Unser Bayern

Wie bei anderen Hühnervögeln protzt bei Fasanen der Hahn mit einer auffallend bunten Erscheinung. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

09.09.2022

„Der Wollust halben“

Beliebt bei Jägern, begehrt für die Tafel: Über Fasane, ihre Haltung und die Jagd

Am 1. Oktober beginnt die Jagdsaison auf Fasane. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse und erfreut sich unter Feinschmeckern großer Beliebtheit. Die Jäger haben es besonders auf die hübschen Männchen abgesehen, denn die geben mit ihrem bronzefarbenen Gefieder, den langen Schwanzfedern, dem blaugrün schimmernden Kopf über einem weißen Ring am Hals und den leuchtendroten Ohrscheiben auch noch prachtvolle Trophäen ab. Die Weibchen bleiben – wie so häufig im Tierreich – mit ihrem schlichten, bräunlich-grauen Gefieder unscheinbar. Männchen wie Weibchen können zwar auf langen Beinen ausdauernd umherlaufen, in der Luft wirken Fasane jedoch mit ihren flatternden Flügeln sehr unbeholfen. Kein Wunder, dass die Vögel in der freien Natur vielen Gefahren ausgesetzt und bei Füchsen, Habichten und anderen fleischfressenden Tieren eine begehrte Beute sind.

Knapp 8500 dieser Hühnervögel wurden in der Jagdsaison 2020/21 in Bayern geschossen; die meisten davon in Ober- und Niederbayern. 2019/20 waren es noch um die 15 000. In der Vergangenheit lagen die Abschusszahlen noch höher. Von 1985 bis 2005 schwankte die jährliche Jagdstrecke in Bayern zwischen 30 000 und 60 000 Tieren, in den 1970er-Jahren lag sie bei fast 200 000. Dass heute weniger Tiere geschossen werden, liegt nicht daran, dass es weniger Jäger gibt, sondern dass die Lebensbedingungen für die Vögel hierzulande schlechter geworden sind. Fasane sind auf abwechslungsreiche Landschaften mit kleinteiligen Äckern, artenreichen Wiesen, Sträuchern und kleinen Wäldern angewiesen, wo sie Sämereien, Beeren, Insekten und Kleintiere als Nahrung und zugleich Unterschlupf finden. Aber Hecken, Säume und blühende Ackerrandstreifen sind in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verschwunden. In der Folge haben ausgeräumte, mit Pestiziden belastete Agrarlandschaften deutlich an Fläche zugelegt. Und dort finden die Vögel weder ausreichend (unbelastete) Nahrung noch Unterschlupf und fallen häufig Fressfeinden zum Opfer. Besonders gefährdet sind die Jungvögel.

Zuchtbemühungen der Römer

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der mit der Herkunft der Vögel zusammenhängt. Im feuchtkalten Klima Mitteleuropas tun sich Fasane von Haus aus schwer. Denn ursprünglich sind sie in trockenen Gebieten Asiens zu Hause, vom Schwarzen Meer im Westen bis in den fernen Osten im östlichen Sibirien und in China. Schon seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. jedoch kennt man die Vögel in Europa, zuerst in Griechenland: Der Argonautensage nach gelang es Jason und seinen Mitstreitern am Fluss Phasis in der Landschaft Kolchis, die zwischen dem Kaukasus und der Ostküste des Schwarzen Meeres gelegen ist, prächtige bunte Hühnervögel einzufangen. Viele Jahrhunderte später wird man den Jagdfasan nach eben dieser Landschaft als Phasis colchicus benennen. Neben den Griechen lernten auch die Römer das Fasanenfleisch zu schätzen. Sie sorgten dafür, dass die Tiere gekreuzt wurden, neue Rassen entstanden und sich die Haltung der Vögel vom Mittelmeerraum aus verbreiten konnte. Bereits im Mittelalter wurden Fasane in West- und Mitteleuropa als „Ziergeflügel“ in den Gärten und Gehegen von Adelshöfen gehalten. Von dort aus konnten manche in die freie Wildbahn entkommen, sie wurden aber auch gezielt ausgesetzt, um sie später bejagen zu können.

Wie es sich konkret mit der Fasanenhaltung in Bayern verhielt, ist in Franz von Poccis umfangreicher Schrift Der Fasan in Bayern nachzulesen. Der Historiker, passionierte Jäger und Enkelsohn des gleichnamigen „Kasperlgrafen“ Franz von Pocci hatte diese anlässlich der Jubiläums-Landes- Ausstellung 1906 in Nürnberg, 100 Jahre nach der Erhebung Bayerns zum Königreich, herausgegeben. Die frühesten Hinweise für eine Fasanenhaltung stammen, wie von Pocci dargestellt, aus dem späten Mittelalter. Um 1416 soll Herzog Ludwig der Gebartete in Ingolstadt eine Fasanenaufzucht besessen haben. Vermutlich gab es einzelne Fasane in Ingolstadt aber schon vorher. Denn knapp 100 Jahre früher, nämlich 1330, verlieh Kaiser Ludwig der Bayer dem Ritter Heinrich von Mur und drei weiteren Personen in dessen Gefolge – wie urkundlich festgehalten – das Privileg, in den Wäldern östlich von Ingolstadt Fasane zu jagen. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um die Vögel, die aus dem Gehege des Kaisers entlaufen waren.

Adliges Jagdprivileg

Viele Jahrhunderte lang stand die Fasanenjagd ausschließlich dem Landesfürsten und von ihm begünstigten Adeligen zu. Die seltenen Vögel gehörten – wie Schwäne, Kraniche, Rot- und Schwarzwild – zur „Hohen Jagd“. Die „Niedere Jagd“ auf Hasen, Füchse, Dachse und das meiste andere Federwild war dem niederen Adel vorbehalten. Die restliche Bevölkerung war von der Jagd so gut wie ausgeschlossen. Wildern wurde mit empfindlichen Strafen sanktioniert. Entsprechend seinem Jagdprivileg war es nur dem Landesherrn erlaubt, Fasane in eigenen Gehegen zu halten.

