Politik

11.07.2019

Soll Tabak- und Zigarettenwerbung verboten werden?

Auf der einen Seite geben wir unseren Kindern Bio-Orangensaft – und dann setzen wir sie öffentlichkeitswirksamen Werbekampagnen von Tabakgroßkonzernen aus, kritisert die Freie Wählerin Susann Enders. Der Libarale Albert Duin hingegen hält von Verboten gar nichts. Er fordert stattdessen eine intensivere Aufklärung von Jugendlichen

JA

Susann Enders, gesundheitspolitische Sprecherin der Freien Wähler im Landtag

Schon von klein auf werden Kinder und Jugendliche mit Zigaretten- und Tabakwerbung konfrontiert – etwa, wenn sie auf ihrem Schulweg an Werbeplakaten oder Litfaßsäulen mit eindeutiger Kaufaufforderung für Zigaretten vorbeilaufen. So werden bereits im Kindesalter gesundheitsschädliche Verhaltensweisen geprägt. Zudem ästhetisiert und romantisiert Werbung das Rauchen – vermittelt wird ein besonders freier und aufregender Lebensstil.

Deshalb sind nicht nur unsere Kleinsten gefährdet. Fast ein Drittel aller Deutschen greifen regelmäßig zum Glimmstängel. Warnhinweise auf den Packungen werden schlichtweg ignoriert, und Ekelbilder zeigen offensichtlich kaum abschreckende Wirkung. Die engagierten ärztlichen Präventionsversuche und unterschiedlichste Aufklärungskampagnen laufen weiter ins Leere. Denn immer noch sterben jährlich deutschlandweit schätzungsweise 120 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Eine besorgniserregend hohe Zahl!

Worauf wollen wir also noch warten? Auf der einen Seite geben wir unseren Kindern Bio-Orangensaft und Bergbauernmilch mit auf den Weg – und dann setzen wir sie öffentlichkeitswirksamen Werbekampagnen von Tabakgroßkonzernen aus. Wir Freie Wähler sind überzeugt: Mit einem vollständigen Verbot der Zigaretten- und Tabakwerbung dürfen wir keinen Tag länger warten. Denn Studien weisen längst auf einen Zusammenhang zwischen Tabakwerbung und der Anfälligkeit von Kindern und Jugendlichen hin, mit dem Rauchen anzufangen. Das noch in der Entwicklung befindliche Gehirn junger Menschen ist besonders anfällig für eine Sucht. Doch haben Kinder erst einmal mit dem Rauchen begonnen, brauchen sie oft Jahrzehnte, um davon wieder loszukommen. Das macht sie zu einem wertvollen Kunden für die Tabakindustrie und rückt sie in den Fokus der Werbemaschinerie. Auch deshalb hat Tabakaußenwerbung in einem gesundheitsbewussten Deutschland nichts mehr verloren.

NEIN

Albert Duin, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Landtag

Rauchen schadet der Gesundheit. Und jeder Bürger muss genau wissen, welche Folgen mit dem Konsum von Tabak verbunden sein können. Gerade bei Jugendlichen ist es deswegen von zentraler Bedeutung, dass wir sie noch intensiver über den Konsum und die Folgen des Tabakkonsums aufklären.

Ich bin jedoch gleichzeitig der Überzeugung, dass es nicht die Aufgabe der Politik ist, erwachsenen Bürgern und aufgeklärten Menschen die Fähigkeit abzusprechen, selbst Entscheidungen zu treffen. Es stellt sich auch die Frage, was absolute Verbote in diesem Bereich bringen. Trotz Werbeverbot ist etwa in Australien die Zahl der Raucher nicht zurückgegangen. Gleichzeitig hat die Zahl der Raucher in Deutschland auch ohne Werbeverbot in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Was in Deutschland bei einem Verbot bliebe, wären dann Tabakhersteller, die kein Geld mehr für Werbung ausgeben und bei gleichbleibenden Marktanteilen schlussendlich mehr Gewinn machen. Wer das gut findet, soll sich dafür aussprechen, ich tue es nicht. Gleichzeitig gibt es auch Raucher, die abhängig sind. Auch hier darf man nicht wegsehen. Diejenigen, die ihren Konsum nicht im Griff haben, benötigen Therapieangebote und Hilfen, wenn sie für sich den freien Entschluss gefasst haben, aufhören zu wollen und merken, dass sie es nicht können. Statt Steuerlöcher zu stopfen, wären die Steuereinnahmen aus dem Zigaretten-Handel in diesem Bereich besser aufgehoben.

Unabhängig vom Thema Tabakwerbung bleibt für mich die Erkenntnis, dass die Liste der Verbote, Vorschriften und Maßregelungen, mit denen die Politik die Menschen überzieht, ungebremst zunimmt. Vertrauen wir doch wieder mehr unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, für sich selbst entscheiden zu können. Ich jedenfalls glaube an die Vernunft, die Freiheit und die Intelligenz des erwachsenen Menschen, selbst zu erkennen, was ihm mit Werbebotschaften suggeriert werden soll.

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