Politik

Bereits zum zweiten Mal steht jetzt die Abiturprüfung in Pandemiezeiten an. (Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

09.04.2021

Zittern vorm Corona-Abi

Abschlussprüfungen in Pandemiezeiten: Viele sind nervös

Rund 270 000 junge Leute stehen in Bayern kurz vor den Prüfungen, die beruflichen Schulen inklusive. Schon zum zweiten Mal wird unter Corona-Bedingungen das Abitur gemacht. Zwar gibt es diesmal mehr Vorlauf, es gibt Impfstoffe und Tests. Aber die Aufregung ist groß. Besonders bei den Abiturient*innen. Denn während an Mittel- und Realschulen die Prüfungen erst am 6. Juli, an Fach- und Berufsoberschulen am 10. Juni stattfinden, hat die heiße Phase der Abivorbereitungen längst begonnen.

Der 12. Mai rückt unheilvoll näher. Und damit auch die weithin gefürchtete Abi-Deutschklausur.
Mitten hinein in den Osterfrieden donnerte die Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), das Abitur heuer ausfallen zu lassen. Was Ministerpräsident Markus Söder (CSU) genervt als „Gequatsche“ abtat. Dabei ist es ja nicht falsch, für den Worst Case einen Plan in der Tasche zu haben. Zumal die Appelle der Virologen und Modellierungen des Robert Koch-Instituts für die ganz nahe Zukunft kein gutes Bild zeichnen. Sollten die Zahlen tatsächlich derart in die Höhe schnellen, wie für den Fall errechnet, dass alle einfach weitermachen wie bisher, dürfte sich auch in Sachen Abitur noch einiges ändern. Denn dann könnten Krankheit und Quarantäne viele Prüflinge außer Gefecht setzen.

Mit dem GEW-Vorschlag, die Prüfungen gleich ganz sausen zu lassen und die Abiturnote aus dem Durchschnitt der bereits erbrachten Leistungen zu errechnen, wie dies auch Würzburger Schüler*innen bereits seit Januar in einer Petition fordern, erreicht man allerdings vor allem eines: Man senkt die Lernmotivation und streut Verunsicherung.

Man darf wohl zuversichtlich sein, dass auch im zweiten Jahr der Pandemie ein gleichwertiges Abitur möglich ist. Was die Prüfungen angeht, hat das Kultusministerium nach eigener Auskunft „faire Rahmenbedingungen“ geschaffen. So wurden die Abschlussprüfungen in allen Schulformen um einige Wochen verschoben. Man hat Stoff rausgenommen. Und erklärt, für besonders betroffene Schulen oder Regionen seien „weitere Sonderregelungen möglich“. Gut, dass das Ministerium sich flexibel zeigt.

Doch was ist mit dem Gesundheitsschutz? Das Kultusministerium setzt, wie gerade beschlossen, aufs Testen. Verpflichtend. Zweimal pro Woche. Und – das ist neu – unabhängig von der Inzidenz. Wie genau die Teststrategie an Schulen umgesetzt wird, ist aber unklar. Der Bayerische Philologenverband hätte es vorgezogen, nächste Woche auf Distanzunterricht zu gehen, um die Teststrategie gut vorbereiten zu können. Philologenverbandssprecher Benedikt Karl glaubt, das würde akzeptiert: „In der Abiturvorbereitung wird gerade viel wiederholt, die Motivation ist hoch.“

Ausweichtermine sind wichtig, falls jemand krank wird oder in Quarantäne muss

Der Philologenverband hätte sich außerdem gewünscht, die Tests könnten zu Hause durchgeführt werden. Denn wer erst in der Schule testet, riskiert, dass sich Kinder in den dicht besetzten Schulbussen oder der Schule selbst infizieren. Befürchtet wird auch eine mögliche Stigmatisierung positiv getesteter Schülerinnen und Schüler. Die Landesregierung erteilte der Möglichkeit, zu Hause zu testen, allerdings eine Absage. Einig ist man sich dagegen darin, dass der Gesundheitsschutz auch während der Prüfungen höchste Priorität haben sollte. Prüflinge und Lehrkräfte „müssen die Prüfungen möglichst ohne Angst um ihre Gesundheit ablegen können“, so Benedikt Karl. Um die Gefahr der Ansteckung niedrig zu halten, sollten die Schüler*innen auf viele Räume aufgeteilt werden und in großen Abständen sitzen. Mobile Luftreiniger könnten für Frischluft sorgen – eine Anschaffung, bei der allerdings viele Kommunen, so Karl, „sehr zurückhaltend“ waren.

Neuralgische Punkte der Prüfungen sind vor allem die Ein- und Ausgänge. Ob bei hohen Inzidenzen eine FFP2-Maske am Platz oder gar in der mündlichen Prüfung getragen werden muss, ist noch nicht entschieden. Bisher wird lediglich ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz empfohlen. Aber 300 Minuten Deutschklausur: Das hält man mit FFP2-Maske beim besten Willen nicht aus.

Für besonders wichtig hält der Philologenverband bayernweit verbindliche zentrale Ausweichtermine. Damit jede einzelne Prüfung nachgeholt werden kann. „Eigentlich braucht man zwei Zeitschienen“, so Karl. „Reguläre Termine, zu denen ein Großteil der Schülerinnen und Schüler das Abitur macht, und zentrale Nachholtermine.“ Klingt vernünftig. Mal sehen, wie flexibel das Ministerium am Ende wirklich ist. (Monika Goetsch)

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