Gebrachten oder gekocht

So blieb der Kreis, der in den Genuss von Fasanenfleisch kam, lange Zeit sehr überschaubar. Meistens kam der ganze Fasan gebraten auf den Tisch, selten auch gekocht. Besonders geschätzt war die Fasanenleber. Für Kurzweil an Festtafeln sorgten Schaugerichte, bei denen unter anderem gebratene Vögel oder Pasteten mit den echten Federn und dem präparierten Kopf und zuweilen vergoldeten Schnäbeln und Füßen aufgetischt wurden.

Eine Fasanenhaltung im größeren Stil ist in Bayern nach Poccis Erkenntnissen erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu verzeichnen: Zur Zeit von Wilhelm V., von 1579 bis 1597 Herzog von Bayern, soll es auf der Burg Trausnitz, dem Landshuter Sitz der Wittelsbacher, ein „Fasanenund Hühnerhäusel“ im Zwinger des Burggrabens und außerdem einen Fasanengarten an der Isar gegeben haben. Rechnungen des „Forstmaisterambts Landshut“ zufolge wurden in der alten Residenzstadt aufgezogene Fasane auch an die Münchner Hofküche geliefert. Was nicht verwunderlich ist, denn schon anlässlich des Hochzeitsbanketts von Wilhelm mit Renata von Lothringen 1568 standen gebratene Fasane, garniert mit Zitronenscheiben und Orangenstücken, auf der Speisekarte.

Das Jagdrevier der Wittelsbacher um ihre Residenzstadt München reichte von Schleißheim im Norden bis zum Starnberger See. Besonders der Norden zwischen Würm und Isar war reich an Rot-, Schwarz- und Niederwild. Ob Ende des 16. Jahrhunderts Fasane dort in freier Wildbahn anzutreffen waren, ist nicht bekannt. Offensichtlich war aber die Nachfrage nach den Vögeln hoch, sodass zu der Zeit nördlich von München – bei Moosach und in Aschheim – die ersten Fasanengärten angelegt wurden, um das exotische Federvieh dort systematisch heranzuziehen. Es wurde eigens ein Fasanenmeister eingestellt, der für Aufzucht, Fütterung und Pflege zuständig war. Von Michael Ertl, ab 1599 erster Fasanenmeister in Moosach, weiß man, dass er dem Oberstjägermeister unterstellt war und für sich und seine Gehilfen mit einem ordentlichen Sold in Höhe von 150 Gulden (fl) vergütet wurde. An der Außenwand der Münchner Wallfahrtskirche Maria Thalkirchen gibt es ein Grabrelief, auf dem Michael Ertl (gestorben 1625) mit seinen beiden Ehefrauen dargestellt ist.

Unlustige Fasanenhennen

Sich um das Brutgeschäft zu kümmern, war eine der Aufgaben des Fasanenmeisters. Wegen der Schreckhaftigkeit des Vogels und seiner „Unlust“ zum Brüten wurden die Fasaneneier in der Regel von Haushühnern oder auch von Truthennen ausgebrütet. Damit brachte man die Fasanenhennen, denen im Frühjahr die frisch gelegten Eier weggenommen wurden, dazu, mehr Eier als üblich zu legen. Nach rund 24 Tagen schlüpften die jungen Fasane, und für den Fasanenmeister und seine Helfer begann nun die arbeitsreichste Zeit im Jahr. Die empfindlichen Jungvögel mussten mehrmals täglich gefüttert werden. Anfangs mit eiweißreichem Futter, das war zum Beispiel gekochtes Hühnereiweiß oder -dotter, „gewürzt“ mit Petersilie oder mit Schafgarbenblättern, später in Milch gekochte Rollgerste. Im Alter von etwa vier Wochen wurden sie auf Körnerfutter umgestellt. Was keinesfalls auf dem Speiseplan der Jungvögel fehlen durfte, waren Ameisenpuppen. Denn diese hatten sich als ideale Nahrung für junge Fasane, aber auch für viele andere Vögel erwiesen. Für die Beschaffung des begehrten Futters waren die sogenannten Ameisler zuständig. Das waren arme Leute, die – mit Schaufeln und Tüchern ausgerüstet – den Ameisen ihre Puppen abluchsten. Bis zu fünf Kilogramm pro Tag waren durchaus drin. Dabei kamen die unterschiedlichsten Methoden zur Anwendung. Ohne den einen oder anderen Ameisenbiss jedoch kamen die Ameisler sicherlich nicht davon. Zahlreiche Schriftstücke aus der Zeit Ertls befassen sich mit der Lieferung der Ameisenpuppen, häufig fälschlicherweise als Ameiseneier bezeichnet. Weil die Ameisenpuppen so begehrt waren, kam es vor, dass so mancher Ameisler sie – statt an die Fasanerien abzuliefern – an einen der zahlreichen Vogelhändler ... (Petra Raschke)

Lesen Sie den vollständigen, reich bebilderten Beitrag in der Ausgabe September/Oktober von UNSER BAYERN, das der Bayerischen Staatszeitung Nr. 36 vom 9. September 2022 beiliegt.

Abbildung:
In Franz von Poccis Buch Der Fasan in Bayern (1906) sind die Anlage und Ausmaße der Fasanerie Erletsbach bildlich dargestellt – es war
Poccis eigene Fasanerie am Starnberger See. (Foto: Buch)

 

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