Politik

26.08.2021

Soll eine Testpflicht auch für geimpfte Reiserückkehrer aus dem Ausland gelten?

Geimpfte und Genesene müssen derzeit keinen negativen Corona-Test vorweisen, wenn sie aus dem Ausland nach Deutschland einreisen - es sei denn sie kommen aus einem Virusvarianten-Gebiet. Weltärztebundchef Frank Ulrich Montgomery fordert eine Testpflicht auch für geimpfte Reiserückkehrer. Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann ist strikt dagegen

JA

Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebunds

Heftig diskutiert wird derzeit eine Testpflicht für geimpfte und genesene Reiserückkehrer aus dem Ausland. Auf den ersten Blick erscheint es sinnwidrig, Geimpfte und Genesene zu testen. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache. Geimpfte sind (leider) nicht „Gerettete“. Vielmehr gibt es Impfdurchbrüche – das heißt auch Geimpfte können noch insbesondere an den hochinfektiösen Varianten des Coronavirus (zum Beispiel der Delta-Variante) erkranken. Sie sind also „Gesicherte“, nicht „Gerettete“.

Die gute Botschaft: Die Erkrankungen verlaufen relativ milde, werden teilweise selbst vom Erkrankten kaum bemerkt.

Die schlechte Botschaft: Die Viruslast – also die Produktion von ansteckungsfähigen Viren und ihre Ausscheidung – ist immens hoch. So bestehen Reproduktionsraten von über sechs; das heißt, ein Erkrankter steckt mehr als sechs andere Personen an.

Und darin liegt die Gefahr. Trifft der geimpft Erkrankte auf Ungeimpfte oder auf Menschen, die zwar geimpft, aber wegen Vorerkrankungen gegen das Coronavirus weniger immun sind, wird dieser Geimpfte zum gefürchteten „Superspreader“. Das wollen wir verhindern. Deswegen macht es Sinn, jeden Reiserückkehrer, der aus dem Ausland zu uns zurückkommt, rund um den Zeitraum des Grenzübertritts zu testen. Und zwar mit einem validen PCR-Test, nicht mit laienhaft angefertigten Schnelltests.

Dabei leiten uns zwei Ziele: Erstens: den Eintrag neuer Virenlast – eventuell auch weiterer Virusvarianten – möglichst zu unterbinden. Und zweitens: so viele Corona-Infektionen wie irgend möglich zu verhindern. Denn in den Infektionen entstehen die Virusmutationen. Jede verhinderte Virusinfektion senkt also zukünftige Risiken der Entstehung neuer, womöglich noch gefährlicherer Virusvarianten. Deswegen macht Testen aller Rückkehrer an den Grenzen Sinn!


NEIN

Andrew Ullmann, FDP-Bundestagsabgeordneter und Professor für Infektiologie an der Universität Würzburg

Nein, eine allgemeine Testpflicht für geimpfte Reiserückkehrer ist nicht sinnvoll. Die Bundesregierung ist schon viel zu lange undifferenziert unterwegs, was zu unnötigen Ein- und Beschränkungen führt. Bevor wir über neue Regelungen diskutieren, müssen wir erst einmal darüber nachdenken, welche Ziele diese Regeln haben und ob diese überhaupt sinnvoll ausführbar sind.'

Wir werden das Virus nicht eliminieren können. Auch ist es illusionär, dass wir es an den Grenzen aufhalten. Viren kennen keine Grenzen.

Primäres Ziel muss es sein, die Krankenhäuser nicht zu überfordern und so viele Menschen vollständig zu impfen wie möglich. Mit der vollständigen Impfung oder nach der Genesung reduziert sich auch das Risiko einer Reinfektion und mithin das der weiteren Übertragung des Virus. Diese Bürgerinnen und Bürger pauschal zu Tests zu verpflichten, weil sie eine Staatengrenze übertreten, ergibt keinen Sinn. Das Virus kennt diese Grenze nicht und aus infektiologischer Sicht gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sich jemand im Ausland schneller infiziert als in Deutschland. Ausgenommen sind die regionalen Hotspots. Aber die gibt es auch in Deutschland.

Ein weiteres Argument gegen die Tests ist die fehlende Kontrollmöglichkeit. Wenn wir keinen Überwachungsstaat wollen, dann werden wir nur in vereinzelten Stichproben testen können, ob wirklich Tests gemacht wurden. Ohne weitgehende Kontrollen stünde der Nutzen in Zweifel.

Was sinnvoll wäre, sind differenzierte Regeln für alle beim Reisen. Dazu gehört die 3G-Regel im Flugzeug. Dazu gehören auch die AHA-Regeln in Zügen. Über kontrollierbare Quarantänen und verpflichtende PCR-Tests bei Ungeimpften aus Hochrisikogebieten könnte man diskutieren. Aber sinnloses Massentesten von Reisenden an der Grenze ist nur eine Beschäftigungstherapie und wird kaum wahrnehmbare Effekte haben.

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