Wirtschaft

Ein verkleinertes Konzept soll den Windpark Altötting retten. (Foto: Bilderbox.com)

14.05.2024

Aus 40 mach 27

Für die Staatsregierung ist der Windpark Altötting mehr als nur ein Energieprojekt. Doch lokaler Protest machte einen neuen Plan nötig. Der sich nun andeutende Kompromiss verlangt viel Verzicht

Ein deutlich verkleinertes Konzept mit weniger Rotoren und größeren Abständen zu den Wohnhäusern soll in weniger als vier Wochen ein Scheitern des Windparks Altötting beim Bürgerentscheid im oberbayerischen Marktl verhindern. "Ich bin überzeugt, dass es jetzt einen guten und tragfähigen Kompromiss gibt", teilte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Dienstag in München mit. Zuvor hatte der Freie-Wähler-Chef nach Angaben seines Ministeriums knapp drei Stunden auf einer Bürgerversammlung in Marktl für den Kompromiss geworben. Konkret sieht der Kompromiss nur noch den Bau von 27 Anlagen vor - 13 weniger als anfangs kalkuliert. 

Am 9. Juni können die Bürger in der Marktgemeinde parallel zur Europawahl darüber abstimmen, ob die auf ihrem Gemeindegebiet geplanten Rotoren für den Windpark Altötting gebaut werden dürfen. Sollte die Abstimmung scheitern, stünde das Großprojekt vor einer noch ungewisseren Zukunft als bisher. Bereits vor Monaten hatte sich im oberbayerischen Mehring (Landkreis Altötting) die Mehrheit der dortigen Bürger gegen den Windpark auf ihrem Gebiet ausgesprochen. Seither sucht die Staatsregierung nach einem neuen Konzept.

Es war das bayerische Vorzeige-Windprojekt

Den ursprünglichen Plänen zufolge sollte rund um Altötting ein Windpark mit 41 beziehungsweise 40 Anlagen entstehen - sie sollten 550 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Es galt bisher als das Vorzeige-Windprojekt im Freistaat. Die Windräder sollten rechnerisch 150 000 Haushalte versorgen, vor allem aber dazu beitragen, den Strombedarf der in der Gegend ansässigen Chemieindustrie zu decken. Den Plänen zufolge hätte der Windpark das Potenzial, rund zehn Prozent des Bedarfs abzudecken. 

Mit den nun angstrebten 27 Windrädern wird nur noch ein Stromertrag von "gut 370 Millionen Kilowattstunden" kalkuliert, wie das Ministerium auf Anfrage der dpa mitteilte. Diese Reduktion dürfte die Verfechter der Energiewende wenig freuen und die Kritiker der Energiepolitik Bayerns in ihrer Meinung bestärken. 

Ende Februar hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die große Bedeutung des Windparks Altötting für das Chemiedreieck betont: "Ob er jetzt mit 41 oder 39 Windrädern kommt, darüber kann man diskutieren, aber er muss kommen. Es ist nur wichtig, dass am Ende der Windpark kommt und er muss die substanzielle Entwicklung haben." 

Drastisch geschrumpft

Nach der Ablehnung in Mehring war das Konzept aber drastisch geschrumpft und auf 29 Windkraftanlagen verkleinert worden, vor zwei Wochen hatte Aiwanger dann nach Angaben seines Hauses zu Gunsten des Ortsteils Schützing den Vorschlag gemacht, auf zwei weitere Rotoren auf Neuöttinger Gemeindegebiet zu verzichten. So werde eine Sichtbehinderung verhindert. "Gemeinsam mit der Gemeinde, den Planern und den Bayerischen Staatsforsten haben wir die Planungen umfassend angepasst und die Zahl der Windräder reduziert. Das ist ein wichtiger Fortschritt im Sinne der Bürger in der Region", sagte Aiwanger. 

Durch die Reduktion der Rotoren soll ein Abstand von 1200 Metern zur geschlossenen Wohnbebauung ermöglicht werden. Ferner soll es untersagt werden, dass Wohngebäude in einem Radius von mehr als 180 Grad von Windrädern umfasst werden.

Nachdem die Staatsregierung in den vergangenen Monaten immer betont hatte, dem Ausbau der Windkraft käme eine Schlüsselrolle in der Energiewende zu, betonte Aiwanger nun: "Bayern braucht einen maßvollen Ausbau der Erneuerbaren Energien." (Marco Hadem, dpa)

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