Politik

20.08.2020

Sollen Schulen mit WLAN ausgestattet werden?

Frankreich hat WLAN in Einrichtungen für Kinder gesetzlich verboten, um sie vor der elektromagnetischen Strahlung zu schützen. Richtig so, meint die Verbraucherorganisation Diagnose:Funk und fordert ein solches Verbot auch an deutschen Schulen. Der Digitalverband Bitkom hält die Sorgen hingegen für unbegründet

JA

Von Nina Brandau, Referentin für Bildungspolitik beim Digitalverband Bitkom

Ob Homeoffice, Homeschooling oder virtuelle Konzerte – die Corona-Krise hat einen Digitalisierungsschub ausgelöst. In Zeiten räumlicher Distanzierung sind es digitale Technologien, die unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben am Laufen gehalten haben. Zugleich wurden im Lockdown die digitalen Defizite deutlich. Schulen, die sich bereits auf den Weg ins digitale Zeitalter gemacht haben, wurden durch das unvermittelte flächendeckende Homeschooling kaum vor Probleme gestellt.

Diese Vorreiterschulen setzen auf drei Säulen: digitale Infrastruktur, angepasste pädagogische Konzepte und digitale Kompetenz für Lehrkräfte. Neben einer Breitbandversorgung ist WLAN eine essenzielle Voraussetzung für digitalen Unterricht. Ohne WLAN können lediglich feste PCs genutzt werden. Mobile Endgeräte bieten allerdings einen flexibleren und oft pädagogisch sinnvolleren Einsatz. Wurden Unterrichtsinhalte früher überwiegend frontal von der Tafel aus vermittelt, geht es in modernen Konzepten darum, sich den Stoff gemeinsam in kleineren Gruppen zu erarbeiten. Dem sollte auch das Raumkonzept Rechnung tragen. Aus einer festen Sitzordnung werden mobile Lernplätze, die jederzeit neu arrangiert werden und an den Anforderungen der jeweiligen Unterrichtssituation ausgerichtet werden können. Mobile Geräte unterstützen diese Konzepte, Tablets und Laptops ermöglichen Kollaboration und Kommunikation über den gesamten Klassenraum und darüber hinaus – und sie verfügen auch nur dann über den vollen Funktionsumfang, wenn sie ins WLAN einwählt sind.

Etwaige Sorgen vor Gesundheitsrisiken sind unbegründet. Die drahtlose Datenübertragung über das WLAN verläuft über hochfrequente elektromagnetische Felder. Zahlreiche Studien belegen, dass die vom Router ausgehende WLAN-Strahlung ungefährlich ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz urteilt: WLAN ist unbedenklich. Bedenklich wäre es dagegen, WLAN nicht einzusetzen – denn die Technologie ist unverzichtbar für die Digitalisierung der Schulen.


NEIN

Von Peter Hensinger, Vorsitzender der Verbraucherorganisation Diagnose:Funk

Indirekt warnt die Telekom in der WLAN-Router-Bedienungsanleitung: „Die integrierten Antennen Ihres Speedport senden und empfangen Funksignale bspw. für die Bereitstellung Ihres WLAN. Vermeiden Sie das Aufstellen Ihres Speedport in unmittelbarer Nähe zu Schlaf-, Kinder- und Aufenthaltsräumen, um die Belastung durch elektromagnetische Felder (EMF) so gering wie möglich zu halten.“ Niemand wird bestreiten, dass Klassenzimmer hier einzuordnen sind.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt: „ Bevorzugen Sie Kabelverbindungen, wenn auf Drahtlostechnik verzichtet werden kann. Vermeiden Sie die Aufstellung von zentralen WLAN-Zugangspunkten in unmittelbarer Nähe der Orte, an denen sich Personen ständig aufhalten, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Falls vorhanden, stellen Sie die Reichweitenbegrenzung ein, um die maximale Strahlungsleistung zu reduzieren.“

In der Erklärung von Nikosia fordern die Österreichische und Zyprische Ärztekammer ein WLAN-Verbot an Schulen, Frankreich hat es für Grundschulen bereits erlassen. Solche Warnungen beruhen auf einer besorgniserregenden Studienlage. Auf höchster wissenschaftlicher Ebene, im Springer-Reference-Book, haben bereits 2014 im WLAN-Review Naziroglu/Akman das Schädigungspotenzial beschrieben. Der bisher größte Review von Wilke (2018) listet 100 Studien, die Folgen wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Fruchtbarkeitsstörungen, verschlechtertes Lern-und Erinnerungsvermögen bis zum Krebsrisiko beschreiben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Strahlung als möglicherweise krebserregend eingestuft. Das BfS selbst bestätigt eine krebspromovierende Wirkung unterhalb der Grenzwerte. Wie kann WLAN an Schulen installiert werden, wo sich eventuell Kinder oder Lehrer mit einer Krebsbiografie aufhalten? Es gibt Alternativen. Die beste Option: Kabelverbindungen überall. Wenn es unbedingt mobil sein soll: Optische Kommunikation über Infrarotlicht (LiFi) ist zur Serienreife entwickelt.

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