Wirtschaft

Wie wichtig ist Wasserstoff auch für die Heizungswende? (Foto: dpa/Wüstneck)

28.05.2023

Billiger als die Wärmepumpe

Immer öfter ertönt die Forderung, Wasserstoffheizungen für die Wärmewende einzusetzen: Wie sinnvoll ist das?

Die FDP blockiert das unausgegorene Heizungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Doch die Aufregung um das geplante weitgehende Verbot von Öl- und Gasheizungen bleibt. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) macht sich derweil für Wasserstoffheizungen stark. Deren Hauptvorteil sei, dass man das bestehende Erdgasnetz nach einer Umrüstung weiter nutzen könnte. Richtig ist: In Deutschland haben 1,8 Millionen Unternehmen und über 19,6 Millionen Privathaushalte einen Gasanschluss.

Aiwanger ist mit seinen Wasserstoffplänen nicht allein. Bei Schwaben Netz, der 100-prozentigen Infrastrukturtochtergesellschaft von Energie Schwaben aus Augsburg, arbeitet man daran, die bestehenden Gasnetze für den Transport von Wasserstoff zu ertüchtigen. „Nach unserem aktuellen Gasnetztransformationsplan werden wir bereits ab dem Jahr 2032 zwei von sechs Umstellzonen unseres Netzes auf 100 Prozent Wasserstoff umgestellt haben“, sagt Christian Blümm von Energie Schwaben. Bis zum 31. Dezember 2034 wolle man die Umstellung für das komplette Netz ermöglichen.

Doch was bringt eine Wasserstoffheizung tatsächlich? Bei den Kosten ergeben sich klare Vorteile gegenüber der Wärmepumpe. Laut den Herstellern Bosch und Vaillant sind Wasserstoffheizungen nur unwesentlich teurer als konventionelle Gasheizungen. Im Internet kursieren Preisspannen von 6000 bis 10 000 Euro für eine Wasserstofftherme – je nach Größe und Modell. Damit sind sie deutlich günstiger als die mit rund 45 000 Euro zu Buche schlagende Wärmepumpe.

Spätestens ab 2025 sind laut dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches sogenannte H2-ready-Neugeräte verfügbar. Diese nutzen zwar standardmäßig Erdgas oder Biomethan, können aber binnen zwei Stunden und für wenige 100 Euro für den Betrieb mit 100 Prozent Wasserstoff umgerüstet werden.

Ein Lichtblick ist dies vor allem für all jene, bei denen der Einbau einer Wärmepumpe nicht funktioniert. Das ist in vielen älteren Mietshäusern in Städten der Fall. 2021 gab es dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zufolge rund 19,4 Millionen Wohngebäude, von denen knapp zwei Drittel vor 1979 erbaut wurden. Mehr als die Hälfte der Gebäude sind in ihrem derzeitigen ungedämmten Zustand nicht für eine elektrische Wärmepumpe geeignet. Durch den Austausch einzelner Armaturen und Messgeräte sind sie jedoch leicht für den Einsatz von Wasserstoffheizungen umrüstbar.

Damit das alles funktioniert, muss Bayern an ein nationales oder europäisches Wasserstoffnetz angeschlossen sein. Das soll laut bayerischem Wirtschaftsministerium bis 2030 der Fall sein. Ob dann aber der Strom für die Wärmepumpe oder Wasserstoff für die Therme billiger sein wird, steht in den Sternen. Fakt ist, dass wie bei der Öl- und Gasheizung heute auch eine Wasserstoffheizung Strom benötigt, damit die in ihr verbauten Steuerungselemente funktionieren. (Ralph Schweinfurth)
 

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