Politik

29.04.2020

Sollen Sport- und Spielplätze wieder öffnen?

Sozialer Kontakt und Bewegung sind ein Stück Gewaltprävention, betont Susanna Kaiser, Vorsitzende des Kinderschutzbunds in Bayern. Sie fordert deshalb Spielplätze wieder zu öffnen. Der Epidemologe Ulrich Mansmann warnt: Um die Gefahren richtig einschätzen zu können, brauche es erst eine längere Testphase

JA

Susanna Kaiser, erste Vorsitzende des Kinderschutzbunds Landesverband Bayern e. V.

Aber ja! Kinder – und natürlich auch wir Erwachsene – brauchen viel Bewegung an frischer Luft, doch seit Wochen schon sind die Spielplätze gesperrt, was vor allem in Städten eine massive Einschränkung für Kinder und ihre Familien bedeutet. Sozialer Kontakt und Bewegung, und das ist mehr als nur einfach spazieren gehen, sind insgesamt ein Stück Gewaltprävention und sorgen für Aggressions-, Stress- und Spannungsabbau in der Familie.

Natürlich kann man in diesen Zeiten Spielplätze nicht einfach wieder öffnen. Die Kommunen, in deren Zuständigkeit die Spielplätze fallen, müssen klare, verständliche Regeln aufstellen: Eltern haben die Aufsichtspflicht, nur eine begrenzte Anzahl von Kindern werden Zugang bekommen, bei zu vielen Kindern muss der Besuch zeitlich begrenzt werden und Abstandhalten ist oberstes Gebot, denn nur Kinder aus dem gleichen Haushalt dürfen gemeinsam spielen. Ehrenamtliche „Spielplatzpaten“ oder jetzt „arbeitslose“ Schulweghelfer können dann mit den Eltern zusammen dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. In besonders belasteten Gebieten wird die Öffnung optional gehandhabt und kann bei Anstieg der Infektionen auch wieder rückgängig gemacht werden.

Sportplätze sind ausschließlich für den Breitensport offen. Zuständige Sportvereine müssen zum Beispiel durch Belegungspläne oder durch zeitliche Begrenzung für das Einhalten der Abstandsregel sorgen, was bei manchen Sportarten ja gegeben ist: Leichtathletik, Tennis, Badminton, Beachvolleyball und auch Golf, das immer mehr Anhänger findet, sowie Kurz- oder Langstreckenlaufen auf Tartanbahnen.

So meinen wir beim Kinderschutzbund, dass wenigstens „ein bisschen“ Sport und Spiel besser sind als gar nichts, denn die positiven Auswirkungen durch Bewegung, auch unter einschränkenden Bedingungen, rechtfertigen den Mehraufwand und die Mehrbelastung bei Organisation, Aufsicht und Kontrolle.

NEIN

Ulrich Mansmann, Direktor des Instituts für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie an der Medizinischen Fakultät der LMU München

Ich vertrete klar die Position gegen die vorbehaltlose Öffnung von Spielplätzen. Genauso bin ich gegen eine vorbehaltlose Öffnung der Kindergärten und Schulen. Das klingt grausam, denn Kinder brauchen Kontakt nach außen. Sie müssen sich austoben. Viele Eltern sind auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen.

Alle drei Bereiche sind Transmissionsriemen für die Epidemie in unsere Gesellschaft hinein. Vorsicht ist geboten, also ein klares „Nein“.

Aber etwas muss geschehen. Wir alle wollen zurück in eine lebenswerte Normalität. Um richtig zu handeln, müssen wir die Gefahren der anstehenden Öffnungen objektiv einschätzen können. Was wissen wir etwa über Kindergärten? Viele bieten Notbetreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen an. Was ist dort passiert?

Wie machen wir uns die Gefahr der Öffnungen in den drei Bereichen klar? Öffnen wir alle drei gleichzeitig und geht dabei etwas schief, wissen wir nicht, bei welchem der drei der Grund dafür liegt. Probieren wir sie nacheinander aus, vergeht viel Zeit, bis wir informiert entscheiden können.

Wie geht aber die gleichzeitige und parallele Testung von vertretbaren Öffnungskonzepten mit verlässlichem Ergebnis? Es geht um vier Vergleichsgruppen: Öffnung in den drei angedachten Bereichen und das jetzt praktizierte Vorgehen als Nummer vier.

Hier ein Vorschlag: Bayerns 77 Landkreisen und kreisfreien Städten wird jeweils eine der vier Maßnahmen zufällig zugeteilt. Während vier Wochen wird beobachtet, wie sich die Infektion in den Landkreisen entwickelt. Die Effekte der drei Öffnungen lassen sich mit der jetzigen Praxis vergleichen. Damit kann man über das weitere Vorgehen entscheiden. Die zufällige Verteilung der Strategien ist dabei der Clou. Sie macht die Gruppen vergleichbar und liefert verlässliche Resultate. Die Infrastruktur für eine solche Studie ist in Bayern vorhanden.

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Kommentare (2)

  1. René vor 2 Wochen
    Ich find das es in Bayern endlich mal die Fußball Plätze öffnen sollen man muss jetzt kein Wettbewerb machen aber so als Hobby Kicker z.b. Ich möchte nur wieder mal aufs Tor Schießen ich weiß net ob die scho offen haben weil ich auch nichts in Internet finde zu den Thema ich würde mich über eine Antwort freuen
  2. Lillian vor 3 Wochen
    Ich finde, man sollte erstmal schauen, wie sich die Lage entwickelt,
    und dann, schrittweise lockern. Ich bin selbst erst 13 geworden,
    und weiß, wie schwierig es in diesen Zeiten ist, abstand halten zu
    müssen. Und da müssen wir alle durch, um das Corrona Virus einzudämmen. Wenn wir alle keine Schutzmaßnahmen einhalten, ( wie zum Beispiel beim Sport) machen wir die Pandemie am Ende wahrscheinlich nur noch schlimmer. Natürlich ist auch das Soziale Umfeld davon betroffen, doch an muss jetzt lernen, mit solchen Maßnahmen zu leben. Außerdem Weiß man solche Sachen, wie ein Besuch bei Freunden jetzt viel mehr zu schätzen. Wenn wir alle an einen Strang ziehen, und zusammenhalten, werden wir sicherlich bald sehen, dass die Zahlen der Infizierten, ( und der Toten )bald zurückfallen.
    Ich hoffe, mein Beitrag war es wert, gelesen zu werden.

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