Politik

Polizei, Polizei, Polizei - das ist das Bild, das für viele Einheimische vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen bleibt. (Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

29.06.2022

G7: Zweimal - und nie wieder

Einheimische sind froh, wenn jetzt wieder Normalität einkehrt

Polizei, Polizei, Polizei - das ist das Bild, das für viele Einheimische vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen bleibt. Wochenlang war der Ort am Fuß der Zugspitze von Einsatzkräften in Beschlag genommen. Nun atmet er auf. Die Normalität kehrt zurück. Allerdings wird es dauern, bis die Kilometer langen Zäune, die mobilen Toiletten und hunderte Container abgebaut sind. Bis die Profi-Eishockey-Mannschaft ihr Stadion wieder nutzen kann, wird es wohl Mitte August werden.

Zum zweiten Mal tagten die G7 in dem Luxus-Hotel mit Blick auf das Wettersteingebirge. Zum zweiten Mal hat alles bilderbuchartig geklappt. Kommt das Spektakel nun in sieben Jahren wieder?

Regierungssprecher Steffen Hebestreit hatte die Einheimischen im Mai beruhigt, der Gipfel werde nun nicht alle sieben Jahre in die Region kommen. "Wir erwarten eher, dass es das nächste Mal mal woanders stattfindet", sagte nun auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Aber Berlin entscheidet. Ganz aus der Welt ist das Thema nicht.

Schlossherr Dietmar Mueller-Elmau, für den sich schon 2015 mit dem G7-Treffen ein ehrgeiziger Traum erfüllte, dürfte nichts gegen eine Neuauflage haben. "Ich habe dieses Hotel so gebaut, dass es perfekt ist für einen G7-Gipfel", sagte er im Mai. "Von mir aus kann das jedes Jahr stattfinden. Aber ich habe das ja nicht zu entscheiden."

Bitte nicht

Die Antwort Einheimischer auf die Frage nach einem neuen Gipfel klingt anders: "Bitte nicht!", "auf keinen Fall!" Die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, Elisabeth Koch (CSU), sagt: "Denkbar ist alles, wünschenswert wäre ein dritter G7-Gipfel in diesem Format in meinen Augen nicht." Die massive Präsenz von Einsatzfahrzeugen über Wochen und Monate sei der wohl größte Störfaktor gewesen. Deutlicher hat es Oliver Deby, Inhaber eines Eishockey-Ladens, in orangen Lettern an sein Schaufenster gepinselt. "Scheiss G7, danke für nix!"

Was bleibt? Feuerwehren haben neue Autos bekommen, es gibt die eine oder andere Sanierung und Miete für die Liegenschaften. Und: "Der Marketing-Effekt ist unbezahlbar", sagt Daniel Schimmer, Manager des Hotels Garmischer Hof und Ortsvorsitzender Garmisch-Partenkirchen des Dehoga. Doch den brächten auch sportliche Großereignisse. Auch wenn 2015 die Gästezahlen etwas stiegen: "Wir hatten den Gipfel zwei Mal. Ich denke, das ist genug". Die Menschen habe das Ereignis belastet. "Wir wurden und werden niemals gefragt, was wir wollen. Es ist eine reine Entscheidung der Bundesregierung gewesen."

Für Kanzler Olaf Scholz (SPD), den man am Schloss auf Bildern im naturbelassen-kniehohen Gras stapfen sieht, war mindestens das Ambiente ein voller Erfolg: Bei Sonnenschein demonstrierten in spektakulärer Landschaft die Staats- und Regierungschef Einigkeit - vor der legendären "Merkel-Obama"-Holzbank. Es sind erneut schöne Bilder, die um die Welt gehen - wie vor sieben Jahren das Foto von Barack Obama mit Angela Merkel an ebendieser Bank.

Null Krawalle

Und: Null Krawalle von Gipfel-Gegnern. Nur ein paar Hundert waren überhaupt gekommen. Einige quälten sich - massiv eskortiert von Polizei - auf Bergtouren Richtung Schloss. Andere wurden von der Polizei zur Demo Richtung Schloss gefahren - die Beamten stets in großer Überzahl, die Demo einen halben Kilometer weg vom Tagungsort.

Dass die Kritiker sauer sind über eingeschränkte Demo-Chancen, wird der Welt kaum in Erinnerung bleiben, ebenso wenig die von gesperrten Parkplätzen und Kontrollen genervten Anwohner und Geschäftsleute.

Die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum, Michaela Nelhiebel, die auch Ferienwohnungen vermietet, kritisierte, von Klimaschutz, einem der Hauptthemen des Gipfels, sei nichts zu spüren gewesen. Die Polizei sei ständig "in Hunderterstärke durch den Ort" gefahren, habe stehend den Motor laufen lassen, Generatoren hätten Strom erzeugt - "in Zeiten des Klimaschutzes eine Katastrophe".

Zwei Dutzend Festnahmen

Was bleibt, dürfte aber eher die Bilanz der Polizei sein: Gerade mal etwa zwei Dutzend Festnahmen, keine brennenden Autos, nicht eine einzige Fensterscheibe ging zu Bruch. Das einzige, was an mutwilliger Zerstörung bei der Schadensausgleichstelle des Landratsamtes gemeldet wurde, ist ein beschmierter Zaun.

Vor Beginn des Gipfels gab es Manipulationen an Stromkästen, in München brannten acht Polizeiwagen. Kein Vergleich zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg, als Scholz dort Regierender Bürgermeister war - oder zum G8-Gipfel in Heiligendamm 2008.

Manche sprachen schon 2015 vom "friedlichsten Gipfel" aller Zeiten. 2022 könnte nun einen neuen Friedlichkeits-Rekord brechen. Noch etwas könnte für einen weiteren Gipfel im Werdenfelser Land sprechen: Man kennt die Region, kennt die Zahl der Gullydeckel, die versiegelt werden müssen, bestimmte Infrastrukturen sind schon geschaffen.

Angetan von der Gegend

Auch mancher Polizist war angetan von der Gegend. Morgens kamen regelmäßig Gruppen von Beamten zum Eibsee, fürs Foto. "Schön hier", bewunderte ein Berliner Polizist die Natur. Und so entspannt. Er habe noch nie so viel Polizei gesehen. In Berlin gehe es anders zu.

Die Frage ist, ob Bergidylle und Begrüßungsbilder in oberbayerischer Tracht mit Gamsbart, Lederhose und Dirndl die Welt ein weiteres Mal begeistern. Der Gastronom Schimmer meint: "Deutschland hat andere schöne Orte zu bieten - nicht ganz so schöne wie Garmisch natürlich - aber auch schön. Deshalb bin überzeugt, dass die Bundesregierung es das nächste Mal an einem anderen Ort stattfinden lässt."
(Sabine Dobel und Angelika Warmuth, dpa)

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