Politik

Der BR-Rundfunkrat fand sich zuletzt ungewollt und ungewohnt im hellen Rampenlicht. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

11.05.2022

Neue Zeiten bei Bayerns Rundfunk-Kontrolleuren

Als Aufsichtsgremium des Bayerischen Rundfunks agiert der Rundfunkrat überwiegend hinter den Kulissen. Doch zuletzt war er wegen seines Chefs und dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche selbst im Rampenlicht. Zur neuen Amtszeit soll sich einiges ändern

Die zwei höchsten Kontrollgremien des öffentlich-rechtlichen und des privaten Rundfunks in Bayern kommen am Donnerstag erstmals in jeweils neuer Besetzung zusammen. Für die beiden 50-köpfigen Aufsichtsorgane hat eine neue fünfjährige Amtszeit begonnen. Bei den Kontrolleuren des Bayerischen Rundfunks (BR) steht nach jüngsten heftigen Turbulenzen ein Wechsel an der Spitze an.

Den öffentlich-rechtlichen BR beaufsichtigt der Rundfunkrat. In dem Gremium sitzen Vertreter gesellschaftlicher Gruppen, Organisationen und Parteien. Sie wählen auch die Senderspitze, derzeit Intendantin Katja Wildermuth.

Für die Wettbewerber des BR, die vielen privaten Radio- und TV-Sender im Freistaat, ist die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) zuständig. Die BLM wiederum wird vom Medienrat kontrolliert - in einer ganz ähnlichen Struktur wie beim Rundfunkrat und mit nun ebenfalls neuer Amtszeit. BLM-Chef ist Jurist Thorsten Schmiege.

Der BR-Rundfunkrat fand sich zuletzt ungewollt und ungewohnt im hellen Rampenlicht. Sein langjähriger Vorsitzender und katholischer Kirchenvertreter Prälat Lorenz Wolf hatte die Leitung zum Ende der Amtszeit ruhen lassen, weil er als früherer hoher Kirchenjurist in der Kritik des Gutachtens zu Missbrauch im Erzbistum München-Freising steht. Ihm wird Fehlverhalten im Umgang mit Tätern und Opfern vorgeworfen. Er hatte allerdings ohnehin seinen Rückzug angekündigt.

Religionspädagoge Ruppert aussichtsreichster Kandidat für den Chefposten

Geschäftsführend übernahm damals Stellvertreter Godehard Ruppert den Vorsitz. Der 68-Jährige vertritt Bayerns Hochschulen in dem Gremium. Zur neuen Amtszeit des Rundfunkrats ab diesem Monat muss nun - wie stets - auch die komplette Führung neu gewählt werden. Insgesamt sind im Rundfunkrat elf Mitglieder ausgeschieden und dafür Nachfolger von den Verbänden und gesellschaftlichen Gruppen entsandt worden.

Für den Chefposten gilt der langjährige Bamberger Uni-Präsident Ruppert bei Rundfunkräten als aussichtsreichster Kandidat. Er selbst sagt öffentlich nur: "Meinerseits strebe ich den Vorsitz nicht an."

Ruppert ist Religionspädagoge. Soll wieder ein Theologe an die Spitze, fragen manche Rundfunkräte. Andere betonen, er sei weder von der Kirche entsandt noch dort beschäftigt. Vertraulich gesprochen wurde demnach auch über mindestens zwei weitere mögliche Kandidaten - offiziell gibt es zu alledem bisher nichts.

Ex-Focus-Chef Markwort leitet die konsituierende Sitzung

Bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag leitet ausgerechnet der FDP-Landtagsabgeordnete und Medienmanager Helmut Markwort (85) als ältester Rundfunkrat die Wahl. Der frühere "Focus"-Herausgeber ist einer der heftigsten Kritiker Wolfs und des Einflusses der Kirchen im Gremium.

Auch wenn das Rampenlicht für den Rundfunkrat vielen Mitgliedern zuletzt zu gleißend war, stehen die Zeichen im Gremium auf mehr Transparenz. Auf dem Tisch für die neue Amtszeit liegen Vorschläge für mehr Sichtbarkeit etwa auch in der Debatte über den Wert des ARD-Senders und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks insgesamt.

Während der Corona-Pandemie hat der Rundfunkrat begonnen, zumindest Teile der Sitzungen live im Netz zu zeigen. Die Wahlsitzung wird komplett gestreamt - sofern es keine internen Überraschungen gibt.

Die Privatsender dagegen sind mit den Sitzungen ihres BLM-Medienrats schon länger komplett im Netz. Ihr Aufsichtsgremium wählt ebenfalls am Donnerstag wie zum Start der Amtszeit üblich die Spitze. Hier wäre aber Kontinuität durchaus drin: Der bisherige Vorsitzende Walter Keilbart, Vertreter der Industrie- und Handelskammern, gehört auch dem neuen Medienrat an. Ebenso die meisten der 50 Mitglieder: Sieben ziehen neu ein, die Mehrheit ist von den Organisationen und Verbänden wieder entsandt.
(Roland Freund, dpa)

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