Politik

11.02.2021

Soll der Haustierhandel im Internet verboten werden?

Tierschützer*innen sind sich uneins über ein Verbot des Internethandels mit Haustieren. Während der Deutsche Tierschutzbund ein solches Verbot fordert, wehrt sich die Münchner Auslandstierhilfe Fortuna dagegen


JA

Ilona Wojahn, Präsidentin des Deutschen Tierschutzbunds Bayern e. V.

Der Handel mit lebenden Tieren sollte auf jeglichen Verkaufsplattformen im Internet verboten werden. Das gilt für niedliche Welpen ebenso wie für Exoten, vor allem geschützte Arten.

Es ist im Internet nicht nur sehr einfach, Tiere spontan und leichtfertig ohne jede Beratung oder Sachkenntnis zu kaufen. In den Tiefen der digitalen Welt ist es auch kaum möglich, unseriöse von seriösen Angeboten zu unterscheiden. Die Gefahr, skrupellosen Händlern und Vermehrern in die Fänge zu geraten, ist groß, denn auch diese haben dazugelernt. So reichen die Preise für illegal eingeführte Welpen durchaus schon an Züchterpreise heran. Seriös wirkende Beschreibungen werden mit süßen Bildern gesund aussehender Welpen und des vermeintlichen Muttertiers präsentiert. Nicht selten folgt das traurige Erwachen nicht lange nach dem Kauf, wenn sich herausstellt, dass man ein schwer krankes Tier mit gefälschten Papieren erworben hat. Die anonymen Verkäufer sind dann für Rückfragen nicht mehr erreichbar und für die Verfolgung von Gesetzesverstößen nicht greifbar. Vorsicht, wenn aus fadenscheinigen Gründen Tiere an einem neutralen Ort übergeben werden sollen!

Der Online-Handel ist maßgeblich für so entstehendes Tierleid mitverantwortlich und die Politik ist dringend gefragt, endlich zu reagieren und gesetzliche Regulierungen zu schaffen. Identitätsnachweise der Verkäufer, Überprüfung der Inserate vor der Freischaltung und das Verbot des Verkaufs von Qualzuchten und Wildtieren wären ein guter Anfang. Aber auch jeder Käufer, der diese Kanäle nutzt, macht sich mitschuldig an Tierleid.

Andererseits bietet das Internet gute Möglichkeiten zur Vorstellung von Tieren aus Tierheimen. Deren Präsentation auf seriösen, transparenten Websites hat mit den oben genannten Verkaufsanzeigen nichts gemein. Gründliche Beratung, Vermittlung im Tierheim, seriöse Tierübernahmeverträge und Nachkontrollen sind Voraussetzungen für das Wohlergehen der Tiere. Dies gilt auch für seriöse, autorisierte Züchter.


NEIN

Friederike Rajmann, Vorsitzende der Münchner Auslandstierhilfe Fortuna e. V.

Wir sind ein kleiner Tierschutzverein und vermitteln vorwiegend Katzen und Hunde, die zum überwiegenden Teil aus dem Ausland stammen. Alle Tiere werden auf unserer Webseite vorgestellt, die stets aktuell gehalten wird. Allerdings ist die Reichweite der Webseite bei Weitem nicht so groß wie die von Kleinanzeigen-Plattformen, weshalb wir diese Portale standardmäßig nutzen, um geeignete Adoptanten für unsere Tiere zu finden.

Leider ist „Internethandel mit Tieren“ pauschal in Verruf, ungeachtet der Tatsache, dass nicht der Internethandel per se tierfeindlich ist, sondern die Art und Weise ausschlaggebend ist, wie man ihn nutzt. Wir begrüßen es sehr, dass inzwischen mehr Wert gelegt wird auf Differenzierung zwischen illegalem Welpenhandel, Vermehrern, Hobbyzüchtern einerseits und dem seriösen Tierschutz andererseits. Besonders hervorzuheben ist hier die Firma eBay Kleinanzeigen, die sich erfolgreich dafür einsetzt, skrupellosen Vermehrern und auch Qualzuchtrassen keine Plattform zu bieten, seriösen Tierschutzvereinen aber Vergünstigungen einräumt.

In unseren Inseraten wird zunächst das Tier kurz und knackig, aber informativ beschrieben, ebenso der Platz, den wir uns wünschen. Darüber hinaus stellen wir uns als Verein dar und stellen bereits im Inserat die Vermittlungsbedingungen vor: Abgabevertrag, Schutzgebühr und Platzkontrolle. Alle unsere Tiere sind geimpft, gechipt und kastriert, für noch nicht geschlechtsreife Tiere wird vertraglich eine Kastration festgehalten und dies auch im Inserat betont. Somit erreichen wir eine Wahrnehmung als seriöser Anbieter und eine hohe Trefferquote an verantwortungsbewussten Interessenten.

Gäbe es diese Möglichkeit nicht, könnten wir nur einen kleinen Bruchteil unserer Tiere vermitteln und ein Verbot würde bedeuten, dass erheblich weniger unerwünschte Tiere in gute Familien vermittelt werden könnten. Das würde faktisch sehr viel mehr Tierleid bedeuten.

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