Politik

Maske ab im Unterricht – theoretisch ist das erlaubt, praktisch ist es nicht so einfach. (Foto: dpa/Frank May)

22.04.2022

Maskenlust und -frust

An den Schulen und andernorts dominiert die Corona-Angst

Seit 3. April ist die Maskenpflicht fast überall aufgehoben. Doch allerorten wird mit subtilem Druck versucht, Menschen zum Tragen der Maske zu bewegen. Vor allem an den Schulen wird das zum Problem.

Die zwölfjährige Emma kann nicht mehr. Eigentlich hatte sie sich so gefreut, endlich wieder frei durchzuatmen im Unterricht. Und den lästigen Mund-Nasen-Schutz daheimgelassen. Doch wenn sie keine Maske trägt, wird sie von den anderen Kindern aus ihrer Klasse an einer fränkischen Schule gemobbt. Ihren echten Namen möchte sie deshalb lieber nicht in der Zeitung lesen. Selbst der Schuldirektor drückte ihr sofort einen Mundschutz in die Hand, als er sie ohne auf dem Gang sah. Jetzt setzt sie die Maske eben wieder auf. Dabei ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung an bayerischen Schulen laut Kultusministerium ausdrücklich nur noch eine Empfehlung. Eigentlich.

Doch so wie Emma geht es vielen Schulkindern. „Schulleitungen und Lehrkräfte scheinen die Empfehlung des Kultusministeriums als Aufforderung zu verstehen, Schülerinnen und Schüler moralisch unter Druck zu setzen“, beklagt Julia Ringler von der Initiative Familien – ein bundesweiter Verein, der sich um die Bedürfnisse von Familien kümmert. Es seien E-Mails verschickt worden, in denen die Eltern aufgefordert wurden, auf ihre Kinder „einzuwirken“.

Der Druck wirkt. Fast alle Eltern, so eine Grundschulrektorin aus Oberbayern, verpflichten ihren Nachwuchs weiterhin zur Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht. Das gehe so weit, dass die Kleinen die Lehrerin ermahnten, die Maske zu benutzen. Die Lehrkraft betont, die Maskenpflicht habe unter anderem zu Grammatikproblemen bei den Kindern geführt: Weil sie die Lippenbewegung nicht sehen, könnten die Kleinen beispielsweise oft nicht zwischen Dativ und Akkusativ unterscheiden und formulierten deshalb falsch „an Abend“ – statt richtig „am Abend“.

Ringler von der Initiative Familien fordert: „Das Ministerium muss dringend klarstellen, dass es legitim ist, der Empfehlung nicht zu folgen.“ Für das Kultusministerium indes handelt es sich bei den beschriebenen Beispielen um Einzelfälle. „Uns erreichen in diesem Zusammenhang nur sehr vereinzelte Anfragen“, sagt ein Sprecher von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) der Staatszeitung. Gleichzeitig betont er: „Das Tragen von Masken kann empfohlen werden, es muss aber deutlich zum Ausdruck kommen, dass es sich lediglich um eine Empfehlung handelt und die betreffenden Personen nicht zum Tragen von Masken verpflichtet sind.“

FDP beklagt „Maskenpflicht durch die Hintertür“

Allerdings berichtet auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) von vielen Problemen mit den Masken. „Die einen Eltern setzen die anderen Eltern unter Druck, die einen Kinder die anderen Kinder“, verdeutlicht BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Der Konflikt betreffe auch die Lehrkräfte: „Die einen Eltern wollen, dass die Lehrer die Maske abnehmen, und die anderen, dass sie die Maske auflassen.“ Weil es so viele Widerstände gibt, muss ihr Verband bereits Lehrkräfte juristisch beraten. Der FDP-Abgeordnete Matthias Fischbach fordert daher, die Lage nach den Osterferien neu zu bewerten. Klar seien die Schulen wegen zahlreicher Personalausfälle und wegen der Herausforderung, ukrainische Kinder zu integrieren, im Stress. „Das rechtfertigt aber keine dauerhafte Maskenpflicht durch die Hintertür und Sozialdruck.“

Ein Druck, der omnipräsent ist. So ist die Maskenpflicht in Bahnhöfen zwar aufgehoben, dennoch bittet etwa der Münchner Hauptbahnhof das Tragen der Maske „zu berücksichtigen“. Eine Aufforderung, die durchaus interpretationswürdig ist. Auf Displays in Münchner Trambahnen wird auf die – längst abgeschaffte – 3G-Regel verwiesen. Auf BSZ-Nachfrage erklärte ein MVG-Sprecher dies mit „technischen Problemen“ bei der Umstellung. Und am Eingang der Münchner Staatsoper prangte zuletzt sogar noch der 2G-Hinweis.

Diese Woche haben Virologen übrigens erklärt, dass Corona-Maßnahmen wie Masken „drastisch überschätzt“ würden. Studien hätten ergeben, dass mehr als zwei von drei Infektionen im Privaten geschähen, so Virologe Hendrik Streeck. Dort benutzten aber die wenigsten die Maske. (D. Lohmann, W. Taschner)

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