Politik

Die zwei Neuen: Ronja Endres und Florian von Brunn. (Foto: Lennart Preiss Fotografie)

07.05.2021

"Wir sind Optimisten und harte Arbeiter"

Ronja Endres und Florian von Brunn, die neue bayerische SPD-Doppelspitze, über ihre Pläne zur Wiederbelebung der Bayern-SPD

Ende März wurden Ronja Endres (34) und Florian von Brunn (51) bei einem virtuellen Parteitag zu den neuen Vorsitzenden der Bayern-SPD gewählt. Die beiden setzten sich gegen Uli Grötsch durch und werden damit Nachfolger von Natascha Kohnen, die das Amt abgab. Die Staatszeitung hat die beiden zum Gespräch getroffen.

BSZ Frau Endres, Herr von Brunn, seit dem Rückzug von Renate Schmidt vor gut 20 Jahren hofft die Bayern-SPD auf bessere Zeiten. Warum sollen die jetzt mit Ihnen kommen?
Florian von Brunn Wir sind nicht nur Optimisten. Wir werden auch hart dafür arbeiten. Und wir wollen die Bayern-SPD durch Politik für die Menschen voranbringen, das heißt, uns für gute Arbeit und eine gute Bezahlung einsetzen und dafür, dass die Menschen wieder gut aus der Krise kommen. Das werden wir mit einer guten und offensiven Kommunikation begleiten.
Ronja Endres Ich will wieder Begeisterung für unsere Vorschläge entfachen und ganz bei den Menschen sein. Das gelingt nur mit einer positiven Sprechweise, dem Zuhören und Aufgreifen der Probleme jedes Einzelnen. Dafür werden wir beide das direkte Gespräch suchen – mit einzelnen Bürgern ebenso wie mit Verbänden und NGOs!

BSZ Sie versuchen das mit einer Doppelspitze. Welche Vorzüge sehen Sie darin?
Ronja Endres Erstens haben wir dadurch doppelt so viel Man- und Woman-Power. Wir können viel mehr Zeit in die Partei investieren. Außerdem ergänzen wir uns thematisch optimal. Florian von Brunn ist ein ausgewiesener Experte für Klima- und Umweltschutz, und ich bin eine Gewerkschafterin, die das Thema Arbeit und Soziales einbringt. Damit können wir diese beiden für die Menschen wichtigen Bereiche bestens verzahnen.

BSZ Die Zustimmung zu Ihrem Modell ist auf dem SPD-Parteitag knapp ausgefallen. Es ging am Ende um vier Stimmen. Was sagt Ihnen das über die Bayern-SPD?
Florian von Brunn Gewonnen ist erst mal gewonnen. Für mich war das ein klares Votum für eine Politik, die Klimaschutz, Arbeit und soziale Gerechtigkeit verbindet, die also über unsere traditionellen Kernkompetenzen hinausgeht. Wir haben dafür auch unheimlich viel Zuspruch von der Basis erhalten. Hätte es ein Mitgliedervotum gegeben, wäre das wahrscheinlich sogar viel klarer ausgefallen. Trotzdem werden wir die Partei weiter zusammenführen. Wir wollen gemeinsam für den Erfolg der Bayern-SPD kämpfen. Bei sieben Prozent in den Umfragen kann es sich die Bayern-SPD nicht leisten, sich auch noch gegenseitig zu befehden.

BSZ Würden Sie widersprechen, wenn man sagt: Ihr beider Herz schlägt links?
Florian von Brunn Nein, kein Widerspruch! Herz und links passen im Sinne Willy Brandts gut zur linken Volkspartei SPD. Aber Ronja Endres und ich sind völlig unideologisch, wir sind offen für die besten Lösungen im Sinne der Menschen.

"Die Linken und die Grünen sind unsere strategischen Partner für eine reformorientierte Politik"

BSZ Ist linke Politik heutzutage noch mehrheitsfähig?
Ronja Endres Die Frage ist doch: Was ist links? Für mich heißt links, Politik für Menschen zu machen, die hart arbeiten, ein normales Einkommen haben oder sogar zu wenig bekommen, die nicht von Kapitalerträgen leben. Diese Politik hat Zukunft. Da geht es um faire Bezahlung und auskömmliche Renten, nicht um ein bloßes Etikett. Das könnte Menschen eher abschrecken, obwohl es für eine Politik steht, die für sie und ihre Sorgen da ist. Unsere Politik ist für die Menschen da. Es ist nicht so wichtig, ob die jetzt eher links oder eher Mitte ist.
Florian von Brunn Ich habe kein Problem damit, auch zu sagen, wir machen linke Politik – auch wenn das jetzt vielleicht ein kleiner Meinungsunterschied zwischen uns ist. Denn linke Politik stellt – wie es Ronja Endres gesagt hat – immer den Menschen in den Mittelpunkt. Linker Politik geht es darum, Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Leben selbst gestalten können. Aus dieser Sehnsucht ist die Arbeiterbewegung entstanden, der Kampf für eine faire Bezahlung und Arbeitnehmer*innenrechte. In diesem Sinn sind auch der Klima- und der Umweltschutz linke Themen.

