Politik

22.07.2021

Sommerschule ’21: Ist Unterricht in den Ferien sinnvoll?

In der Sommerschule können Bayerns Schüler*innen noch vor dem neuen Schuljahr Unterrichtsstoff wiederholen oder nachholen. "Jeder kann teilnehmen, keiner muss", betont Kultusminister Michael Piazolo. Karen Silvester vom SOS-Kinderdorf hält davon nichts und erklärt: "Freie Zeit haben zu dürfen ist kein Privileg, sondern ein Kinderrecht"

JA

Michael Piazolo (FW), bayerischer Kultusminister

Natürlich sind Ferien wichtig und die Schülerinnen und Schüler sollen sich in den Sommerferien gut erholen können. Deswegen umfasst die Sommerschule ‘21 nur einen Zeitraum von höchstens zwei Wochen, damit den Schülerinnen und Schülern noch vier Wochen zur Erholung bleiben.

Für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die das Bedürfnis haben, noch vor dem neuen Schuljahr Unterrichtsstoff zu wiederholen oder nachzuholen, schaffen wir mit der Sommerschule ein umfangreiches und attraktives Angebot. Auch wenn der Distanzunterricht insgesamt gut funktioniert hat: Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind damit gleich gut zurechtgekommen. Mit dem Programm „gemeinsam.Brücken.bauen“ bieten wir Schülerinnen und Schülern beim Aufholen etwaiger pandemiebedingter Lernrückstände zusätzliche Unterstützung an. Die Schulen vor Ort haben für die Ferienkurse sehr gute Konzepte entwickelt, die sie passgenau auf interessierte Schülerinnen und Schüler zuschneiden.

Jeder kann teilnehmen, keiner muss. So entscheiden Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Eltern, ob die Sommerschule für sie ein sinnvolles Angebot ist. Für alle, die nicht an der Sommerschule ‘21 teilnehmen möchten, schaffen wir auch im nächsten Schuljahr – ergänzend zum Unterricht – zusätzliche Förderangebote. So geht keiner verloren, auch wenn er die Sommerschule nicht besuchen kann oder möchte.

Zusätzlich zur Sommerschule haben wir die bewährten Ferienangebote des Bayerischen Jugendrings (BJR) für alle Schülerinnen und Schüler. Hier haben die Kinder und Jugendlichen Gelegenheit, mit Gleichaltrigen zusammenzukommen und gemeinsam etwas zu erleben – das stärkt die sozialen Kontakte, die in der Pandemie oftmals zu kurz gekommen sind.

Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Paket mit einem reichhaltigen Angebot geschnürt haben, bei dem für jede und jeden etwas dabei ist.
 

NEIN

Karen Silvester, Referentin für Kinderfragen beim SOS-Kinderdorf

Bildung eröffnet Welten. Wir können das Recht der Kinder auf Bildung aber nur dann sichern, wenn wir sie vor hausgemachtem Leistungsdruck und den Versäumnissen in der Schulpolitik während des Lockdowns schützen. Das nachträgliche Abarbeiten eines Curriculums mag diejenigen Institutionen beruhigen, die Bildungserfolge am Notendurchschnitt ablesen. Diese Logik ist aber entfernt vom Alltag „zu Hause“. Dort haben in den vergangenen zwei Jahren sowohl Schularbeit als auch Erholung stattgefunden – oder auch nicht. Zeit voller Angst, Druck und Zweifel: Angst, nicht mehr in den Schulalltag zu finden und sich von Freund*innen zu entfremden; Versagensangst; Verlust haltgebender Alltagsroutinen …

Es ist Zeit für eine Pause und leistungsfreie Wochen, ohne „abliefern zu müssen“. Freie Zeit haben zu dürfen ist kein Privileg, sondern ein Kinderrecht, damit Neugierde und Lust am Lernen wach bleiben. Kinder brauchen diesen Schutzraum, um wieder zu ihrer inneren Balance zu finden.

„Dann musst du in die Sommerschule“ gilt bei Schüler*innen schon jetzt als Strafe und nicht als Chance. „Mehr vom Gleichen“ – ist das wirklich die gereifte politische Eingebung zur Lösung des bestehenden Bildungsdesasters? Sehen wir die „Defizite“ wirklich bei den Schüler*innen? Haben sie nicht eine bessere Idee verdient als dieses „Trostpflaster“? Die Sommerschule wäre eine Investition in Bildung, wenn sie tatsächlich auf die individuelle Situation jedes einzelnen Kindes einzahlen würde. Die bestehende freiwillige Version löst jedoch ein Unbehagen aus, ob das ausgeschlagene Pauschalangebot zurückkommt wie ein Bumerang.

Warum nicht lieber innehalten und Bildung neu denken. Die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt: Es gibt die neugierigen, innovativen Schüler*innen, Lehrer*innen und Vertreter*innen des Ministeriums, die beteiligungsorientiert und auf Augenhöhe das eh bereits verstörte System Schule neu denken wollen. Die Zeichen stehen auf Aufbruch.

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