert wurden, hätten „unbürokratisch und leicht“ Zugang zum Arbeitsmarkt.

Verwirrende Vorschriften

Ganz so einfach ist es in der Praxis allerdings nicht. Denn für die Erteilung der Aufenthaltstitel und der damit verbundenen Arbeitserlaubnis sind die Städte und Landkreise zuständig. Und diese gehen durchaus unterschiedlich vor. Während sich ukrainische Kriegsflüchtlinge etwa in Würzburg und Ingolstadt lediglich bei den Ausländerämtern registrieren müssen, verlangt das Kreisverwaltungsreferat München, dass Betroffene auch ihren Wohnsitz in der Landeshauptstadt anmelden. Die Ausländerbehörde müsse „den gewöhnlichen Aufenthalt dann nicht mehr gesondert prüfen“, erklärt eine Behördensprecherin. Vonseiten des Ministeriums heißt es hingegen, dass ukrainische Kriegsflüchtlinge keinen festen Wohnsitz nachweisen müssten, um einen Aufenthaltstitel zu erhalten: „Üblicherweise“ werde ihnen bereits bei der ersten Vorsprache in der Ausländerbehörde „die Ausübung einer Erwerbstätigkeit erlaubt“, so eine Ministeriumssprecherin. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen sieht man bei der IHK kritisch: „Es wäre im Sinne der Wirtschaft, wenn es hier einheitliche Regelungen geben würde“, sagt Florian Reil.

In Regensburg, wo Phuc Huynh seine Jobbörse gestartet hat, versuche man die Vergabe von Aufenthaltstiteln und Arbeitserlaubnispapieren möglichst unkompliziert zu gestalten, sagt Bürgermeisterin Astrid Freudenstein. Als Beispiel nennt sie den Fall einer 23-jährigen Lehrerin aus der Ukraine. Dank der Unterstützung der Stadt und etlicher Helfender habe die junge Frau schon drei Wochen nach ihrer Ankunft alle Unterlagen in Händen gehalten, „damit sie arbeiten kann“. Bei dieser Unterstützung seien aber auch potenzielle Arbeitgeber gefordert, betont Freudenstein.

Genau das strebt Phuc Huynh mit seiner Jobbörse an. Erste Erfolge kann er bereits vorweisen. Kürzlich, sagt er, habe ihn ein Gastronom angerufen, der dringend neues Personal sucht und deshalb ein Stellenangebot auf Huynhs Plattform geschaltet hat. Daraufhin habe sich tatsächlich eine Ukrainerin gemeldet. „Die freuen sich total“, sagt Huynh. Es dürfte nicht seine letzte Vermittlung gewesen sein.
(Brigitte Degelmann)

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