BSZ Für Arbeitnehmerrechte steht auch Die Linke, die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie ist das Thema der Grünen und neuerdings auch der CSU. Reicht das für ein eigenes SPD-Profil?
Ronja Endres Definitiv. Denn wir wollen den Klimaschutz nicht alleine mit der Ökonomie verbinden, sondern mit den Menschen, mit der sozialen Frage, mit Gerechtigkeit. Da liegt der große Unterschied zu anderen, das ist unser Alleinstellungsmerkmal.
Florian von Brunn Die SPD hat eine lange Tradition im Umweltschutz. Die Naturfreunde sind aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen. Die Umweltpolitik in Deutschland hat der SPD-Bundeskanzler Willy Brandt begründet. Deshalb sollten wir da unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Und die sozialen Thema sind seit jeher gut bei uns aufgehoben. Wir wollen jetzt Hartz IV überwinden, stattdessen ein Bürgergeld einführen, und wollen den Mindestlohn auf zwölf Euro anheben. Ich habe nichts gegen Die Linke und nichts gegen die Grünen, das sind aus meiner Sicht unsere strategischen Partner für eine reformorientierte Politik. Aber mit unseren Kompetenzen müssen wir uns nicht verstecken.

BSZ Auf landespolitischer Ebene wollen Sie die Bildungspolitik wieder mehr zum Schwerpunkt bei der SPD machen. Was heißt das konkret?
Ronja Endres Durch Corona sehen wir besonders, dass Kinder völlig auf der Strecke bleiben. Das trifft vor allem die, die von zu Hause nicht die optimale Unterstützung erfahren oder nicht erfahren können, weil die Eltern eher bildungsfern sind oder schlicht arbeiten müssen. Dieses Problem gab es aber auch schon vorher. Ein Grund dafür ist der eklatante Lehrer*innenmangel, aber auch, dass unser Bildungssystem wohl doch nicht so inklusiv ist, wie wir immer dachten. Ich werde mich deshalb auf Bildungstour durch Bayern machen und mit den Eltern-, Schüler- und Lehrerverbänden und der Gewerkschaft GEW sprechen. Mir ist es wichtig, mich mit den Betroffenen auszutauschen und gemeinsam zu erarbeiten, wo wir mit konkreten Verbesserungen ansetzen können. Zum Beispiel haben die Elternverbände in Bayern viel zu wenig zu sagen und viel zu wenig Macht. Deren Anliegen will ich stärker in die Politik tragen.

BSZ Was also sind Ihre Pläne in der Sache?
Ronja Endres Konkret brauchen wir wohl zum Beispiel eine bessere Finanzierung des Bildungssystems und eine Aufstockung der Förderprojekte für Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Familien. Vielleicht kann man zum Aufholen der Corona-Rückstände bei Schüler*innen die Volkshochschulen oder externe Anbieter mit ihrer Expertise stärker einbinden. Mich freut, dass Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ein milliardenschweres Hilfspaket für Kinder und Familien auf den Weg gebracht hat. Endlich wird nicht nur die Wirtschaft gerettet, sondern auch unsere Kinder.

BSZ In zwei Jahren ist Landtagswahl. Wird die SPD einen Spitzenkandidaten benennen?
Florian von Brunn Auf jeden Fall. Unser Ziel ist es, in einem ersten Schritt wieder zweistellig zu werden. Es ist in einem Wahlkampf politisch sinnvoll, eine Persönlichkeit zu haben, die an der Spitze steht, das Programm der SPD repräsentiert und den Anspruch auf Erneuerung im Land verkörpert.

BSZ Frau Endres wird mit dann 37 Jahren nach der bayerischen Verfassung noch zu jung sein für eine Spitzenkandidatur um das Ministerpräsidentenamt. Würden Sie denn zur Verfügung stehen, Herr von Brunn?
Florian von Brunn Das entscheide nicht ich, sondern die Bayern-SPD. Wenn die Partei mich dazu auffordert, würde ich das sicher ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber das steht derzeit noch nicht zur Debatte.
(Interview: Jürgen Umlauft)

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