Wirtschaft

Auf der Intersolar waren teils sehr erstaunliche Solarmodulkonstruktionen zu sehen. (Foto: Solar Promotion GmbH)

24.05.2019

Alles, was Photovoltaik-Fans interessiert

Vier Messen in einer: Die Intersolar in München hatte die Solarenergie im Fokus

Früher war es einfach: Da gingen die Fachleute für erneuerbare Energien auf die Intersolar am Münchner Messegelände. Und sie fanden Solarfirmen, Verbände, Veranstaltungen rund um Photovoltaik und Sonnenwärme. Seit zwei Jahren ist das anders. Das Erneuerbare-Energien-Event heißt „The smarter E Europe“ und es fanden vier Messen in einer gleichzeitig statt. Wir stellen die wichtigsten Trends vor.

Eigentlich ist smarter E zu einer Art Hannover-Industriemesse geworden – mit Zukunftsausrichtung für altbekannte Technologien. Kabel, Trafos, Leitungen, Automatisierung, Muffen, Schaltanlagen, Bohrgeräte: All das kennen Besucher auch von früheren Hannover-Besuchen. Heute fahren Energie-Praktiker offensichtlich lieber nach München. Denn hier müssen sie nicht um Pavillons von Stahlkonzernen oder Telekom-Anbietern herumwandern, um das für sie Interessante zu finden.

Sieben Hallen – mehr als die Hälfte des Messegeländes in Riem – sind knallevoll mit Technik, die die Zukunft braucht. Dazu gehört zum Beispiel nach Meinung des Solargestell-Bauers Mounting Systems aus Berlin artificial intelligence, in Deutschland besser bekannt unter dem Kürzel KI, selbstlernenden Rechnersystemen also.

Fehler frühzeitig erkennen


Denn damit bekomme der Photovoltaik-(PV-)Anlagen-Betreiber ein Instrument an die Hand, um Fehler, die sich nach und nach aufbauen, wie zum Beispiel Schäden an einzelnen Solarzellen, frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Und das, bevor Teile des PV-Kraftwerks tatsächlich ausfallen. „Die vielen Daten werden sowieso erfasst. Dann kann man sie auch nutzen“, erklärt Nicolas Hoyer von der EDIntell GmbH aus Neu Wulmstorf, dessen Jungunternehmen die selbstlernende Maschine für Nachführ-Solargestelle entwickelt hat. Auffällig diesmal: Die Solarbranche sieht die Zukunftsaussichten „super. Wir sind auf Augenhöhe mit den konventionellen Energien, haben höchste Akzeptanzwerte“, wie Carsten Körnig freudestrahlend erklärt. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft BSW verweist auf „Kostensenkungen über die theoretische Lernkurve hinaus“ bei der Solarmodultechnik, ja sogar „im zweistelligen Prozentbereich mit Luft nach unten“ im Preisniveau. Zwar sei in Deutschland besonders wegen politischer Entscheidungen kaum mehr Produktion vorhanden. Doch durch die „vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der EU muss Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien fast verdreifachen, um den CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu senken“, rechnet Körnig vor. Und Solarenergie sei eben mehr als das Modul: Wechselrichter, Gestelle, Installation, Wartung, Überwachung, Speichertechnik, Netzanbindung – alles trägt zum Wachstum des Bereichs bei.

Weltweit wurde letztes Jahr „die 100-Gigawatt-Installationsgrenze geknackt bei 20 Prozent Zuwachs“. Inzwischen sei Solarstrom mit 5 Cent pro Kilowattstunde Erzeugungskosten auch ohne Förderung durch das Erneuerbare Energien-Gesetz EEG konkurrenzfähig, hob der Verbandsvertreter hervor. Deshalb fordert der BSW inzwischen von der Bundesregierung weniger, das EEG zu reformieren, sondern hauptsächlich, „bürokratische Hemmnisse zu beseitigen und den Ausbau zu adressieren“. Beispiele seien, mehr Freiflächen-PV-Anlagen zu gestatten oder auf EEG-Umlage bei Mieterstromversorgung aus EE-Kraftwerken zu verzichten. „Das Mieterstromgesetz ist ziemlich verkorkst“, aber es gebe „Signale aus der SPD“, dass hier nachgebessert werden solle. Bei dieser Forderung ziehe der BSW mit der Wohnungswirtschaft, dem Mieterbund und den Verbraucherzentralen an einem Strang.

An einem Strang ziehen


An einem Strang mit acht afrikanischen Ländern zieht indes das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ. Auf der Messe wurde – unter den Augen und Ohren zahlreicher afrikanischer JournalistInnen – das Projekt „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ vorgestellt. „Deutschland ist verlässlicher Partner für Transformation (von Technologie; d.Red.) nach Afrika, zum Kontinent der Chancen. Dort gibt es riesige natürliche Energieressourcen. Aber 60 Prozent der Bevölkerung hat keinen Zugang zu moderner Energieversorgung“, erläuterte Ingolf Dietrich vom BMZ, warum in Ländern wie Uganda oder Benin dezentrale PV-Stromversorgung gute Chancen habe.

Seit zwei Jahren habe das BMZ mit Bärbel Höhn (Grüne) und Josef Göppel (CSU) zwei ehrenamtliche Energiebeauftragte für Afrika, die sich um „nachhaltige Projekte, politische Beratung, Aufbau lokaler Kapazitäten“ kümmern würden, so Dietrich. Mit 500 lokalen Initiativen kooperiere man bereits. Aber ist das ein „kleiner Tropfen auf einen ganz heißen Stein“, wie ein Journalist kritisch anmerkte, oder der Beginn einer explosionsartigen Ausbreitung von Insel-Solarstrom, wie der BMZ-Mann voraussagte?
Bärbel Höhn betonte jedenfalls die „Eigenverantwortung der Afrikanischen Staaten und der Menschen dort“. Die bräuchten aber „Startkapital und Modellprojekte“, um Fachleute ausbilden und Qualitätsbewusstsein entwickeln zu können. Das Einbinden der Bevölkerung sei in der Vergangenheit gerade bei EU-Förderprojekten nicht genug beachtet worden, gab Höhn zu.
(Heinz Wraneschitz)

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